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Teltow-Fläming „Man muss ein Pingel sein, ein Pedant“
Lokales Teltow-Fläming „Man muss ein Pingel sein, ein Pedant“
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00:18 09.03.2017
Der tut nix: Lutz Gehrke sagt, moderne Zahnmedizin müsse so gut wie gar nicht mehr weh tun. Quelle: Saskia Kirf
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Ludwigsfelde

Lutz Gehrke (49) ist seit 1996 Zahnarzt in Ludwigsfelde. Der gebürtige Königs Wusterhausener sagt, er würde sich heute sofort wieder für seinen Beruf entscheiden.

Herr Gehrke, wie lebt man mit dem Wissen, dass viele Menschen Angst vor einem haben?

In unserem Beruf reicht es nicht, handwerklich geschickt zu sein. Man ist in einem gewissen Grad auch Entertainer und muss die Patienten ununterbrochen aufbauen und ihnen Ängste nehmen. Ich versuche, das Wissen zu transportieren, dass in der modernen Zahnmedizin alle Möglichkeiten dafür da sind, dass keiner leiden muss und dass auch kein Grund zur Angst besteht.

Verstehen Sie denn, dass viele Menschen nicht gerne zum Zahnarzt gehen?

Das Schmerzverhalten hat sich in den letzten zehn Jahren verändert. Die Patienten sind heute sehr anspruchsvoll. Sie kennen aus dem Fernsehen die unrealistische Vorstellung, man bekommt eine Vollnarkose und wacht dann reich, schön und voll modelliert wieder auf. Dabei muss der Patient einen Schritt auf uns zu machen und uns Vertrauen schenken.

Wie geht das?

Er sollte nicht erst kommen, wenn alles zu spät ist. Und sehen, dass er selbst die Hauptverantwortung trägt. Wenn der Patient meint, wir Zahnärzte wären diejenigen, die Schmerzen zufügen, wird es sehr schwierig. Es kommt öfter vor, dass Patienten herkommen mit zwanzig Piercings im Gesicht und mit jeder Menge Tätowierungen. Die bekommen dann Panik, wenn es um eine Spritze geht, die man kaum spürt. Das verstehe ich dann nicht.

Angst ist also Einstellungssache?

Zahnarzt ist zumindest auch Kopfsache. Ich sage nicht, die sollen sich mal zusammenreißen, dann geht es auch. Das wäre natürlich Unsinn. Aber es ist manchmal schwer zu verstehen, dass Dinge, die dem persönlichen Schönheitsideal entsprechen, trotz starker Schmerzen funktionieren, aber ein kleiner Pieks beim Zahnarzt nicht.

Haben sich nur die Patienten verändert oder auch die Zahnmedizin?

Die wurde revolutioniert, ganz klar. Zu DDR-Zeiten hatten wir kein Edelmetall, kein modernes Materi

Das klingt mittelalterlich.

Nicht unbedingt mittelalterlich, aber durch Mangelwirtschaft war es sogar in den Krankenhäusern alltäglich. Das ist heute ganz anders, natürlich aber auch preisintensiver. Man kann die Materialien gar nicht mehr vergleichen und auch heute gibt es ständig alle paar Jahre schier unglaubliche Fortschritte.

Haben sich auch die Krankheitsbilder verändert?

Vereiterungen und richtig tiefe Sachen sind seit der Wende weniger geworden. Auch Karies hat stark abgenommen. Ich finde es natürlich schön, wenn ich in einen Mund gucke und der nicht überall schwarze Stellen hat, auch wenn es ja gleichzeitig mein Kapital ist. Das liegt auch daran, dass die verschiedenen Putzhilfsmittel verfügbarer sind und dass mehr geforscht wird.

Werbung für Zahnseide und Zungenspachtel hilft also der Mundhygiene?

Auf jeden Fall. Es gibt natürlich diejenigen, die gar nicht putzen. Aber da kann ich auch nichts machen. Ich bin als Arzt für die da. Aber ich kann ja nicht jeden Tag zu denen fahren und deren Zähne putzen.

Haben Sie eine Leidenschaft für schöne Zähne?

Ja, die muss man auch haben, wenn man Zahnarzt ist. Die und einen richtig guten Zahntechniker, mit dem man zusammenarbeitet.

Können Sie denn abschalten, wenn Sie nicht in der Praxis sind oder achten Sie immer bei jedem Menschen auf dessen Zähne?

Ich bin in der glücklichen Lage, das hinter mir lassen zu können. Wenn ich Urlaub habe, dann habe ich in erster Linie Urlaub. Aber natürlich fällt es mi w

Gibt es eigentlich noch Goldzähne?

Ja, die gibt es noch. Es ist eine philosophische Frage, ob man sie noch einsetzt. Seit zehn, 15 Jahren ist die Keramik so gut, dass man sie als vollwertigen Ersatz ansehen kann. Wir benutzen hier zu 95 Prozent Keramik – es ist ja auch eine Preisfrage. Gold ist deutlich teurer, bietet aber eigentlich keine Vorteile mehr.

Wie ist es für Sie, wenn ein Patient vor der Behandlung noch einen Döner mit Knoblauchsoße gegessen hat?

Jeder Beruf hat positive und nicht so schöne Seiten. Eine Stewardess muss auch die Spucktüten einsammeln. Das macht sie nicht gern, aber sie macht es professionell. Essensgerüche und Zigaretten sind nicht immer angenehm, aber wirkliche Ungepflegtheit ist schlimmer. Bei kleinen Eingriffen lüftet man danach durch und es ist gut, aber wenn einer zwei Stunden schwitzend auf dem Stuhl sitzt, ist das schon anstrengend.

Sind Sie schon mal von einem Patienten gebissen worden?

Ja.

Oft?

Nein. Ich erinnere mich aber an eine Geschichte, bei der ein ganz reizender älterer Mann mit zwei Hörgeräten mich einfach nicht verstanden hat. Er hat volle Pulle zugebissen und ich bin dann mit hochrotem Kopf aus dem Behandlungszimmer gestürmt und wie Rumpelstilzchen dreimal um die Ecke gelaufen. Der hatte sehr gute Zähne.

Was ja wiederum gute Werbung für Ihre Arbeit ist.

Stimmt. Aber zum Glück kommt es nicht so oft vor, ich brauche schließlich meine Hände für meinen Beruf.

Welche Voraussetzungen braucht ein guter Zahnarzt?

Neben dem Studium und dem Handwerk muss man ein Pingel sein, ein Pedant.

Sie sind also sehr ordentlich?

Unbedingt! Mein anderer Berufswunsch als Kind war Uhrmacher, aber die Ausbildung gab es nur alle zwei Jahre und in meinem Jahrgang eben nicht. Da wusste ich: Ich werde Zahnarzt.

Ein ewiges Mysterium für Zahnarztbesucher ist, warum der Arzt mit einem reden muss, obwohl man mehrere Hände im Mund hat.

Ich versuche damit, meinen Patienten zu beruhigen und ihm ganz klar zu zeigen, dass er der Mittelpunkt ist. Deshalb würde ich auch nie mit meinen Mitarbeiterinnen über den Kopf des Patienten hinweg Unterhaltungen führen.

Und was bedeuten diese Zahlencodes, die Sie benutzen, wenn Sie sagen, welcher Zahn kaputt ist?

Wenn wir zum Beispiel eins vier sagen? Das Gebiss ist in vier Quadranten aufgeteilt, von oben rechts an im Uhrzeigersinn. Die erste Zahl ist der Quadrant und die zweite der Zahn.

Herr Gehrke, Sie sind Familienvater. Würde Ihre Frau sich als Zahnarztfrau bezeichnen, so wie es in den 1990er-Jahren im Werbefernsehen Usus war?

Um Himmels Willen, nein. Meine Frau arbeitet in der Praxis mit, sie ist unsere gute Seele und kümmert sich um alles. Sie fährt auch schon mal eine alte Dame nach der Behandlung nach Hause.

Von Saskia Kirf

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