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Teltow-Fläming MAZ-Reporter wagt sich in die Höhle des Löwen
Lokales Teltow-Fläming MAZ-Reporter wagt sich in die Höhle des Löwen
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12:03 01.02.2016
Will auch spielen: Löwenmann Massai mit seinem Mittagessen. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Johannismühle

Ich hatte mal einen Lebenstraum: Ich wollte Tierpfleger werden. Ich war sechs Jahre alt, liebte Raubkatzen, ich hatte meine ganze Kinderzimmerwand mit Postkarten aus den Zoos dieser Welt tapeziert. Ich sammelte Löwenbilder, las afrikanische Märchen mit Tigern und Panthern und träumte von einer Karriere in der Leopardenabteilung des Berliner Tierparks. Diese anmutigen Katzen, dieses Muskelspiel unter dem glänzenden Fell. Und über allem ich, als Gebieter über die wildesten Kreaturen der Welt. Tierpfleger – oh, das klang nach Glamour.

Oliver Fischer mit Heu. Die Wisente (nicht im Bild) freuen sich schon Quelle: G.I.

Das Leben hielt anderes für mich bereit. Aber als man mir unlängst ein Tagespraktikum im Wildtierpark Johannismühle anbot – inklusive Löwenfütterung – , zögerte ich keine zwei Sekunden. Ja, habe ich gesagt. Ja, ja, ja! Löwen! Ja! Aber jetzt, meine Schicht ist gerade eine Stunde alt, stehe ich im Streichelgehege, harke mit einem Rechen dunkelbraune Ziegenköttel zusammen und spüre das bange Gefühl in mir aufsteigen, dass das alles weit weniger glanzvoll wird, als ich mir den Job in meiner kindlichen Fantasie ausgemalt hatte.

Triticale und Mais – fast alle Tiere stehen drauf. Mit Ausnahme der Löwen Quelle: G.I.

Wobei: Es ist immerhin ein wirklich schöner Tag. Am Morgen hatte es noch etwas genieselt, inzwischen wirft die tief stehende Sonne aber lange Tierschatten. Weil die Saison noch nicht begonnen hat, ist das 100-Hektar-Gelände des Wildparks frei von Besuchern. Das einzige Geräusch, das hin und wieder durch die Kiefern echot, ist das Dröhnen des Minitraktors von Julian Dorsch. Er ist Geschäftsleiter in Johannismühle, gleichzeitig auch so etwas wie der Obertierpfleger und heute zudem mein Mentor, mein Vorarbeiter, mein Chef. Mit einem Fingerzeig könnte er mich alle Tiertoiletten des gesamten Parks ausmisten lassen. Zum Glück meint er es gut mit mir.

Julian Dorsch ist seit einem knappen Jahr in Johannismühle angestellt, hat auch vorher schon dort gearbeitet und kennt auf dem Gelände jeden Baum, jede Schweinesuhle und jedes Mauseloch. Auf einem ersten Rundgang hat er mir alles erklärt, dann spazierten wir zu den Ententeichen, er ließ mich eine Hand voll Getreide ins Karpfenbecken werfen, die Arbeit lief bekömmlich an. Im Streichelzoo haben wir uns aufgeteilt. Die Sache mit dem Ziegenmist regele ich, das ist kein wirkliches Problem. Er wirft derweil den Kaninchen und Meerschweinchen etwas Grünzeug ins Haus. Ich ahne: Im Tierpark muss man sich hocharbeiten. Erst Fische, dann Kleinsäuger, dann blökende Nervensägen. Die Löwen werden wohl erst später kommen.

MIttagspause mit Auerochsen. Quelle: G.I.

Tatsächlich gibt es im Wildtierpark Johannismühle allerlei Geviech. Viele Tiere laufen frei über das Gelände, allen voran die Enten. Spaziergänger können aber auch jederzeit einem ausgewachsenen Hirsch begegnen. Wölfe, Bären, Luchse und Löwen werden dagegen in klassischen Gehegen gehalten. Sicherheitshalber.

Auf einer Wiese hinter dem Streichelgehege hat eine Herde Auerochsen ihr Domizil. Um die kümmern wir uns als nächstes. Die Ochsen haben unlängst eine Nebenrolle in „Bibi und Tina 3“ gespielt, sie sind also mediale Aufmerksamkeit gewohnt. Deshalb wird die Fütterung auch ein Kinderspiel. Ich darf sogar selbst Traktor fahren, was sich als leicht herausstellt. Einziges Problem: Der Heuballen ist vorn auf einer Hydraulikgabel aufgespießt und versperrt mir komplett die Sicht. Ich nähere mich im Zickzack der Futterstelle und bedauere alsbald, dass „Wetten das?“ abgesetzt wurde. Traktorwetten gingen dort immer gut, die Zuschauer hätten mich geliebt.

Das Damwild im Hintergrund zeigt sich dankbar für alles Quelle: G.I.

Bei den Wildschweinen stoße ich erstmals an meine Grenzen. Ich soll große Kisten mit Gemüse und Brot über den Kopf stemmen und mit Schwung ins Gehege entleeren. Hätte ich geahnt, dass man so etwas einmal von mir verlangt, dann hätte ich vor Jahren schon mit Krafttraining begonnen. So aber gebe ich eine ziemlich erbärmliche Figur ab. Den Schweinen ist das wurscht.

Den Wisenten kippe ich nach Anweisung einen Eimer Getreide in den Trog. Die Tiere beobachten mich von oben herab. Ich müsse aber keine Angst haben, sagt Julian Dorsch. „Wenn du da rein gehst, machen sie dich natürlich kalt. Die greifen sogar den Traktor an. Aber so lange du von außen fütterst, passiert nichts.“ Ich bin leidlich beruhigt, will aber trotzdem lieber zum Damwild.

Das hat sich inzwischen im gesamten Rudel in einer sandigen Senke eingefunden, in der auch die Futtertröge stehen. Als wir mit unseren Eimern ankommen, lagern dort etwa 300 Tiere. Ihre Felle schimmern silbrig in der milden Mittagssonne. Einige Rothirschböcke wuchten behäbig ihre Geweihe durch die Herde. Auch Mufflons warten auf ihr Fresschen. Welch beeindruckendes Bild, welch erhabene Schönheit, denke ich und versinke mit meinen Turnschuhen in einem knöcheltiefen Haufen Hirschkot.

Brot und Brötchen für die Tiere. Quelle: G.I.

Eine halbe Stunde später finde ich mich auf der Ladefläche eines Lieferwagens wieder. Es ist dunkel, ich sitze hart und neben mir steht eine Kiste, in der die Eingeweide zweier Mufflons vor sich hinschwabbeln. Vorhin in der Senke, als das Licht ihre Hornschnecken umspielte, fand ich die Tiere schöner. Aber so läuft es eben. Die Tiere vermehren sich, sie haben keine Feinde, und deshalb müssen hin und wieder welche geschossen werden, hat mir Julian erklärt. Der Jäger war gestern da. Das Fleisch wird jetzt zu Salami verarbeitet, die Gedärme hat Christian Mosler bekommen – dem Julian jetzt auch mich übergeben hat.

Mosler ist der Mann für die wilden Tiere. Gemeinsam mit ihm fahre ich jetzt zum Wolfsgehege. Wegen der Eingeweide hat er extra die Seitentür einen Spalt offen gelassen. „Damit es nicht so riecht.“ Der Wagen wackelt ganz schön im Gelände. An der offenen Tür saust die Landschaft vorbei. Die Muffeldärme zittern wie Wackelpudding. Ich wäre jetzt lieber angeschnallt.

Christian Mosler. Quelle: G.I.

Im weitläufigen Gehege kippe ich das Gedärm auf den Boden und spritze mir etwas auf die Schuhe. Die Wölfe sind scheu, sie beobachten mich aus sicherer Entfernung. Christian Mosler, trennt mit seinem Messer etwas Eingeweide ab und schleudert sie der Bärin vor die Nase, die uns von der anderen Seite des Drahtzauns beäugt. „Tierisches Eiweiß, Vitamine – da ist alles drin, was ein Bär braucht“, sagt er. Dann erzählt er, dass die Bären einst im DDR-Staatszirkus ausgebildet wurden und manchmal immer noch aus Langeweile auf dem Rücken liegen und Baumstämme jonglieren. Ich frage ihn, ob wir auch ins Bärengehege gehen. Er schaut mich an, als ob ich irre wäre.

Dann endlich – die Löwen. Es gibt in Johannismühle zwei von ihnen: Massai, einen rassigen Löwenmann, und Gretchen, seine Frau. Sie sind die Könige des Tierparks, allein regierend und unumstritten, spätestens seit die einzige Tigerin im November eingeschläfert werden musste. Ihr Futter bekommen sie im Käfig, sagt Christian Mosler und öffnet die Tür zum Löwenhaus. Ich versuche mir vorzustellen, wie die Fütterung wohl vonstatten geht. Fressen sie ihm aus der Hand? Wirft er ihnen Bröckchen hin? Oder schiebt er ihnen mit einer Stange Schnitzel vor die Nase? Als wir das Löwenhaus betreten, bin ich etwas enttäuscht. Es riecht zwar nach Löwe, aber die Käfige sind leer. Auf dem Fliesenboden außerhalb des Käfigs liegt nur ein Stück Rinderbein. Christian Mosler sagt, ich soll Abstand halten, weg vom Gitter, möglichst weit weg, am besten gleich an die Wand. Ich schaue ihn fragend an. Wo soll ich hin? In diesem Moment zieht er einen Hebel, zwei Löwen mit einem Gesamtgewicht von 800 Kilo schießen in den Käfig, werfen sich ans Gitter, klauben mit ihren Pranken das Fleisch durch die Stangen und schlagen ihre mächtigen Gebisse in die Knochen. Ich starre Massai an. Er sitzt zwei Meter von mir entfernt, starrt zurück. „Denen ist egal, was da liegt. Sie nehmen sich, was sie kriegen können“, höre ich Mosler sagen. Der Löwe starrt immer noch.

Majestätisch: Löwen. Quelle: G.I.

nf Minuten später stehen wir wieder draußen. Massais Grollen dringt selbst durch die geschlossene Tür, irgendetwas poltert auf den Fliesenboden, wahrscheinlich der Rinderknochen. Es kommt mir vor, als wäre ich etwas kleiner geworden in den letzten Minuten. Gebieter über wilde Kreaturen, ich weiß nicht, denke ich. Wahrscheinlich ist das doch nicht so mein Ding.

Christian Mosler referiert derweil immer noch ungerührt über das löwische Jagd- und Fressverhalten und darüber, was die Tiere in der freien Wildbahn mit Menschen wie mir wohl anstellen würden. Grundsätzlich seien Löwen ja immer noch Katzen. „Die wollen spielen.“ Wie er das so sagt, klingt es anders als die übliche Beruhigungsfloskel. Zumal er hinterherschiebt: „Je mehr man zappelt, desto besser gefällt es ihnen wahrscheinlich.“

Später auf dem Rückweg denke ich über mein Büro nach. Es hat immerhin zwei Fenster, einen Computer und einen Drehstuhl, den man per Knopfdruck hoch- und runterfahren kann. So unglamourös, wie ich immer dachte, ist das alles nun auch wieder nicht.

Von Oliver Fischer

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