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Mehr Einwohner – selbst im letzten Flecken

Bevölkerungsstatistik 2015 Mehr Einwohner – selbst im letzten Flecken

Im Landkreis Teltow-Fläming lebten Ende 2015 gut 2000 Menschen mehr als ein Jahr zuvor. Im Landkreis Dahme-Spreewald beträgt der Zuwachs sogar fast 4000 Menschen. Das liegt zum einen an den Flüchtlingen, zum anderen zieht es aber auch immer mehr Zuzügler in die Region. Davon profitieren selbst Gemeinden fernab der Hauptstadt.

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Allein Königs Wusterhausen hat im vorigen Jahr gut 1000 Einwohner zugelegt. Dafür wird gebaut, so viel die Bebauungspläne hergeben.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Dahmeland-Fläming. Für das Amt Schenkenländchen dürfte das vergangene Jahr ein historisches gewesen sein. Das Amt liegt im Zentrum von Dahme-Spreewald in einer Art Niemandsland, nicht Speckgürtel, aber auch nicht ländlicher Raum. Die Einwohnerzahlen schwankte lange Zeit um 8300, zuletzt sanken sie etwas. Im vorigen Jahr allerdings eröffnete der Landkreis in Massow, das zum Amtsbereich gehört, eine Flüchtlingsunterkunft mit mehr als 450 Plätzen. Die Flüchtlinge, die seither dort leben, sind alle in Halbe gemeldet – und die Einwoherzahl des Amtes Schenkenländchen erreichte damit auf einen Schlag Dimensionen, wie es sie dort seit den 1970er Jahren nicht mehr gab.

Sicherung von Schulen und Kitas

6,8 Prozent Einwohnerwachstum – das hatte im vorigen Jahr keine andere Kommune in der Region Dahmeland-Fläming zu bieten. Das Wachstum verheißt laut Amtsdirektor Thomas Koriath mehr Geld vom Land, mehr Kinder und damit die Sicherung der Schul- und Kita-Standorte. „In dieser Hinsicht bewerte ich das Wachstum positiv“, sagt Koriath.

Aber – und das dürftig einmalig in der jüngeren Vergangenheit sein – aufwärts ging es praktisch überall. Fast alle Gemeinden in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald haben im vorigen Jahr zugelegt. Selbst Ämter und Kommunen im ländlichen Raum wie Niedergörsdorf, Nuthe-Urstromtal oder das Amt Unterspreewald, denen von offiziellen Stellen immer wieder eine düstere Zukunft vorhergesagt wird, verzeichneten Zuwächse. Auch die Mittelzentren Jüterbog, Luckenwalde, Lübben und Luckau sind gewachsen. Einziger Ausreißer nach unten ist das Amt Dahme/Mark, das weiterhin stark Einwohner verliert.

Zuzug ist größer als die Flüchtlingszahl

Die Gründe für den allgemein positiven Trend sind sicherlich auch bei den Flüchtlingen zu suchen, aber nicht nur dort. In den Meldeämtern des Landkreises Teltow-Fläming waren am 31. Dezember vorigen Jahres 165 292 Menschen gemeldet, das entspricht einem Zuwachs von 2213 Einwohnern innerhalb von zwölf Monaten. Dahme-Spreewald hat sogar um 3765 Einwohner zugelegt. Am letzten Tag des vergangenen Jahres waren dort insgesamt 165 717 Menschen gemeldet. Auch wenn die Flüchtlinge 2015 in großer Zahl in die Landkreise strömten: So viele waren es dann doch nicht.

In Schulzendorf etwa – ein paar Kilometer nördlich von Massow – liegt die Sache völlig anders als im Schenkenländchen. Auch Schulzendorf ist im vorigen Jahr kräftig gewachsen, um 2,2 Prozent. Flüchtlinge gibt es dort aber derzeit noch keine. Schulzendorf ist viel mehr ein beliebter Wohnstandort für Berlin-Pendler oder Leute, die das Flughafenumfeld suchen. Und Schulzendorf bietet – im Gegensatz zu einigen anderen Standorten in der Region – noch genügend Bauflächen. Zuletzt seien vor allem Baulücken aufgefüllt worden, sagt Bürgermeister Markus Mücke (parteilos). Es liegen aber auch Planungen für neue Baugebiete vor. Die Gemeinde diskutiert über die Ausweisung weiterer Baufelder für Einfamilienhäuser. Die Prognosen des Landes sagen Schulzendorf in den nächsten fünf Jahren auch ohne Flüchtlinge einen kräftigen Zuwachs voraus, und mit den aktuellen Zahlen liegt die Gemeinde im Plan.

Schönefeld erwartet Verdopplung der Einwohnerzahl

Ganz ähnlich geht es den meisten Speckgürtelgemeinden, allen voran Königs Wusterhausen, das allein mehr als 1000 Neubürger verzeichnet, Blankenfelde-Mahlow (plus 300 Einwohner) und Schönefeld (fast 400 Zuzügler). Erwartungsgemäß. Rings um das Rathaus der Flughafen-Gemeinde wächst ein ganzer Ortsteil heran, bis zum Jahr 2030 soll sich die Einwohnerzahl von jetzt 14 400 noch einmal mehr als verdoppeln.

Einwohnerstatistik 2015

Einwohnerstatistik 2015

Quelle: Linus Rumpf

Solche Zahlen machen die Dynamik deutlich, die insbesondere im Speckgürtel herrscht. Sie lassen aber auch die Herausforderungen erahnen, von denen etwa Markus Mücke berichten kann. Nach Schulzendorf ziehen in der Regel Familien, sagt der Bürgermeister. Die Folge: Die Kindertagesstätten platzen aus allen Nähten, die Gemeinde wartet gerade auf die Förderzusage für den Bau einer neuen Kita. Auch bei der Grundschule zeichnet sich ein Raumbedarf ab, der bisher nicht befriedigt werden kann. Zuletzt sah man auch ein, dass in den Hort investiert werden muss, damit ein eigentlich provisorisches Angebot in einer Mehrzweckhalle nicht zum Dauerzustand wird.

Ludwigsfelde lockt vor allem Familien an

Nicht minder bewegt sind die Zeiten in Ludwigsfelde. Dort leben aktuell rund 500 Flüchtlinge, die Stadt erfährt aber auch einen ungebremsten Zuzug. Erst Anfang November hatte Ludwigsfelde die Marke von 25 000 Einwohnern überschritten, Ende des Jahres wies die Statistik schon 25 246 Einwohner aus – und die Stadt boomt weiter. Es gibt dort Arbeitsplätze, die Infrastruktur ist gut und Bauen für junge Familien ist möglich. Im Wohngebiet Ahrensdorfer Heide schießen die Häuser nur so aus dem Boden. „Wir werden in den kommenden Jahren weiter in die soziale Infrastruktur investieren müssen“, sagt Bürgermeister Andreas Igel (SPD). Im nächsten Bauabschnitt in der Ahrensdorfer Heide soll eine Kita entstehen. Die Stadt muss die Fontane-Grundschule sanieren, um dem Platzbedarf für Abc-Schützen nachzukommen. Und der künftige Wohnraumbedarf der Flüchtlinge bereitet dem Bürgermeister Kopfzerbrechen. „Bei dem derzeit geringen Leerstand an Wohnungen wird das eine große Herausforderung“, sagt Igel.

Niederer Fläming widerlegt die Statistiker

Es gibt aber auch Gegenden, in denen der allgemeine Aufwärtstrend für eine gewisse Ruhe sorgt. Die Einwohnerzahl der Gemeinde Niederer Fläming etwa steht seit zwei Jahren konstant bei 3185. Eine ganz neue Erfahrung für Bürgermeister David Kaluza, der noch im Jahr 2014 resigniert über die negative Gemeindeentwicklung sagte: „Wir werden den demografischen Trend nicht umkehren können.“ Zwei Jahre später stellt Kaluza fest, dass noch immer mehr Menschen im Gemeindegebiet sterben als geboren werden. Aber dieser Effekt werde inzwischen aufgefangen durch die Zuzügler von denen es neuerdings immer mehr in die 23 Ortsteile zieht. Die Gemeinde wird offenbar zu einem Anlaufpunkt für Menschen, die das echte Landleben suchen und trotzdem nicht ganz abgeschnitten von der Hauptstadtregion sein wollen. Denn eines ist auffällig: Der Zuzug hat deutlich zugenommen, seit der Ausbau der B101 zwischen Jüterbog und Luckenwalde abgeschlossen wurde. „Eine gute Anbindung nach Potsdam und nach Berlin ist für Berufspendler das A und O“, konstatiert Kaluza. Und die gebe es mit der Direktverbindung über die Bundesstraße.

Eine solche Entwicklung hatten die Statistiker des Landes Brandenburg der Gemeinde Niederer Fläming lange nicht zugetraut. In einer im Jahr 2012 veröffentlichten Bevölkerungsprognose ging man davon aus, dass die Gemeinde das Jahr 2015 bereits mit deutlich weniger als 3000 Einwohnern abschließen würde. Kaluza: „Wir liegen inzwischen 200 Einwohner über dieser Prognose, das ist nicht schlecht.“

Bundesstraße und Datenautobahn

Zumal in Niederer Fläming auch deutlich mehr Kinder leben, als die Landesstatistiker der dörflich geprägten Region zugetraut hatten. Der Bürgermeister spricht sogar von einer „Gratwanderung“, denn die Kita-Kapazitäten der Gemeinde sind voll ausgelastet. Sollte der Zuzug weiter anhalten, könne es sogar sein, dass die Gemeinde Kita-Plätze erweitern muss, sagt Kaluza. Solche Sätze hört man im ländlichen Raum selten.

Der Optimismus ist auch dadurch begründet, dass die Gemeinde inzwischen beim Thema schnelles Internet gut aufgestellt ist – ein Faktor, den Kaluza für mindestens ebenso wichtig hält wie die Verkehrsanbindung. „Wir gehen davon aus, dass zum ersten Quartal des nächsten Jahres der Rest unseres 50-Mbit-Netzes freigeschaltet wird“, sagt er. Damit wäre dann ein weiterer Schritt getan, damit die Einwohnerzahlen im Niederen Fläming auch künftig stabil bleiben. Mindestens.

Von Oliver Fischer

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