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Ludwigsfelde „Schule ist doof“
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde „Schule ist doof“
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01:16 01.02.2019
In kleiner Gruppe lernt es sich besser – diese Jugendlichen wollen den 9.-Klasse-Abschluss schaffen; in der Mitte Pädagogin Anja Wolf. Quelle: Foto: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Sie maulen, sie motzen – genau wie andere 14- bis 18-Jährige. Und doch ist bei Clemens, Jason, Tom und den nderen vieles anders als in sonstigen 9. Klassen: Zwölf Jugendliche in Ludwigsfelde, die an ihren bisherigen Schulen nicht klar kamen, lernen nun in zwei kleinen Gruppen.

Jede Woche bekommen sie ein Minizeugnis. Und fast jeden Tag steht auf ihrem Stundenplan auch „Lernbüro“. Diese jungen Menschen kommen von verschiedenen Schulen, nur dieses eine Jahr lang lernen sie gemeinsam.

Heute wird differenziert

Früher wurden Schüler wie sie abgestempelt, da hieß es kurz „Schulverweigerer“. Heute wird differenziert: Schüler haben entweder einen besonderen Unterstützungsbedarf oder ihr Verhalten ist schuldistanziert, so das Amtsdeutsch.

Die Probleme beginnen oft unbemerkt. Mit Sätzen wie „Schule ist doof“ oder mit lautstarker Provokation; das drücke auch Verweigerung aus, ob gegen Mitschüler, Lehrer oder gegen die Fülle an Lehrstoff, erklärt Sozialpädagogin Anja Wolf.

Der Anfang passiert schleichend

Sie ist angestellt bei der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung Brandenburger Kinder und Jugendlicher (GFB) und leitet das Projekt „Gemeinsam lernen“. Und sie erklärt: „Oft gibt es die ganz offensichtliche aggressive Anti-Haltung. Oder ein eher introvertierter Jugendlicher zieht sich von allem zurück.“

Dass Leistungen in Teilbereichen schlechter werden, beginne womöglich schon in der Grundschule. „Das passiert, wenn sich ein junger Mensch allein gelassen fühlt. Merkt das niemand, weder Eltern oder Lehrer, dann wird irgendwann abgeschaltet“, sagt Anja Wolf.

Fast alle schaffen die 9. Klasse

Sie und ihr Kollege Maik Tscherwinka stehen in Ludwigsfelde täglich vor einem Dutzend Jugendlicher, die es bis zum Sommer trotz verschiedenster Hemmnisse schaffen sollen, die 9. Klasse abzuschließen.

„Und das werden sie auch“, erklärt Pädagogin Wolf, davon sei sie fest überzeugt. „Ihre“ Jugendlichen hätten dazu das Zeug ebenso wie Gleichaltrige.

„Wir können nicht alle retten, aber die meisten schaffen es und schließen dieses Jahr erfolgreich ab“, erklärt sie. Lediglich für ein oder zwei Schüler pro Jahr müssten noch andere Lösungen gefunden werden.

Adrian, Disele und Florian sehen Vorteile

Und sie ergänzt: „Aber auch bei uns gibt es wie in jeder Regelklasse die Chance, ein Schuljahr zu wiederholen.“

Es ist „Lernbüro“: Drei Jungs schauen unentwegt auf ihr Handy. Andere erzählen, warum sie mit diesem Unterricht besser klar kommen als früher.

„Wir haben weniger Unterricht“, sagt Disele. Florian kann besser lernen, „weil es hier leiser ist“. Und Adrian findet es gut, dass sie weniger Schüler sind: „Da kann mehr auf jeden einzelnen eingegangen werden“, sagt er und freut sich, vor allem in Englisch auch mal Extraaufgaben zu bekommen.

Selbst Fähigkeiten aktivieren

Ziel von „Gemeinsam lernen“ ist es vor allem, die jungen Menschen erkennen zu lassen, welche Ressourcen sie haben und diese auch zu aktivieren.

Das ist eines von drei Projekten im Kreis Teltow-Fläming, das lernunwilligen Jugendlichen hilft, einen Schulabschluss zu erreichen, heißt es auf Nachfrage von der Kreisverwaltung.

Neben dem GFB-Schuljahr für den 9.-Klasse-Abschluss seien das zwei Projekte: Der Verein WIR in Zossen unterrichtet junge Menschen in den Klassenstufen neun und zehn, so die Information des Jugendamtes. Und in Trebbin gibt es unter Trägerschaft des Kinderheims das Schulprojekt Argo für die Klassenstufen sieben und acht.

Von Jutta Abromeit

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