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Maurer dringend gesucht

Dahmeland-Fläming Maurer dringend gesucht

In kaum einer Branche gehen Anspruch und Wirklichkeit derzeit so sehr auseinander wie in der Baubranche. In der Region Dahmeland-Fläming wird derzeit so viel Beton verbaut wie seit den 90er Jahren nicht mehr, die örtlichen Betriebe müssen aber Aufträge oft dankend ablehnen.

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Wer etwas zu mauern hat, sollte einigen Vorlauf einplanen. Manche Baufirmen nehmen bereits jetzt keine Aufträge für dieses Jahr mehr an.

Quelle: Uwe Klemens

Dahmeland-Fläming. Wenn jemand aus Berlin oder Potsdam dieser Tage ein Haus bauen will und deshalb die Nummer der Firma Flämingbau in Langenlipsdorf wählt, dann wird er dort nicht viel Glück haben. Vielleicht bekommt er sogar Firmeninhaber Bernd Dieske ans Telefon, und Dieske wird ihm dann zwei Dinge sagen. Erstens: In diesem Jahr ist leider nichts mehr frei. Und zweitens: Berlin oder Potsdam macht die Firma derzeit gar nicht mehr. Keine Zeit, keine Kapazitäten, keine Leute. Tut uns leid.

Es ist eine schwierige Zeit für Bauherren und Bauträger. Die Branche boomt in der Region Dahmeland-Fläming geradezu unverhältnismäßig. Im vergangenen Jahr sind in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming so viele Wohnungen genehmigt worden, wie seit den Neunzigerjahren nicht mehr. In einigen Gemeinden sollen ganze Ortsteile neu entstehen, außerdem wachsen Gewerbebetriebe und -hallen aus dem Boden und für den Fall der BER-Eröffnung stehen noch viele weitere Investoren in den Startlöchern.

Man könnte von einer goldenen Ära für die Baubetriebe sprechen, wenn sie denn die Nachfrage auch erfüllen könnten. Das ist aber nicht möglich. „Wir nehmen derzeit nur noch Aufträge für 2019 an – und das auch nur von unseren Stammkunden“, sagt Bernd Dieske.

Firmen völlig ausgelastet

Dieske ist nicht nur Obermeister der Baugewerke-Innung in Teltow-Fläming, er ist auch Miteigentümer der beiden größten Bauunternehmen im Süden des Landkreises. Eine der Firmen ist spezialisiert auf normalen Hochbau, Kirchensanierungen und Denkmalschutz. Die andere auf Rinderställe, Silos, Biogasanlagen und was sonst noch in der Landwirtschaft gemauert werden muss. Ausgelastet seien beide Firmen, sagt Dieske. „Bei den Landwirten ist kürzlich die Gülleverordnung geändert worden. Die müssen alle ihre Güllelager vergrößern. Da gibt es mehr als genug zu tun.“ Und den anderen Baufirmen im Landkreis, egal worauf sie spezialisiert sind, gehe es ähnlich.

Das Problem ist nur: Die Firmen können zwar finanziell daraus Profit schlagen, sie können aber kaum daran wachsen, weil es seit Jahren kaum noch mehr Arbeitskräfte auf dem Markt gibt, und diese Tendenz nimmt sogar noch zu. Die Arbeitsagentur hat gerade einen Überblick über den Arbeitsmarkt auf dem Bau gegeben. Die Zahlen sind ernüchternd.

In Teltow-Fläming gab es im Jahr 2017 knapp 100 freie Arbeitsstellen auf dem Bau, die drei Monate oder länger nicht besetzt werden konnten. In Dahme-Spreewald waren es 82. In beiden Landkreisen ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr massiv angestiegen, in Dahme-Spreewald hat sie sich sogar mehr als verdreifacht. Die IG Bau spricht von einem Alarmsignal. „Vom Zimmerer bis zum Estrichleger fehlen in der Region Spezialisten in nahezu allen Bausparten“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG Bau, Rudi Wiggert.

Zu viele Studenten, zu wenig Maurer

Gründe sieht Wiggert dafür zwei. Zum einen hätten Firmen in den vergangenen Jahren versäumt, ihr Personal aufzustocken. Zum anderen gebe es große Nachwuchssorgen. „Zwar verdienen Azubis auf dem Bau mehr als in anderen Branchen, aber immer mehr Schulabgänger zieht es an die Uni“, sagt er. Über alle Baugewerke hinweg gab es Ende 2017 in Dahme-Spreewald 32 neue Azubis, in Teltow-Fläming waren es 33. Das ist in Anbetracht der zahlreichen Gewerke, die damit abgedeckt werden, aber nicht viel. „Wenn die Abiturienten alle studieren können und dem Handwerk deshalb der Nachwuchs ausgeht, dann ist auch die Politik gefragt, daran etwas zu ändern“, sagt der Ludwigsfelder Maurermeister Jörg Peschke.

Oft besteht das Problem aber sogar schon darin, abgewanderte Mitarbeiter zu ersetzen. Peschke: „Viele Unternehmen haben Probleme, weil sie Leute verlieren, die dorthin gehen, wo ihnen mehr bezahlt oder ihnen zumindest mehr versprochen wird.“

Gelöst werden die Personalpro-bleme offenbar vielerorts mit Saisonkräften aus Ländern wie Rumänien, Bulgarien, oder der Ukraine. „Auch wenn diese Leute ordnungsgemäß angemeldet sind, ist das ein zweischneidiges Schwert, weil die Ausbildung oft nicht vergleichbar ist“, sagt Jörg Peschel. „Andererseits kann ich die Auftraggeber auch verstehen. Was sollen sie machen, wenn sie keine anderen Betriebe mehr bekommen?“

Dass der Trend in den kommenden Jahren wieder rückläufig sein wird, glaubt Bernd Dieske nicht. „Wir haben das Glück, dass wir im ländlichen Raum sitzen und einen festen Mitarbeiterstamm haben, der auch in der Gegend wohnt und dort bleibt“, sagt er. Aber viele Mitarbeiter seien inzwischen 50 Jahre und älter. „Die gehen alle zur gleichen Zeit in Rente.“ Da werde man irgendwie noch mehr ausbilden müssen. Anders, sagt Dieske, werde sich der Bedarf dann kaum decken lassen.

Von Oliver Fischer

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