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Mäusejagd im Zickzack

Ornithologe in Rohrbeck beobachtet die seltene Wiesenweihe Mäusejagd im Zickzack

Die Wiesenweihe gehört zu den Rote-Liste-Arten. Zwischen Fläming und Dahme kommt sie noch relativ häufig vor. Der Ornithologe Helmut Brücher beobachtet die Vögel im Südkreis und hofft auf Hinweise, wo sie noch vorkommen.

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Die Maus wird vom Männchen im Flug ans Weibchen übergeben.

Quelle: Herbert Henderkes

Rohrbeck. Wenn Wiesenweihen im Zickzack fliegen, ist es höchste Zeit für Helmut Brücher. Dann weiß er: Nun versorgt das Männchen sein brütendes Weibchen. Damit der Nachwuchs nicht vom Mähdrescher niedergemacht wird, hilft der Ornithologe aus Rohrbeck den Vögeln. Die Wiesenweihe ist der einzige Greifvogel, der am Boden brütet. Gern würde er dies auf Wiesen mit Seggen-Riede an den Verlandungszonen von Gewässern tun. Da es davon immer weniger gibt, „brütet er seit vielen Jahren europaweit oft im Getreide, meist im Wintergetreide“, sagt der Experte und erläutert: „Getreide und Feldgras werden sehr früh für die Biogasanlagen gemäht.“ Überdies würden neue Sorten gezüchtet, die eine noch zeitigere Mahd ermöglichten. „Dabei wird das Gelege zerstört. Deshalb steht der Vogel auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.“

400 Paare gibt es in Deutschland, die Hälfte davon in Bayern. „In Brandenburg leben bis zu 40 Paare, die Hälfte im Kreis Teltow-Fläming und einige Paare brüten auf den Belziger Landschaftswiesen“, sagt Helmut Brücher. Er hofft, dass es in diesem Jahr mehr Nachwuchs gibt, weil es – zum Verdruss der Bauern – so mäusereich ist. Von den Mäusen leben indes die Vögel, die Ende April aus der Sahelzone gekommen sind. Wenn das Weibchen brütet und danach die Jungen aufzieht, versorgt das Männchen die Familie. Es jagt die Mäuse im Zickzackflug. Wenn es die Maus hat, fliegt es zum Weibchen. „Das fliegt ihm entgegen. Das Männchen lässt die Maus fallen und sein Weib fängt die Beute im Flug. Mit dem Fernglas beobachtet Brücher, wohin die Vögel fliegen und wo das Weibchen aufsteigt. Dann sucht er die Brutplätze. Für dieses Jahr hofft Brücher, dass sich das Männchen nicht mit einem Weib zufrieden gibt, sondern zwei plus Nachwuchs durchfüttert. Meist führen die Greifvögel zwar eine monogame Saisonehe. Aber bei so einem großen Angebot an Mäusen wäre das möglich. Allerdings darf es nicht mehrere Tage hintereinander regnen. „Dann würden die Mäuse ertrinken“, sagt Brücher.

Helmut Brücher

Helmut Brücher

Quelle: Gertraud Behrendt

Hat er das Nest gefunden, baut er einen Zaun drum herum. Das 50 mal 50 Meter große Areal wird dann nicht gemäht und bleibt stehen. „300 Meter im Umkreis sind per Naturschutzgesetz zulässig. Der kleinere Bereich reicht aber, um das Ausfliegen der Jungvögel zu sichern.“ Die Zusammenarbeit mit den großen Agrarbetrieben in Blönsdorf und Oehna sowie mit den Familienunternehmen sei hervorragend, lobt er. Die Landwirte erhalten eine Prämie von 250 Euro pro Nestschutzzone für den Ernteausfall.

Die Arbeit für den Gatterbau „wird in anderen Bundesländern vom Staat gefördert. In Brandenburg nicht“, sagt Brücher und ergänzt: „Ich komme zeitlich an meine Grenzen, mehr als die Hälfte des Urlaubs geht dafür drauf.“ Deshalb hofft der Ornithologe, dass 2016 die Förderung verbessert wird.

Steckbrief

Die Weibchen der Wiesenweihe sind braungestreift mit weißem Fleck am Bürzel (das ist die hintere obere Rückenpartie bis zum Schwanzansatz).

Die Männchen sind grauweiß mit schwarzen Flügelspitzen.

Ausgewachsene Vögel haben eine Flügel-Spannweite von etwa 1,30 Meter und wiegen bis zu 350 Gramm. Zum Vergleich: Ein Bussard wiegt etwa 800 Gramm.

Mit dem Gewicht ist die Wiesenweihe ein eleganter Flieger. Zudem ist sie der einzige Greifvogel, der am Boden brütet. Weil dafür immer weniger Seggen-Ried-Wiesen zu finden sind, weicht er auf Getreidefelder aus, auf denen er leicht ins Mähwerk gerät.

Deshalb steht der Vogel auf der Roten Liste und ist geschützt.

Ohne Gatter wächst die Brut nur bei jedem fünften Paar auf. Mit Gatter sind es mehr als zwei Vögel pro Paar im Durchschnitt. Drei bis vier Junge gibt es pro Gelege.

Wer solche Vögel sieht , sollte sie bitte dem Ornithologen Helmut Brücher unter  01 72/3 14 09 92 melden.

Weil Wiesenweihen als einzige Greifvogelart auf Nestschutzmaßnahmen angewiesen sind, bittet der Vogelexperte die MAZ-Leser, ihm zu melden, falls sie solche Vögel sehen (siehe Infokasten). Überdies bittet er die Vogelfreunde, sich den Nestern nicht zu nähern. Gern brüten Wiesenweihen auch in Gruppen. Das wäre für den Gatterbau besonders praktisch. Die Greifvögel können dann besser kleinere Tiere abwehren, die ihnen die Eier oder die Jungtiere stehlen wollen. Helmut Brücher ist davon überzeugt, dass das Gatter auch vor hungrigen Tieren Schutz bietet. „Ein Fuchs könnte drüber springen. Er tut es aber nicht. Er hat Angst“, sagt er. Ende August machen sich die Vögel auf den Weg. Sie überwintern südlich der Sahara sowie im Süden Asiens.

Von Gertraud Behrendt

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