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Ludwigsfelder Firma arbeitet für die Luftfahrt

Industriepark Ludwigsfelder Firma arbeitet für die Luftfahrt

Die Firma Krauss im Industriepark Ludwigsfelde beschichtet Oberflächen. Dabei erhält das Unternehmen zunehmend Aufträge im Bereich der Luftfahrt, liefert etwa neuerdings Kleinteile für den Rumpf des Airbus A320 an einen Süddeutschen Zulieferer.

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Geschäftsführer Christian Bergner an der Wasseraufbereitungsanlage.

Quelle: Jutta Abromeit

Ludwigsfelde. Herzstück des mittelständischen Zulieferers Krauss im Industriepark Ludwigsfelde ist die Galvanik. Mehr als 100 Tauchbecken stehen dort: Säurebäder, Wannen für Kadmium, Zink oder Reinigungslösungen. Dort wird vernickelt, verchromt und versilbert, Teile aller Art erhalten Schutz- oder Funktionsschichten.

Ganz neue Aufträge bekommt die Firma gerade von einem Airbus-Zulieferer aus dem Raum Stuttgart. Der hat erstmals Kleinteile für den Rumpf des A 320 geschickt. Dazu gehören Kisten mit Dutzenden Aufhängungen für Gepäckablagen. „Diese Teile werden bei uns galvanisiert und lackiert. Spätestens nach einer Woche sind sie wieder beim Auftrageber“, sagt Krauss-Geschäftsführer Christian Bergner. Die in Ludwigsfelde veredelten Stücke gehen zurück nach Süddeutschland, anschließend nach Österreich und werden in Baugruppen zu Airbus nach Hamburg geliefert.

Der stellvertretende Schichtleiter Christian Gellenthin  taucht in der Abteilung Galvanik eine Palette  eingespannter kleiner Federn zum Beschich

Der stellvertretende Schichtleiter Christian Gellenthin taucht in der Abteilung Galvanik eine Palette eingespannter kleiner Federn zum Beschichten in ein Kadmium-Bad.

Quelle: Jutta Abromeit

Der diplomierte Flugzeugbauer Bergner arbeitete fünf Jahre beim Nachbarn MTU, jetzt ist er wieder Chef der Firma, die er als Krauss Oberflächentechnik bereits seit 2005 geleitete hatte. Damals wie heute hat sie zwischen 30 und 35 Mitarbeiter. 2006 war Krauss nach China expandiert. In Xian, der 8-Millionen-Metropole, in der die Terrakotta-Armee steht und die Seidenstraße beginnt, entstand ein doppelt so großes Schwesterwerk. Doch das Joint Venture scheiterte. „Der Markt in Asien ist nicht derselbe wie hier“ – als Bergner das erkannte, stieg er 2009 aus. Für Krauss wurde 2014 Insolvenz angemeldet, für die Neugründung holte man Bergner zurück. Heute wird bei Krauss immer noch repariert und gewartet. „Doch wir beschichten nun auch Neuteile. Das macht inzwischen etwa die Hälfte unseres Umsatzes aus“, erläutert der 48-jährige Chef.

Krauss-Gesellschafter sind mit einem früheren Rolls-Royce- und einem früheren MTU-Manager Geldgeber aus der Luftfahrtbranche. Bergner bescheinigt ihnen ein konservatives Abwägen von Geschäftsrisiken. Gebäude, Anlagen und Mitarbeiter sind auf die neue Firma übertragen. Und die hat sich offensichtlich eine Nische erobert. „Die Großen der Branche wie Rolls-Royce oder Airbus haben allein in Deutschland 100 bis 120 Lieferanten, die zerspanen“, sagt Bergner. „Aber da sind kaum Firmen dabei, die auch beschichten. Diese Dienstleistung liefern wir.“ Nicht nur das: Seit 2011 werden bei Krauss Luftfahrt-Bauteile auch rissgeprüft. Das heißt: Jedes Teil wird auf Haarrisse untersucht, die nach weiteren Arbeitsgängen nicht mehr sichtbar sind, in der Luft jedoch zu Katastrophen führen könnten. Für diese Rissprüfung sind Luftfahrt-Zulassungen nötig.

In der Plasmaspritzkabine wird es bis zu 16 000 Grad Celsius heiß

In der Plasmaspritzkabine wird es bis zu 16 000 Grad Celsius heiß.

Quelle: Jutta Abromeit

Außerdem hat sich die Firma einen weiteren Spezialzweig der Beschichtung erschlossen: das Plasmaspritzen. Dabei werden Metalle, Karbide oder Keramiken auf empfindlichste Teile aufgespritzt. Zum Beispiel auf wenige Quadratzentimeter große Hochdruck-Verdichterschaufeln für Triebwerke. Das passiert in einer Plasmaspritzkabine bei Temperaturen von bis zu 16 000 Grad Celsius. Diese Titanteile darf niemand mit bloßen Händen anfassen. „Die Säure der Haut würde Abdrücke hinterlassen, die die Oberfläche angreifen“, erklärt der Geschäftsführer.

Weil die Firma mit ihren teils hochgiftigen Wirkstoffen im Trinkwasserschutzgebiet liegt, gibt es nicht nur eine extrem wirksame Absauganlage über den Prozessbädern. Auch eine spezielle Wasseraufbereitungsanlage bindet Rückstände.

Pro Jahr verlassen 35 000 Teile das einschichtig arbeitende Krauss-Werk inzwischen. Deren Wert hat sich teilweise verdoppelt. „Der Prozentsatz an Neuteilen wird weiter steigen“, sagt Bergner, „unsere Kernkompetenz ist und bleibt aber das Beschichten.“ Und die Arbeitskräfte-Mischung wird internationaler. „Im September stellen wir einen iranischen Azubi ein. Mit deutschen Jugendlichen allein halten wir unsere Mitarbeiterzahl auf Dauer nicht“, sagt der Geschäftsführer.

Info: Weiter Informationen über die Krauss GmbH gibt es unter www.krauss-aviation.com

Von Jutta Abromeit

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