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Ludwigsfelde Diagnose: Neuro-Borreliose nach Zeckenbiss
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10:18 08.12.2018
Martin, Florian, Christina und Angela: Die Familie Kairies in ihrem Wohnzimmer. Auf ihren Wunschzettel setzt die Familie Dinge, die den Kindern Freude bereiten sollen. Quelle: Foto: Hannah Rüdiger
Ludwigsfelde

Das Leben von Angela und Martin Kairies war einmal so, wie es sein sollte. Fast 20 Jahre ist es her, dass die beiden sich kennenlernten. Sie betreute damals die Juniorwasserretter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Dahme, er war bei der Wasserwacht in Ludwigsfelde. Die beiden Ehrenamtler verliebten sich und heirateten. Im Laufe der Jahre bekamen sie einen Sohn, Florian, und kauften ein Holzhaus in Ludwigsfelde. Als 2015 noch die kleine Christina hinzukam, schien das Familienglück perfekt. Eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch.

Doch vor drei Jahren geriet das Leben der Familie aus den Fugen. Schuld daran ist ein Insekt in der Größe eines Stecknadelkopfes: Eine gewöhnliche Zecke, im „nüchternen“ Zustand gerade einmal einen Millimeter groß. In vielen Fällen bleibt ihr Biss so gut wie folgenlos. Für Martin Kairies nicht. „Ich habe gar nicht mitbekommen, dass ich gebissen wurde“, sagt er. Erst, als er eines Sonntags im August 2015 scheinbar ohne Grund mit seinem Fahrrad stürzte und liegen blieb, wurde klar, dass mit ihm etwas nicht stimmt. „Niemand wusste, warum er überhaupt gestürzt ist“, erzählt Angela Kairies. „Das muss der erste Nervenaussetzer gewesen sein.“

Von Tag zu Tag schlimmere Symptome

Seitdem ging es mit der Gesundheit von Martin Kairies stetig bergab. Er bekam Herzrhythmusstörungen, sah und hörte schlecht und litt unter starken Muskelverspannungen. Hinzu kamen immer mehr Symptome von Schlafstörungen bis hin zu extremer Heiserkeit. Irgendwann verkrampfte sich seine rechte Körperhälfte, der rechte Mundwinkel hängt nun herab wie nach einem Schlaganfall.

Was der Familienvater in den darauffolgenden Jahren durchmachen musste, war eine „diagnostische Odyssee“, wie er es nennt. Fehldiagnose folgte auf Fehldiagnose, er wurde mit Medikamenten vollgepumpt und gegen alle möglichen Krankheiten behandelt – ohne Besserung.

Endlich eine Diagnose

Alltägliche Handgriffe entwickelten sich zur stundenlangen Tortur. Mitunter war Kairies wie gelähmt. „Manchmal sah ich, wie der Kochtopf auf dem Herd überkochte, aber ich konnte den Deckel einfach nicht anheben“, sagt er. Seinen Job bei Mercedes-Benz, wo er im Schichtdienst schuftete, musste er aufgeben. Die Ärzte standen vor einem Rätsel. Erst im Mai dieses Jahres wurde klar: Martin Kairies leidet an einer Neuro-Borreliose. Endlich gab es eine richtige Diagnose.

Doch auch die nächste Therapie brachte keine Besserung. Denn die jahrelangen Fehlbehandlungen haben ihre Spuren hinterlassen. Der 40-Jährige hat große Probleme beim Sprechen, seine rechte Körperseite zittert und krampft ohne Unterlass. Hinzu kommen unerträgliche Schmerzen, jeden Tag, rund um die Uhr.

Vom Leben mit der Krankheit

Die Erkrankung hat das Leben der Ludwigsfelder Familie von einem auf den anderen Tag auf den Kopf gestellt. Angela Kairies, die halbtags als Bilanzbuchhalterin in Potsdam arbeitet, kümmert sich jetzt um 90 Prozent der Aufgaben im Haushalt. „Martin ist zwar im Familienleben dabei, aber manchmal nur fünf Minuten“, sagt die 35-Jährige. Vieles sei für ihren Mann zu anstrengend geworden, an schlechten Tagen müsse er sich nachmittags nochmal hinlegen. Im Kopf ist Martin Kairies immer noch der Alte. Aber es schmerzt ihn, nicht richtig für die Kinder da sein zu können. „Einfach mal Fußball spielen oder auf den Weihnachtsmarkt gehen, das ist nicht mehr drin“, sagt er.

Für die dreijährige Christina ist die Krankheit ihres Vaters das Normalste auf der Welt. Sie war gerade ein halbes Jahr alt, als sich Kairies’ Zustand rapide verschlechterte. Das quirlige blonde Mädchen hat ihren Vater nie anders gekannt. Für Florian, acht Jahre alt und somit der „Große“ in der Familie, war es schwieriger, die neue Situation zu verstehen. Am Anfang sei er völlig hilflos gewesen, erzählt seine Mutter. „Er war manchmal richtig wütend und sagte dann: ’Die Ärzte müssen dem Papa doch helfen’“, sagt die 35-Jährige.  

Ein Helfer, der selbst Hilfe braucht

Für den Familienvater ist es keine angenehme Vorstellung, Hilfe von anderen Menschen anzunehmen. Schließlich war er es doch, der sich in seiner Freizeit jahrelang als DRK-Mitglied und stellvertretender Leiter der Wasserwacht für die Belange anderer eingesetzt hat. In den vergangenen Jahren musste er sich immer mehr aus dem Ehrenamt zurückziehen, heute versucht er, per E-Mail von Zuhause aus zu helfen. „Im Herzen bin ich immer noch Ehrenamtler“, sagt er.

Auch seine Frau ist immer noch DRK-Mitglied. Beide haben immer viel für andere getan – dass sie über die MAZ-Sterntaleraktion auch mal etwas zurückbekommen sollen, nehmen sie nur zögerlich an. Denn eigentlich seien sie ja nicht bedürftig, findet Martin Kairies. Doch die Erwerbsminderungsrente, die er seit November 2017 bezieht, ist klein. Selbst mit dem Einkommen seiner Frau reicht das für ein sorgenfreies Leben nicht aus.

Wunschzettel: Alles für die Kinder

Zumal das Holzhaus noch lange nicht abbezahlt ist. Auf ihren Wunschzettel setzt die Familie schließlich Dinge, die den Kindern Freude bereiten sollen. BMX-Scooter für die Kleinen wären toll, mit denen sie dann über die Matschpisten pesen könnten. Und vielleicht ein Wochenende im Schnee, mit Skischule. Auch die 20 Jahre alte Küche mit ihren dunkelbraunen Fronten hat schon bessere Tage gesehen, ein paar Neuerungen wären schön. Ansonsten bleibt die Familie mit ihren Wünschen bescheiden. Am wichtigsten sei es, dass es den Kindern gut geht.

Von Hannah Rüdiger

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