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Ludwigsfelde So reagieren MAZ-Leser auf den Schallplatten-Bericht über Ralf Haase
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00:25 16.03.2019
Der Ludwigsfelder Ralf Haase hat die meisten der in der DDR erschienenen Schallplatten, hier ist seine älteste: eine Schellack-Platte von Amiga mit Ausschnitten der Egmont-Ouvertüre. Quelle: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Ein ungeahnt großes Echo löste der MAZ-Beitrag zu Ralf Haases Platten-Paradies aus: Bei dem Ludwigsfelder Sammler, der wahrscheinlich drei Viertel aller in der DDR gepressten Schallplatten hat, und in der Redaktion meldeten sich Dutzende Leser. Und es kommen immer noch Anrufe und Mails.

Eine der alten Eterna-Scheiben. Quelle: Jutta Abromeit

Auf eines sei ausdrücklich verwiesen: Die MAZ gibt keine persönlichen Kontaktdaten ohne Freigabe des Betreffenden weiter. Ralf Haase sagte am Mittwoch nach der auch für ihn völlig überraschenden Resonanz: „Ich nehme mir die Zeit und rufe wenigstens zurück oder schreibe. Und wenn es alte Platten anzuschauen gibt, dann fahre ich natürlich hin.“

Auf seiner Liste stehen bereits ein Großbeerener, ein Blankenfelder und ein Luckenwalder. Letzterer hatte sich in der Redaktion gemeldet und gesagt: „Ich habe ungefähr 150 alte Amiga-Platten, die mal in Automaten gelaufen sind. Vielleicht sind ja da für Herrn Haase noch ein paar interessante dabei.“ Eine Leserin hatte 200 Platten geerbt und wollte Haase fragen, ob ihn das interessiere.

 

Solche Taschen gab es die ersten Platten dazu, natürlich hat Ralf Haase auch davon einige. Quelle: Jutta Abromeit

Etliche Leser haben dasselbe Anliegen wie Mathias Paselk. Der Potsdamer mailte, er sammle ebenfalls DDR-Schallplatten, und würde Ralf Haase gern persönlich kennen lernen; „nicht zuletzt, um sich gegenseitig auszutauschen“, wie er schreibt. Ihm gehe es speziell um die Marke Nova mit zeitgenössischer klassischer Musik. Da interessierten ihn ganz besonders Veröffentlichungen der 1980er Jahre. „Die sind sehr selten und meistens unbekannt“, schrieb er.

Überraschung für den Sammler

Ein Ludwigsfelder aus der alten Eigenheimsiedlung rief an und sagte, er habe eines dieser Exemplare mit dem Aufdruck „Unverkäufliche Musterplatte“. Die gab es vor allem von jeweils aktuellen Musikgrößen in einfarbigen Hüllen ohne jede Aufschrift. Welche Platte das ist, wollte der Anrufer allerdings nicht verraten, das solle eine Überraschung für Ralf Haase sein.

bis zu acht Versionen gibt es manch eine Platte. Quelle: Jutta Abromeit

Ganz ausführlich schrieb der Niedergörsdorfer Roland Bär; er hatte von 1988 bis nach der Wende für den VEB Deutsche Schallplatten Berlin DDR gearbeitet und erklärt: Es seien in der DDR keine Schallplatten von sogenannten „Vaterlandsverrätern“ verkauft worden, weil die Tantiemen dann in die BRD in D-Mark hätten bezahlt werden müssen.

Und dann kommt er ins Erzählen: Die tatsächliche Auflage einer BAP-Platte und von anderen A-Lizenzen habe im Minimum 200.000 Stück betragen und teilweise mehr als 500.000. Zum Beispiel die LP Juliane Werding oder die EP der Ärzte als Quartett-Platte. Von A-Lizenzen habe Amiga die Rechte für Auflagen zwischen 5- und 30.000 gekauft; „bei Grönemeyer waren es ausnahmsweise 40.000 Stück“, das weiß Roland Bär noch.

Basis für die Produktion in der DDR seien zugesandte Bänder der West-Plattenfirmen gewesen, erinnert er sich. Und schreibt weiter: „Da die Lizenzen meist schnell ausverkauft waren, ist der systematische Betrug den meisten Interpreten und Plattenfirmen - Ausnahme BAP - nicht aufgefallen oder sie sahen darüber hinweg.“ Allein der für Staatsorgane wie Armee und so weiter, reservierte Auflagen-Anteil sei meist höher als die offizielle Lizenzauflage gewesen, so Bär.

Unverkäufliche Musterplatte mit Aufnahmen der Pet Shop Boys. Quelle: Jutta Abromeit

Peter Alexander in Joan-Baez-Cover war Verwechslung

Die erwähnten genannten „Unverkäuflichen Musterplatten“ in neutralen Covern konnten Mitarbeiter „als eine Art Weihnachtsgratifikation“ kaufen, pro Person vier Stück im Jahr zum Industrieabgabepreis von weniger als zehn Ostmark, wie der damalige Insider schreibt. Zeitgleich habe es die Platten mit Original-Cover oder -Etikett gegeben oder zuvor schon im Intershop. Und er ist sich sicher: „Dass Peter Alexander im Joan-Baez-Cover verkauft wurde, war mit Sicherheit nur eine Verwechslung.“

Musik-Fans in der DDR benachteiligt

Außerdem merkt der frühere Amiga-Mann an: „Bei der Ost-Schallplatte wurde der Schlager- beziehungsweise Rock-Fan, was die Qualität betraf, benachteiligt.“ Denn für eine Klassik-Produktion sei bei Musikkassetten besseres Bandmaterial und bei Klassik-Platten für DMM-LPs besseres Vinyl verwendet worden. „Recyceltes Vinyl aus Fehlpressungen oder unverkäuflichen Platten wurde nur für sogenannte Unterhaltungsmusik-Produktionen eingesetzt.“

Schallplattensammler Roland Bär aus Gölsdorf/Niedergörsdorf. Quelle: Katja Schubert

Des weiteren macht Bär auf einen Fehler in der Montag-Veröffentlichung aufmerksam: Liedermacher Stefan Diestelmann hatte die DDR nicht 1966, sondern 1984 verlassen. Das weiß Ralf Haase natürlich, die Autorin entschuldigt sich für dieses Versehen.

Vielleicht gibt es ja mal Platten-Abende

Vielleicht werden ja rund um Ludwigsfelde noch weitere Platten-Geschichten zum besten gegeben. Ralf Haase sagte, die Hälfte der Anrufer fragte, ob er nicht wenigstens einen Teil seiner Sammlung mal öffentlich vorstellen wolle oder ob er Themen-Abende mit seinen Platten gestalte. Dazu sagt der 55-Jährige, er werde drüber nachdenken und sich mal umhorchen, welche Möglichkeiten es geben könnte.

Von Jutta Abromeit

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