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Teltow-Fläming „Große Krisen sind an uns vorbeigegangen“
Lokales Teltow-Fläming „Große Krisen sind an uns vorbeigegangen“
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01:14 23.11.2014
MAZ-Interview mit Christopf Weber, scheidender Chef des Biotechnologieparks in Luckenwalde Quelle: MAZ

 Vor 17 Jahren haben Sie den Biotechnologiepark gegründet und mit aufgebaut. Wie schwer fällt Ihnen jetzt der Abschied?
Christoph Weber: Insgesamt habe ich mich sogar 20 Jahre damit beschäftigt. Auf meinem Kalender zähle ich die Tage tatsächlich rückwärts. Ein bisschen Melancholie ist dabei. Aber für mich stand schon lange fest: Mit 63 will ich aufhören. Das Leben ist zu schön und zu kurz, um es nur mit Arbeit zu verbringen. Aber wie sagt man so schön: Ich hinterlasse ein bestelltes Feld und kann erhobenen Hauptes gehen.

Wer hatte die Idee, die Biotech-Branche nach Luckenwalde zu holen?
Weber: Schon 1991, als Amtsleiter in der Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung Luckenwalde, wollte ich ein Technologie- und Gründerzentrum aufbauen, damals in den Hochhäusern des abgewickelten Betriebes Kontaktbauelemente. Doch die Treuhand machte uns einen Strich durch die Rechnung. Der Kaufpreis war so hoch, dass wir abwinken mussten. Das Projekt war erst mal auf Eis gelegt. Dann kam mir die Idee mit der Biotechnologie. Außerdem mussten wir uns mit der Konversionsfläche am Zapfholzweg was einfallen lassen, als die Russen abzogen. Also hat die Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises (SWFG) die Fläche gekauft, um dort einen Biotechnologiepark zu entwickeln.

Der Biopark in Zahlen

28 Hektar umfasst das campusartige Gelände, auf dem der Biotechnologiepark mit seinen drei Gründerzentren angesiedelt ist.

9000 Quadratmeter vermietbarer Fläche sind zurzeit nahezu ausgebucht.

Neben den Forschungs- und Produktionsflächen gibt es ein Kommunikationszentrum mit 300 Plätzen, ein Restaurant, eine Bibliothek, Mietwohnungen und Wohngrundstücke.

Die höchste Firmenanzahl gab es 2003 mit 40 Unternehmen. Sie waren aber kleiner strukturiert als heute.

Und Sie haben sofort an den Erfolg geglaubt?
Weber: Von Anfang an. Damals wurde ich von etlichen Leuten als Spinner belächelt, aber die Branche war in den USA unheimlich erfolgreich. Das Potenzial war hier auch da. Aber man braucht kompetente Partner. Die hatte ich mit der Gesellschaft für Infrastruktur- und Wirtschaftsentwicklung aus Potsdam. Sie hat uns sehr geholfen.

Die Entwicklung war rasant...
Weber: Der Biopark wurde 1997 mit acht Unternehmen und 100 Arbeitsplätzen gegründet. Heute sind es 34 Betriebe mit 500 Arbeitsplätzen, trotz mehrerer Insolvenzen. Als wir im Jahr 2000 das Technologie- und Gründerzentrum II eröffneten, war es schon komplett vermietet. Dass es solch eine Erfolgsgeschichte wird, hätte ich mir am Anfang aber nicht träumen lassen. Heute sind 93 Prozent der Flächen vermietet. Und es geht weiter. Anfang November hat sich ein Unternehmen aus Dubai angesiedelt, das medizinische Blutanalysegeräte herstellt.

In welchen Ländern waren Sie als Biopark-Chef unterwegs?
Weber: In Korea, Australien, Singapur, Indien, den USA, Kanada und vielen europäischen Ländern.

Wie sind Sie dort mit Ihrem Englisch zurechtgekommen?
Weber: Am Anfang nicht so, ich war ja bis zur Wende der Experte in Russisch und Latein. Doch später ging alles gut und ohne Dolmetscher.

Im Jahr 2007 wurde aus dem Geschäftsführer Christoph Weber plötzlich der Abteilungsleiter Biopark der SWFG. Hat Sie das frustriert?
Weber: Es war kein Karriereknick, sondern eine sachliche Strukturveränderung, die nachvollziehbar war. In der praktischen Arbeit hat sich für mich kaum etwas verändert. Aber wie das menschlich abgelaufen ist und man mir die Botschaft überbracht hat – da musste ich ganz schön schlucken.

Was ist Ihnen in all den Jahren nicht gelungen?
Weber: Ein Forschungsinstitut einer Universität im Biopark dauerhaft anzusiedeln.

Welche Auswirkungen hatten die Wirtschaftskrisen?
Weber: Große Krisen sind am Biopark vorbeigegangen. Auch der Fachkräftemangel ist kein Thema. Es gibt in Berlin und Brandenburg viele gut ausgebildete Pharmazeuten, Biochemiker, Medizintechniker oder Laborfachleute. Aber eine gewisse Fluktuation in der Branche ist üblich. In einigen jungen Unternehmen gab es aus den unterschiedlichsten Gründen schmerzliche Insolvenzen.

Hing Ihr Herz an bestimmten Firmen besonders?
Weber: Zum Beispiel an Genalysis aus Österreich. Oder auch an Megatech, einer Hautzucht-Firma. Als die in Insolvenz ging, das war dramatisch.

Was war für Sie der glücklichste Moment in Ihrem Job?
Weber: Als wir 1998 im Beisein des damaligen Bundeswirtschaftsministers Günter Rexrodt das Communication-Center eröffnet haben. Und als ich im Jahr 2008 den Bundespräsidenten Horst Köhler durch den Park führen durfte, das war wie ein Ritterschlag.

Und der schmerzlichste Moment?
Weber: Zweifellos die Insolvenz der Firma Human BioSciences, die wegen Betrugverdachtes jüngst in negative Schlagzeilen geraten ist. Ich kann bis heute nicht recht glauben, dass der Geschäftsführer bewusst betrogen haben soll. Das macht mich tief betroffen. Aber ich will niemanden vorverurteilen. Die Wahrheit muss nun die Staatsanwaltschaft herausfinden.

Wie wirkt sich dieser „Skandal“ auf das Image des Bioparks aus?
Weber: Die Bauruine ist natürlich ein Schandfleck, dafür gab es meines Erachtens beim Insolvenzverwalter aber schon Interessenten. Am Ansehen des Bioparks hat das Geschehen aber nicht gekratzt. Mir ist keine Firma bekannt, die deswegen weg oder sich nicht ansiedeln wollte.

Wer wird Ihr Nachfolger?
Weber: Der Geschäftsführer der SWFG, Siegmund Trebschuh, übernimmt meine Aufgaben mit.
Was machen Sie künftig mit Ihrer vielen Freizeit?
Weber: Die gehört in erster Linie der Familie einschließlich meiner beiden Enkel. China als Reiseziel würde mich noch interessieren und ich spiele gern Fußball, fahre Rad und treffe mich mit Freunden. Nun kann ich endlich mal Haus und Garten genießen. Außerdem werde ich in Senftenberg noch zeitweise das neue Innovationszentrum mit meinem Know-how beraten. Beruflich geht es also nicht gleich von hundert auf null.

Interview: Elinor Wenke

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