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Ludwigsfelde Sozialkaufhaus auch in der Boom-Region nötig
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05:55 22.02.2019
Solbra-Vereinschef Henri Vogel (r.): „So viel Kleidung und Lebensmittel setzen wir täglich um.“ Quelle: Foto: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Trotz des riesigen Fachkräftemangels, des leer gefegten Arbeitsmarkts in der Region und obwohl es der Stadt Ludwigsfelde zurzeit recht gut geht, gebe es dennoch ständig zwischen 1000 und 1500 Hartz-IV-Empfänger in Ludwigsfelde. Das sagte Henri Vogel, Vorsitzender des Sozialkaufhaus-Trägervereins Solbra diese Woche bei einem Pressegespräch.

Seit 2016 gibt der Verein die Solbra-Card aus

 „Und nach wie vor haben jede Woche Neuanmeldungen für unsere Lebensmittelausgabe, zurzeit sind es zwei bis drei.“ Zu denen gehörte jüngst eine 60-jährige Frau, die plötzlich wieder auf solch eine Hilfe angewiesen sei. Vogel erklärt, seit September 2016 gebe der Verein nach der Bedürftigkeitsprüfung mit der Solbra-Card ein vereinseigenes Dokument für die Lebensmittelausgabe und das Haus der kleinen Preise aus. „Deshalb wissen wir, dass seit dem 354 Haushalte mit 404 Erwachsenen und 214 Kindern und Jugendlichen auf unsere Hilfe angewiesen sind“, sagt Henri Vogel.

Dabei steht er vor einem eigens aufgetürmten Berg von Kleidung und grünen Lebensmittel-Kisten: „Das alles – eine halbe Tonne Lebensmittel und etwa 100 Kilogramm Kleidung – bekommen wir pro Tag.“ Das werde von den Kollegen sortiert und verkauft.

 „Hinzu kommen von Montag bis Samstag täglich 15 bis 20 Touren zu Supermärkten und drei bis vier Lkw-Touren, um Möbel abzuholen“, so der Solbra-Chef. 50 bis 60 zahlende Kunden pro Tag zeigten einfach, wie nötig dieses Haus der kleinen Preise trotz des relativen Reichtums in der Stadt noch immer sei.

Humor beweisen trotz der mittleren Wasser-Katastrophe im Ludwigsfelder Sozialkaufhaus "Haus der kleinen Preise" die Mitarbeiter um Solbra-Chef Henri Vogel: Sie bitten Kunden um Entschuldigung, dass die Umkleide- im Moment eher Duschkabinen sind Quelle: Jutta Abromeit

 Ausdrücklich bedankte sich Vogel bei ebenfalls eingeladenen Sponsoren, meist Gewerbetreibende und Mittelständler aus der Stadt. Ohne die sei das alles nicht möglich, auch wenn die Kommune den Verein mit 44.000 Euro jährlich unterstütze und 145.000 Euro von Bund, Land, Kreis, dem Jobcenter und aus Spenden kämen. „Rund 176.000 Euro erwirtschaftet der Verein jährlich selbst“, so Vogel. Wie berichtet helfen Sponsoren, die marode Baracke so lange zu erhalten, bis ein neues Domizil gefunden ist.

Dachdeckermeister Dirk Marien (vorn), sein Geselle Bodo Schäfer (hinten re.) und Azubi Sandro Tiedemann reparieren das marode Dach vom Sozialkaufhaus Ludwigsfelde zu einem Freundschaftspreis; dort regnete es bei den vielen Güssen dieses Sommers überall durch, die gespendeten Kleidungsstücke und Möbel drohten zu schimmeln Quelle: Jutta Abromeit

Und er machte auf einen Fakt aufmerksam, der kaum wahrgenommen werde: „Bedürftige bleiben oft völlig unterm Radar. Allein in unserem Verein leisten Verurteilte wie Schwarzfahrer oder Menschen aus Schlägereien 2000 bis 3000 Sozialstunden pro Jahr.“

Vogel schilderte einen typischen Fall: „Wir haben zurzeit einen Mann, der nach Ableistung einer Strafe jetzt im Bundesfreiwilligendienst bei uns arbeitet. Das endet nicht selten damit, dass solche Menschen bei uns eingestellt werden und dann an der Kasse stehen.“ Das seien oft „Karrieren“, die als Alg-II-Empfänger und in Altersarmut endeten und von der Öffentlichkeit angesichts der boomenden Region kaum wahrgenommen würden; „doch es gibt sie und sie gehören eben auch zu dieser Gesellschaft“.

Von Jutta Abromeit

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