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Malereien in der Sakristei von Zinna freigelegt

Marienkirche Kloster Zinna Malereien in der Sakristei von Zinna freigelegt

Im vorletzten Bauabschnitt der Kirche Sankt Marien in Kloster Zinna werden die Wände der Sakristei und im Sockel des Chors restauriert. Derzeit wird ein mittelalterliches Bildnis freigelegt, das eine bislang unbekannte Figur zeigt – ein seltener Fund in den schlichten Kirchen der Zisterzienser.

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Der größte Teil des Chors wurde bereits 2015 restauriert, bis Juli sollen auch Putz und Anstrich im Sockelbereich gesichert werden.

Quelle: Peter Degener

Kloster Zinna. Der Kragen eines roten Gewands ist bereits freigelegt, auch der Hals und schemenhaft sogar ein Ohr sind bereits zu erkennen. Vielleicht verbirgt sich unter den obersten Farbschichten in der Sakristei der Marienkirche in Kloster Zinna das mittelalterliche Bildnis eines Zisterzienser-Mönchs oder gar eines Abts. In wenigen Wochen wird man mehr wissen, denn erst vor wenigen Tagen hat der Potsdamer Restaurator Olaf Schwieger damit begonnen, das Bild freizulegen. „Das ist ein echter Glücksfall, weil die Kloster der Zisterzienser sehr bescheiden dekoriert waren“, sagt Schwieger.

Dieses Stück des Bildes wurde bereits frei gelegt

Dieses Stück des Bildes wurde bereits frei gelegt. Man kann einen roten Kragen, Hals und Schulter einer Person erkennen, außerdem an der rechten Kante schemenhaft ein Ohr.

Quelle: Peter Degener

Eigentlich ist die Existenz des Bildes keine Überraschung. Bei einem Gutachten aus dem Jahr 2004 wurde eine Malerei hinter jüngeren Farbschichten festgestellt. Die Kirchensanierung begann 2012. Doch bislang sah man nur die Reste eines Schriftzugs vom Ende des 19. Jahrhunderts. „Seid getrost und fürchtet Euch nicht!“ stand einmal in gebrochener Schrift auf den hell getünchten Wänden der Sakristei.

Der Fachmann hat schon am Neuen Palais in Potsdam gearbeitet

Bislang ist das freigelegte Stück etwa so groß wie ein Blatt Papier. Schwieger datiert das Bild auf das 14. oder 15. Jahrhundert, genauer kann er es noch nicht sagen. Olaf Schwieger ist Vizepräsident des Verbands der Restauratoren in Deutschland und Fachmann für Wandmalereien. Der 50-Jährige hat bereits an anderen namhaften Gebäuden gewirkt – etwa im Grottensaal des Neuen Palais in Potsdam, am Brandenburger Dom und in der Burgkapelle von Ziesar, einem anderen Zisterzienser-Bau.

Die Klosterkirche St. Marien

Die Kirche St. Marien in Kloster Zinna entstand ab dem späten 12. Jahrhundert als Kirche der Zisterzienser-Mönche des 1170 gegründeten Klosters. Sie gilt als am besten erhaltene Granitsteinbasilika Norddeutschlands.

Der ursprünglich schlichte Bau wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach umgebaut. Teile der Ausstattung wie der Altar, der Taufstein und die Kanzel entstammen dem Barock. Im 19. Jahrhundert erhielt die Kirche eine Baer-Orgel und die gerade erst restaurierte Chor-Ausmalung. pede

Wenn Schwieger fertig ist, wird von dem freigelegten Bild abgesehen ein nüchterner weißer und gotisch überwölbter Raum entstanden sein. Die künftige Nutzung der Sakristei noch ungeklärt. „Vielleicht werden wir einen Raum der Stille einrichten“, überlegt Pfarrerin Ramona Rohnstock. Ursprünglich diente der Nebenraum des Altars zur Aufbewahrung liturgischer Gewänder und anderer Gegenstände für den Gottesdienst. In der Marienkirche war es zuletzt eher ein Abstellraum für Staubsauger, Putzmittel, Kerzen, Vasen und technische Geräte, schildert Ingrid Rosenzweig aus dem Pfarrbüro.

Die Verbindungen zwischen Malerei, Putz und Granit werden gefestigt

Auch während der Restaurierung ist es eher unaufgeräumt. Jetzt stehen hier ein kleines Gerüst, mehrere Scheinwerfer sowie zahllose Eimer in denen Mörtel, Kalktünche, Sande für Kittungen oder Sumpfkalk auf die Anwendung durch Schwieger und seine bis zu vier Kollegen warten.

Olaf Schwieger ist Fachmann für Wandmalerei

Olaf Schwieger ist Fachmann für Wandmalerei. Der Restaurator ist Vizepräsident des Verbands der Restauratoren in Deutschland.

Quelle: Peter Degener

Seitdem die Temperaturen auch im Inneren der Granitsteinkirche auf acht Grad gestiegen sind, wurden die Restaurierungsarbeiten wieder aufgenommen. Bis zum Herbst waren die Wände im Kirchenschiff und vor allem die farbenprächtige Ausmalung des Chorgewölbes fertiggestellt worden. Doch unterhalb der üppigen Bildwelten platzt im Sockelbereich des Chors noch immer die Farbe vom Putz. Die Restauratoren sollen wieder eine Verbindung zwischen Malerei und dem tragenden Putz und stellenweise auch zwischen dem Putz und dem Granitstein darunter herstellen. Das geschieht mittels Injektionen, bei denen ein Bindemörtel den Putz „hinterfüllt“. Weil diese Kalkmischung erst ab sieben Grad abbindet, konnte bis zum Frühlingsanfang nicht gearbeitet werden.

Bis Juni sollen die Arbeiten an den Wänden fertiggestellt sein

Jetzt soll es dagegen schnell voran gehen. Bis Juni wollen die Restauratoren fertig sein. Am 11. September soll das Ende des vierten Bauabschnitts gemeinsam mit der Gemeinde gefeiert werden. Rund 200 000 Euro kosten die Arbeiten im Chor und der Sakristei. Noch einmal soviel sind laut Pfarrerin Rohnstock für den fünften und letzten Bauabschnitt eingeplant. Dann werden vor allem Holzrestauratoren zum Zuge kommen, um die Ausstattung der Kirche aufzuarbeiten, darunter Altar, Kanzel, Tabernakel und Gestühlswangen. Auch die großen Tafeln mit den Kriegsgefallenen aus Kloster Zinna werden dann restauriert. Am 24. Juni 2017, dem Johannistag, soll die vollständige Restaurierung der Klosterkirche fünf Jahre nach ihrem Beginn zusammen mit dem Bischof gefeiert werden.

Von Peter Degener

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