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Teltow-Fläming Mark Benecke zu Gast im E-Werk
Lokales Teltow-Fläming Mark Benecke zu Gast im E-Werk
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19:36 26.05.2017
Mark Benecke mit seinen Fans. Gern gab er im Zossener E-Werk Autogramme in seine Bücher. Quelle: Jutta Brekeller
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Zossen

„Glauben sie an nichts, nur an Sachbeweise“, beschwört Mark Benecke sein Publikum. Weder Zeugen, noch Gutachten und auch nicht der sogenannte gesunde Menschenverstand seien verlässliche Berater. Meinungen dürfen nicht wichtiger sein als echte Spuren, warnt Benecke.

Der Kriminalbiologe aus Köln ist gefragter Experte für spektakuläre Kriminalfälle, und er kann mit seinen Vorträgen Säle füllen. Im Zossener E-Werk waren es am Donnerstag Abend an die 400 Interessierte, die sich von den Erläuterungen Beneckes zum Thema Serienmörder in den Bann ziehen ließen. Denn seine Hinweise taugen offenbar nicht nur für Kriminalfälle, sondern durchaus auch fürs alltägliche Leben, wenn man tiefer als an der Oberfläche schürfen will.

Nichts für schwache Nerven

Die Fälle, die Benecke an diesem Abend seinem Publikum nahebringt, sind nichts für Zartbesaitete. Etwa der des Serienmörders und Kannibalen „Vater Denke“, welcher im Polen der 20er Jahre seine grausigen Taten vollbrachte. Denke tötete Landstreicher mit der Spitzhacke, nachdem er sie zuvor beköstigt hatte. Mit Menschenfleisch, das er selbst gern aß.

Oder der Serienmörder Jürgen Bartsch, der in den 1960er Jahren in dem Ort Velbert im Ruhrgebiet in einem ehemaligen Luftschutzbunker vier Jungen umbrachte, nachdem er sie zuvor sadistisch gequält und missbraucht hatte. Bartsch war zu Beginn seiner Mordserie 15 Jahre alt. Den letzten Mord beging er mit 19 Jahren. In dem Buch „Mordspuren. Spektakuläre Kriminalfälle“ hat Benecke auch diesen Fall beschrieben.

Schutz vor dem eigenen schlechten Gewissen

Vater Denke galt als schrullig aber harmlos. Zwar hatten Nachbarn bemerkt, dass er im Schuppen am Haus Dinge zerhackte, auch dass er rote Flüssigkeit auf dem Feld ausschüttete. Aber er habe beim Müllrausbringen immer gegrüßt, sagten sie später der Polizei. Solche Aussagen gebe es auch heute, sagt Mark Benecke. So schützen sich Menschen vor dem eigenen schlechten Gewissen. Die meisten von uns wollten schlimmen Ahnungen nicht wirklich nachgehen. „Schauen sie genau hin, hören sie nicht weg, auch wenn es beunruhigend oder ekelig ist“, empfiehlt er. Man kann so vielleicht Schlimmes verhindern.

Bartsch war wie die meisten sadistischen Mörder ein nach außen normaler Mensch, stets ordentlich und korrekt gekleidet. Eher überangepasst als auffällig war er. Eine Tätowierung zum Beispiel würden sich so Veranlagte in der Regel nicht zulegen, sagt Benecke. Sie sind allerdings ohne Empathie. Was andere denken, wollen und empfinden, interessiert sie nicht. Sie eignen sich Wissen an, mit dem sie dann Macht ausüben. Bartsch nutzte die emotionale Bedürftigkeit seiner Opfer, lockte sie mit Geld, Vertrauen und Abenteuern. Kinder, die zuhause genügend Aufmerksamkeit erfahren, sind weniger anfällig für solche Verlockungen durch Fremde. „Aufmerksamkeit ist die höchste Währung“, sagt Benecke.

Gruselige Details überraschen

Fast drei Stunden lang redet der hagere, üppig tätowierte Kriminologe eindringlich auf sein Publikum in Zossen ein. Und er enthüllt manch gruselige Details, aber auch neue Sichten auf die Täter. So hätten Kannibalen keine Freude am Töten, sie tun es, weil es aus ihrer Sicht nicht zu umgehen ist. Es darf auch nicht das Fleisch irgendeines Menschen sein, sondern es muss eine emotionale Beziehung zu diesem bestehen. Sie wollen ihn in sich aufnehmen. Außerdem sind so veranlagte Menschen meist sehr schüchtern und sehr sozial.

Der schaurige Herrentag ging in Zossen indes friedlich zu Ende. Auch wenn mancher jetzt vielleicht seine Nachbarn mit anderen Augen betrachten wird.

Mark Benecke signierte nach der Veranstaltung seine Bücher. In dem neuesten geht es um pharmazeutische Ausflugstipps für die Hauptstadt Berlin. Und er hatte noch einen guten Rat für seine Gäste parat: Überall hinterlassen wir unsere Spuren, sagt er. Deshalb: Bringen Sie keine Leute um. Das perfekte Verbrechen gibt es nicht.

Von Jutta Brekeller

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