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Malen mit Seide und Wolle

Wietstock Malen mit Seide und Wolle

Lena Lukjanova aus Wietstock zeigt ihre Modekreationen derzeit bei der Messe Bazaar Berlin. Die Künstlerin hat bei zahlreichen Opern- und Ballettproduktionen als Kostümbildnerin mitgewirkt.

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Kostümbildnerin Lena Lukjanova.

Quelle: Karen Grunow

Wietstock. Diese Jacke steht jeder Frau. Sie ist so weit und kuschelig, dass die Kleidergröße gar keine Rolle spielt. Dazu das helle leuchtende Rot. „Gern mache ich Frauen schön“, sagt Lena Lukjanova schlicht, während sie ihre fein gefilzten Schals zeigt. Seit einem Jahr lebt und arbeitet die Opern- und Ballett-erfahrene Kostümbildnerin in Wietstock; ihr Mann und sie haben dort vor einigen Jahren eine alte Scheune gekauft und nach und nach so ausgebaut, dass sie heute darin eine eigene große Werkstatt hat: das „ArtDesign-Atelier“.

Nun ist sie bei der heute beginnenden Messe Bazaar Berlin dabei, hat ihren Stand in Halle 12 auf dem Messegelände am Funkturm in Berlin-Charlottenburg aufgebaut. Kunsthandwerk aus vielen Ländern der Welt wird hier bis Sonntag verkauft. „Auf dem Bazaar Berlin kauft man nicht einfach nur Dinge, man kauft ganze Geschichten mit“, findet Barbara Mabrook, Projektleiterin der Messe, die es zum nunmehr 55. Mal gibt. Denn wie an Lena Lukjanovas Stand auch haben die Besucher oft die Möglichkeit, direkt mit den eigens angereisten Produzenten ins Gespräch zu kommen.

Fein gestrickte Armstulpen mit Schachbrettmuster

Fein gestrickte Armstulpen mit Schachbrettmuster.

Quelle: Karen Grunow

Eigentlich möchte sich Lena Lukjanova gar nicht als Modedesignerin bezeichnen. Sondern nennt ihre Kreationen Kostümbild für Frauen. Ob in den Armstulpen mit Schachbrettdekor oder mit grafisch gemustertem Schal – wer Lena Lukjanovas Entwürfe trägt, fällt auf dezente Art auf. Sie spreche immer erst gern mit ihren Kundinnen. „Dann bekomme ich auch ein Gefühl dafür“, sagt sie.

Muster sind kein Zufall

Bevor sie mit der eigentlichen Arbeit beginnt, entwickelt sie ganz konkrete Vorstellungen und zeichnet das gewünschte Muster. Dinge entstehen in ihren Händen nicht einfach zufällig. Sicherlich ein Arbeitsrhythmus, den sie sich durch die lange intensive Zeit für Opern- und Ballettproduktionen angeeignet hat. Mit Achim Freyer beispielsweise hat sie für dessen Inszenierungen von „Eugen Onegin“ an der Berliner Staatsoper und der „Zauberflöte“ in Moskau zusammengearbeitet. „Das Musiktheater interessiert mich sehr, es bietet mehr Möglichkeiten als das Sprechtheater“, findet sie. Als Kostüm- und immer wieder auch Bühnenbildnerin verbindet sie dabei Kunst mit Raum, Bewegung und Musik. So wie bei „Egopoint“, einer Koproduktion des Staatsballetts und den Berliner Festspielen. Bühne, Kostüme und das außergewöhnliche Lichtkonzept waren von der in Russland geborenen Lena Lukjanova.

In Moskau hatte sie erst Architektur studiert, ging dann an die Kunsthochschule. Sie reüssierte danach zunächst als Malerin, bevor sie allmählich in Theaterprojekte hineinrutschte. Ihren ersten Kostümentwurf-Auftrag bekam sie von der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. „Ich habe die Musik gehört und hatte sofort Farben im Kopf“, erzählt sie. Wichtig ist für sie der Kontext der ganzen Geschichte, Musik, Text, Inhalt, die Ideen des Regisseurs. Sie versteht – und das ist bei Kostümbildnern nicht zwingend immer so – das Handwerkliche. „Ich hatte schon als Kind immer etwas in der Hand, ich habe gestrickt, geklebt, gebaut. . .“ Als sie später Mode-Studenten in Düsseldorf unterrichtete, hat sie großen Wert auf das Wissen über Material und Technik gelegt.

„Kunst kann man mit wenig Geld machen“

Als Musiktheaterfan hat sie so einige Inszenierungen gesehen, bei denen viel für Ausstattung und Kostüme ausgegeben worden ist, die trotzdem aber seelenlos blieben. „Auch mit wenig Geld kann man tolle Sachen machen“, hat sie dagegen selbst bewiesen. „Ich war erfinderisch, das war mein Vorteil“, erinnert sie sich an den Auftrag, für Rossinis „La Cenerentola“ am Theater Eisenach Bühne und Kostüme zu entwickeln. „Kunst kann man mit wenig Geld machen“, ist sie überzeugt.

Auch wenn sie sich derzeit vor allem auf die Arbeit in ihrem Wietstocker Atelier konzentriert: Von der Arbeit für die Bühne hat sie sich nicht verabschiedet. „Das Theaterleben ist wunderbar“, schwärmt sie. Aber so ein eigenes Haus mit Garten, das ist eben auch ein nun wahrgewordener Traum. „Ich fühle mich dort sehr, sehr wohl.“ Was sie nun hier mit Wolle und Seide filzt, ist für sie wie Malerei. Sie filze nach traditioneller japanischer Art. „Aber ich habe meine feinen Geheimnisse“, sagt sie lachend.

Kollektion für Frauen im Rollstuhl

Vor einigen Jahren hat sie eine Kollektion speziell für Frauen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, entworfen. Kleidungsstücke, so ansprechend wie praktisch, damit die Frauen in sensiblen Momenten auch ohne die Aus- und Anziehhilfe anderer zurechtkommen.

Nicht nur auf dem Bazaar Berlin sind ihre Arbeiten derzeit zu sehen, auch in der Neuen Galerie in Wünsdorf gibt es einen kleinen Eindruck. In der Gruppenausstellung „Akzente 13“ ist sie mit ihren „Kostümbildern für Frauen“ dabei.

Lena Lukjanova stellt sich und ihre Arbeiten im Internet vor unter www.lena-lukjanova.de. Auf der Messe Bazaar Berlin ist sie bis zum 20. November in Halle 12, Stand 133, zu finden. Geöffnet ist Mittwoch bis Sonnabend von 10 bis 20 Uhr, am Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

Von Karen Grunow

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