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Ludwigsfelderin findet ältesten Bussard Europas

Vogelkunde Ludwigsfelderin findet ältesten Bussard Europas

Als Bärbel Rauter bei Nunsdorf einen Vogelkadaver fand, nahm sie ihm vor allem deswegen den Ring ab, weil sie verhindern vollte, dass ein Fuchs daran zugrunde geht. Anhand der Daten stellte sich aber heraus, dass sie auf eine ornithologische Sensation gestoßen war. Einen älteren Bussard hat man in ganz Europa noch nicht nachgewiesen.

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Archivbild eines Mäusebussards. Dieses Exemplar ist – anders als das von Bärbel Rauter – nicht beringt.

Quelle: dpa

Kerzendorf. Bärbel Rauter hatte schon einen kleinen Spaziergang hinter sich, als sie den Fund machte, der sie in die vogelkundlichen Rekordlisten bringen wird.

Es war Karfreitag. Die Kerzendorferin war mit ihren beiden Hunden unterwegs, als sie zwischen Nunsdorf und Märkisch Wilmersdorf an einem Waldrand einen verendeten Vogel liegen sah. Das große Tier lag auf dem Rücken, die Flügel ausgebreitet, und sah zerzaust aus.

Der Anblick war nicht schön, die Meisten hätten wohl einen Bogen um den Kadaver gemacht und ihn den Wildtieren überlassen. Bärbel Rauter aber näherte sich und betrachtete die Vogelleiche. Sie interessiere sich für alle Tiere, erzählt sie am Telefon. Besonders gerne beobachte sie Vögel, auf dem Gebiet kennt sie sich ein bisschen aus. Bei dem toten Tier handelte es sich um einen Mäusebussard, das sah sie. Und das Exemplar trug sogar einen Ring. „Ich dachte, den müsste man eigentlich abmachen. Die Tiere werden ja nicht umsonst beringt. Und hätte ein Fuchs den Ring verschluckt, wäre das für ihn auch nicht gut gewesen“, sagt Bärbel Rauter. Vorsichtig versuchte sie das Metall abzustreifen. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, sie musste dem Kadaver letztlich das Bein abdrehen, aber am Ende hatte sie ihn – und damit auch den Dank der Vogelberingungsstation auf Hiddensee – sicher.

Der tote Bussard

Der tote Bussard

Quelle: Bärbel Rauter

Die Fachleute dort waren reichlich erstaunt als sie die Ringnummer mit der Datenbank abglichen. Das Tier, das Bärbel Rauter gefunden hatte, wurde demnach mindestens 28 Jahre und neun Monate alt. Für die Spezies Buteo buteo ist das ein wahrhaft biblisches Alter. Ein älteres Tier wurde bislang in ganz Europa nicht gefunden.

Vögel werden in vielen Ländern der Erde von ornithologisch bewanderten Ehrenamtlichen beringt. Es ist die gängigste Art, Informationen über die Lebensspanne, die Population und die Lebensweise der Tiere zu erhalten. Lange Zeit war es auch die einzig mögliche. Ausgebildete Beringer klettern dafür auf Bäume oder Felsen und stecken Jungvögeln in ihren Nestern die datierten Markierungen an die Beine.

Hobbyornithologe aus Falkensee hat den Bussard beringt

Der Mann, der seinerzeit besagten Bussard markierte, war – das geht aus dem Datenblatt der Beringungsstation hervor – Horst Schreiber, ein erfahrener Hobbyornithologe aus Falkensee mit beeindruckender Beringungsbilanz. Auf Bärbel Rauters Bussard stieß er am 12. Juni 1987 in Saarmund bei Potsdam. Schreiber muss damals einen Baum erklommen haben, denn Mäusebussarde nisten in mindestens 15 Meter Höhe. Im Nest fand er vier Jungtiere vor. Einem legte er den Ring mit der Nummer 008579 an. Das Tier sei „nestjung“ notierte er. Es war also nur wenige Monate alt. Die drei Nestgeschwister beringte Schreiber nicht – warum auch immer.

„Das ist etwas bedauerlich“, sagt Ulrich Köppen, der Leiter der Beringungszentrale auf Hiddensee. Der Vergleich der Lebensläufe von Geschwistern sei für die Wissenschaft interessant, weil man viel über die Auswirkung genetischer Faktoren auf das Leben der Tiere erfährt. Aber auch ohne die Geschwister lasse sich aus den Daten des bei Ludwigsfelde gefundenen Tieres noch etwas ablesen über das, was Köppen „die Erfolgsgeschichte des Mäusebussards“ in Deutschland nennt. Denn in den gut 10 500 Tagen zwischen Beringung und Tod hat sich das Fundtier von Bärbel Rauter gerade 16 Kilometer von seinem Geburtsnest entfernt. Das sei typisch, sagt Köppen. Heimat bedeute Bussarden Sicherheit, und die geben sie nicht gerne auf.

Neben Turmfalken sind Mäusebussarde die häufigste Greifvogelart

Möglicherweise ist das einer der Gründe, weshalb es von ihnen auch so viele gibt. Neben Turmfalken sind Mäusebussarde die häufigste Greifvogelart. Vogelkundler schätzen, dass um die 100 000 Brutpaare in Deutschland leben. Aufgrund der Beringung, die es seit den 20er Jahren gibt und die spätestens seit den 60er Jahren von Hiddensee aus koordiniert wird, hat man inzwischen die Lebensdaten von fast 10 000 Tieren gesammelt. Man weiß, dass einige von ihnen im Winter nach Südfrankreich ziehen, andere aber nicht. Weshalb, ist bisher unklar.

Das bislang älteste in Deutschland gefundene Tier war etwas mehr als 26 Jahre alt. In dieser Kategorie hat der Bussard von Bärbel Rauter den ersten Rang sicher. In der europäischen Rekordliste muss sich das Tier den ersten Rang mit einem anderen Bussard teilen, der in Dänemark gefunden wurde. Auch dieser wurde mindestens 28 Jahre und neun Monate alt.

Auf Bitten des Landesumweltamtes fuhr Bärbel Rauter später noch einmal zur Fundstelle, packte den Kadaver in zwei Müllbeutel und brachte ihn ins Kreisveterinäramt. Der zuständige Mitarbeiter dort schickte die Leiche weiter ans Potsdammuseum. Dort ruht der Bussard-Methusalem derzeit in einer Gefriertruhe und wartet auf den Präparator. Womöglich wird er der Nachwelt erhalten bleiben.

Von Oliver Fischer

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