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Mehr Unternehmen pleite

Dahmeland-Fläming Mehr Unternehmen pleite

Aufträge fallen unerwartet weg, die Kunden zahlen nicht oder zu spät und der Kontokorrentkredit ist fast ausgeschöpft: Wenn ein Unternehmen seine Rechnungen nicht mehr begleichen kann, muss es Insolvenz anmelden. In der Region Dahmeland-Fläming stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal 2017. Landesweit sank sie.

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Wenn die Rechnungen nicht beglichen werden können, muss ein Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht gestellt werden.

Quelle: Privat

Dahmeland-Fläming. 19 Unternehmen aus der Region Dahmeland-Fläming haben im ersten Quartal 2017 Insolvenz angemeldet, zwölf dieser Unternehmen haben ihren Sitz in Teltow-Fläming und sieben in Dahme-Spreewald. Das geht aus den jüngst veröffentlichten Daten des Statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg hervor. Im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres sind damit in diesem Jahr fünf Unternehmen in der Region mehr zahlungsunfähig.

Während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Region leicht angestiegen ist, sank sie landesweit von 118 auf 116 im ersten Quartal 2017. Die zweithöchste Anzahl gab es in Teltow-Fläming.

Höhere Verbindlichkeiten

Obwohl die Zahl der Insolvenzen in ganz Brandenburg leicht gesunken ist, erhöhten sich die Verbindlichkeiten gleichzeitig deutlich – von 44,8 Millionen Euro im ersten Quartal 2016 auf 611,1 Millionen Euro im ersten Quartal 2017. Davon entfallen allein 574,3 Millionen Euro auf Unternehmen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. In der Region Dahmeland-Fläming belaufen sich die Forderungen auf insgesamt 1,9 Millionen Euro. 1,5 Millionen Euro davon entfallen auf Teltow-Fläming.

Die Gründe für eine Unternehmensinsolvenz sind vielfältig: Da fallen Aufträge unerwartet weg, die Kunden zahlen nicht oder zu spät und der Kontokorrentkredit ist fast ausgeschöpft. Mit solchen Betriebsrisiken werden Unternehmen immer wieder konfrontiert.

Insgesamt seien Unternehmensinsolvenzen in Deutschland seit 2010 jedoch eher rückläufig, wie Michael Herzog von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mitteilt. Das habe mit der guten wirtschaftlichen Lage zu tun. Brandenburg liege deutschlandweit im unteren Drittel der Insolvenzen. „Kleine regionale Differenzen gibt es immer mal wieder“, sagt Herzog. „Das bedeutet jedoch nicht, dass Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald ein besonderes Risiko für Insolvenzen bergen.“ Gerade kleine und mittelständische Unternehmen, die in der Region vorrangig ansässig sind, hätten gute Chancen auf eine Sanierung und damit eine erfolgreiche Weiterführung des Geschäfts.

Strategisch in die Insolvenz

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform agiert bundesweit als Wirtschaftsinformationsgeber. Eine Sanierungsfähigkeit von Betrieben sieht Michael Herzog vor allem dann, wenn noch Substanz im Unternehmen steckt. „Das ist dann der Fall, wenn man sich zum Beispiel finanziell verritten hat, aber noch ausreichend Kunden da sind und das hergestellte Produkt nachgefragt wird.“

Wenn einem Betrieb die Zahlungsunfähigkeit droht, rät Carsten Baubkus, ein Insolvenzverfahren lieber zu früh als zu spät einzuleiten. Baubkus ist Referent für Rechtsberatung der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus. Außerdem sollten sie sich seiner Empfehlung nach rechtzeitig um einen vorläufigen Insolvenzverwalter bemühen, um strategisch in die Insolvenz zu gehen und somit keine Kunden und Lieferanten zu verprellen.

Die IHK Cottbus gibt Unternehmern zwar keine Einzelberatung im Fall einer Insolvenz, dient aber als erste Anlaufstelle dazu, allgemeine Informationen und nötige Dokumente bereitzustellen. Den Insolvenzantrag stellen Unternehmen aus Dahme-Spreewald beim zuständigen Amtsgericht in Cottbus und Unternehmen aus Teltow-Fläming beim Amtsgericht in Potsdam.

Kfz- und Baubranche häufig betroffen

Abgelehnt werden kann der Antrag dann, wenn das Vermögen des Unternehmens nicht ausreicht, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu tragen. Dazu zählen maßgeblich die Gerichtskosten sowie die Vergütung eines eventuell erforderlichen vorläufigen Insolvenzverwalters und für die eines späteren Insolvenzverwalters. Können diese Kosten nicht beglichen werden, spricht man davon, dass der Antrag mangels Masse abgelehnt wurde. In der Region wurden im ersten Quartal 2017 sechs Insolvenzanträge mangels Masse abgelehnt. Landesweit waren es 30.

Von einer Insolvenz war in Brandenburg vor allem die Kraftfahrzeug-Branche mit landesweit 18 Insolvenzverfahren betroffen. Es folgte das Baugewerbe mit 17 Verfahren. In der Region beobachtet Jörg Wenzel, Fachanwalt für Insolvenzrecht der Potsdamer Kanzlei Wutzke und Förster, dass vor allem auch Logistikunternehmen betroffen sind. „In dieser Branche gibt es in hierzulande eine große Konkurrenz“, sagt Wenzel. Die hohen Insolvenzen im boomenden Baugewerbe führt er darauf zurück, dass bei eventuellen Nachbesserungen an einer Baustelle schnell hohe Kosten entstehen können.

Häufige Gründe für Insolvenzen

Dass der Landkreis Teltow-Fläming landesweit die zweithöchsten Unternehmensinsolvenzen verzeichnet, führt er auf die Masse an Unternehmen in der Region zurück. „Aufgrund der im Vergleich zu Berlin günstigeren Gewerbesteuern siedeln sich viele Betriebe entlang der B101 an“, sagt er. Dazu zählen etwa Kommunen wie Ludwigsfelde und Großbeeren. „Und bei vielen dieser Unternehmen ist die Insolvenzgeneigtheit dann groß.“ Das habe nichts mit unternehmerischem Unvermögen zu tun.

Laut Wenzel können etwa 80 Prozent der Unternehmen noch saniert werden, da die Gründe bei ihnen finanzwirtschaftlicher Natur sind – etwa alte Kredite mit hoher Zinslast oder hohe Mietzahlungen aufgrund zu großer Räume nach gescheiterter Expansion. Solche Verträge kann ein Insolvenzverwalter kündigen und das Unternehmen auf eine neue finanzielle Basis stellen. Schwierig werde es dann, wenn die Substanz fehlt. „Das kann auch dadurch passieren, dass die Mitarbeiter aus Angst vor einer Pleite abwandern“, sagt Wenzel. So etwas betreffe zum Beispiel die Baubranche häufiger, in der Fachkräfte in der Region ohnehin schon fehlen.

„Deshalb ist es für Unternehmen wichtig, geordnet in ein Insolvenzverfahren hineinzugehen“, sagt Wenzel. Dazu zähle insbesondere eine offene Kommunikation mit Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern – um eine weitere Zusammenarbeit zu sichern. „So schafft man Vertrauen in einer schwierigen Zeit.“

Von Anja Meyer

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