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MAZ-Fachgespräch: „Im Urlaub fehlen mir unsere Naschereien“

Dahmeland-Fläming MAZ-Fachgespräch: „Im Urlaub fehlen mir unsere Naschereien“

Cindy Flatau ist Konditorin aus Leidenschaft: Immer wieder kreiert sie neue Torten zu besonderen Anlässen. Was sie an ihrem Job so liebt und was eine Konditorin mitbringen muss, um die Kunden überzeugen zu können, verriet sie der MAZ im Interview.

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Cindy Flatau ist mit Leidenschaft Konditorin. Einziger Wermutstropen: Diäten sind aussichtslos.

Quelle: Fotos: Josefine Kühnel,

Dahmeland-Fläming. Die 29-Jährige Cindy Flatau aus Wildau begann 2005 ihre Ausbildung zur Konditorin in der Feinbäckerei Heider in Königs Wusterhausen. Obwohl sie bereits seit zwölf Jahren künstlerische Backwaren kreiert, ist sie immer noch voll Leidenschaft dabei. Blech um Blech bäckt sie Maulwurfkuchen mit Bananen, Sahnefüllung und Schokostreuseln. Währenddessen gibt sie der MAZ einen Einblick in ihren Berufsalltag.

Es ist jetzt 12 Uhr mittags und Sie haben schon etliche Kuchenbleche gebacken. Haben Sie schon etwas davon genascht?

Cindy Flatau: Natürlich hab ich mal von der Sahnefüllung probiert, ob die gut schmeckt. Aber kein ganzes Stück. Da würde ich ja auseinandergehen wie ein Hefeteig.

Als Frau bekommt man da doch bestimmt schnell ein schlechtes Gewissen, oder?

Ja schon. Also eine Diät ist als Konditorin eigentlich unmöglich, weil man ja ständig zwischendurch abschmecken muss.

Essen sie gern Kuchen?

Ja, auf jeden Fall. Das merke ich besonders dann, wenn ich mal nicht in der Firma bin. Im Urlaub fehlen mir unsere Naschereien.

Und welche Torten mögen Sie am liebsten?

Torten esse ich gar nicht mal so gerne. Lieber leckeren Kuchen. Da mag ich unseren Joghurt-Knusper und Apfel mit Decke besonders gern. Aber auch unseren Spritzkuchen liebe ich.

Worin unterscheiden sich denn Kuchen und Torte?

Grundsätzlich bäckt man Kuchen. Bei der Torte wird nur der Boden gebacken und anschließend zum Beispiel mit Früchten und Sahne oder mit Creme belegt. Beim Kuchen gibt es Hefe- oder Rührteig, da ist Mehl eigentlich die Hauptzutat. Bei der Torte wird kaum Mehl verwendet.

Schleicht sich nicht nach so vielen Kuchenblechen eine gewisse Routine ein?

Klar bekommt man nach mehreren Kuchen und Torten Übung. Aber zur Routine darf es eigentlich nicht werden, abschmecken muss man schon.

Das klingt, als seien sie sich nach so vielen Berufsjahren selbst nicht sicher, diese Kunst wirklich zu beherrschen?

Das stimmt. Ich bin jedes Mal wieder aufgeregt, wenn es um die Kreation einer neuen Hochzeitstorte oder einen speziellen Kundenwunsch geht. Die Angst zu versagen schwingt immer mit.

Sind Sie eine Perfektionistin?

Ja schon. Ich möchte, dass alles glatt geht und meine Torten dann auch schmecken und toll aussehen.

Auch Sandra Mauersberger und Norma Richter (Bild unten) kreieren mit Leidenschaft Kuchen, Torten und feine Marzipanfiguren

Auch Sandra Mauersberger und Norma Richter (Bild unten) kreieren mit Leidenschaft Kuchen, Torten und feine Marzipanfiguren.

Quelle: Josefine Kühnel

Und wie bekommen Sie das hin?

Durch Leidenschaft! Ich bin immer voll und ganz bei der Sache. Als Konditorin braucht man aber auch ein sehr gutes Feingefühl in den Fingern. Gerade bei Dekorationsaufgaben oder wenn man Marzipanfiguren modelliert, ist das sehr wichtig. Und natürlich Kreativität. Ohne die würde alles gleich schmecken.

Zu welchen Anlässen kreieren Sie Torten?

Eigentlich können wir zu jedem Anlass eine Torte machen, egal ob für Geburtstage, Schuleinführungen, Jugendweihen oder neuerdings auch Babypartys. Der Klassiker ist natürlich die Hochzeitstorte.

Apropos Hochzeit. Wie funktioniert denn die Auswahl so einer Torte?

Eine unserer vier Konditorinnen führt mit den Kunden ein Beratungsgespräch durch. Da können sie auch die verschiedenen Tortenfüllungen kosten.

Der Geschmack ist ja schön und gut, aber ebenso wichtig ist die Optik. Wissen denn alle Brautpaare gleich, wie die Hochzeitstorte aussehen soll?

Zum einen haben wir Beispielbilder von früheren Hochzeitstorten hier. Zum anderen kommen viele Kunden auch mit Bildern aus dem Internet zu uns und wollen dann genau solch eine Torte haben.

Sind die Vorgaben aus dem Internet manchmal schwer umzusetzen?

Ich schaffe es eigentlich meist, die Kundenwünsche umzusetzen. Aber ab und zu geht es eben nicht.

Haben sie dafür ein Beispiel?

Hm, einmal wollten Kunden eine Spiegeltorte haben. So etwas hat von uns Konditorinnen niemand gelernt und auch noch niemand gemacht. Diesen Kundenwunsch konnten wir dann leider nicht umsetzen. Ein anderes Mal wollte ein Paar eine mehrstöckige Torte mit Joghurtfüllung, aber ohne Etagere, das geht natürlich auch nicht, da würde schon die erste Schicht einbrechen.

Gibt es denn bei Hochzeitstorten auch Trends?

Bei uns in der Bäckerei wird keine Hochzeitstorte wie die andere. Aber im vergangenen Jahr zum Beispiel waren echte Blüten auf der Torte beliebt, davor waren es schwarz-weiße Torten.

Und in diesem Jahr?

Aktuell lassen sich die Kunden gern ihre Torten mit Spitze und Marzipanblüten verzieren.

Kreieren Sie denn viele solcher Torten?

Ja, gerade im Sommer kommen viele Aufträge für Hochzeitstorten und zum September dann die Schuleinführungstorten. Im Winter werden eher Dominosteine oder Stollen bestellt.

Haben Sie einen Anlass, zu dem sie am liebsten Torten kreieren?

Die Hochzeitstorte ist schon die Königsdisziplin bei uns Konditoren. Sie ist sehr anspruchsvoll und das Highlight jeder Hochzeit. Ich glaube, das geht jeder Konditorin so, auch meinen drei Kolleginnen.

Sie stellen ja nicht nur Torten her, sondern auch Kuchen. Wird das nicht irgendwann langweilig, immer die gleichen Kuchen backen zu müssen?

Nein gar nicht. Wir probieren ja auch immer wieder neue Kuchen aus. Je nachdem, was wir zum Beispiel für Obst geliefert bekommen.

Was war ihre komplizierteste Kreation?

Dass war eine vegane Torte. Dafür muss man ja ganz andere Zutaten als bei einer normalen Torte verwenden. Allein der Boden war eine Herausforderung. Und mit den Milchersatzerzeugnissen wird die Torte natürlich auch nicht so cremig wie eine normale Sahnetorte.

Also ein totales Desaster?

Nein, ganz im Gegenteil. Geschmeckt hat sie den Kunden super und auch optisch machte sie was her.

War diese vegane Torte ein Einzelfall oder gehen sie mit dem Food-Trend?

Wir stellen uns auf jeden Fall auf unsere immer gesundheitsbewusster lebende Kundschaft ein. Ich backe jetzt häufig auch mit Dinkelmehl oder eben vegan, viele sind ja auch laktoseintolerant.

Warum sind Sie der Feinbäckerei Heider so lange treu geblieben?

Wir backen hier noch wie früher. Viele Kunden sagen „Mensch, das schmeckt ja wie bei meiner Omi“, oder „Das erinnert mich an meine Kindheit“.

Apropos Omi. Wie oft müssen Sie für Verwandte und Freunde backen?

(lacht) Na ja, die wünschen sich schon oft Kuchen oder ´ne Torte. Aber nachdem ich den ganzen Tag auf Arbeit gebacken und dekoriert habe, möchte ich in meiner Freizeit auch einfach mal entspannen.

Also bekommen Freunde und Verwandte nie was Süßes von Ihnen?

Doch, na klar. Aber ich backe dann gleich hier auf Arbeit, wo ich alle Zutaten und die Geräte habe.

Früher wurden auf Familienfeiern gern die guten alten Butterkremtorten serviert. Heute auch noch?

Eine Zeit lang kaufte kaum noch jemand Butterkremtorte. Gerade die jüngeren Kunden sind gesundheitsbewusster und wollen lieber was Leichtes wie Joghurtsahne-Obstschnitten. Vor einiger Zeit haben wir aber das Rezept so geändert, dass die Krems deutlich fettärmer wurden und seitdem kaufen wieder mehr Kunden die Butterkremtorten.

Inhaberin der Feinbäckerei Heider, Gabriele Heider, ist stolz auf ihr Konditorinnen-Team

Inhaberin der Feinbäckerei Heider, Gabriele Heider, ist stolz auf ihr Konditorinnen-Team

Quelle: privat

Was haben Sie anders gemacht?

Das bleibt unser Geheimnis.

Kein Geheimnis ist, dass Zucker sehr gesundheitsschädigend ist. Haben Sie gar kein schlechtes Gewissen, diese Droge tagtäglich zu verarbeiten?

Nein. Eigentlich nicht. Die Leute werden ja nicht wegen unserer Kuchen dick.

Sondern?

Dickmacher sind vor allem Fast Food und die ganzen Konservierungsstoffe und andere künstliche Stoffe in Fertigwaren. Dann lieber ein frisch gebackenes Stück Kuchen mit natürlichen Zutaten.

Von Josefine Kühnel

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