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„Mein Wunschkandidat wäre Frank-Walter Steinmeier“

Ludwigsfelde „Mein Wunschkandidat wäre Frank-Walter Steinmeier“

Nach vier Legislaturperioden tritt die SPD-Abgeordnete Andrea Wicklein nicht mehr für den Bundestag an. Im MAZ-Interview zieht sie Bilanz ihrer Arbeit im Parlament – und erklärt, warum sie sich Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten ihrer Partei wünscht

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Andrea Wicklein im neuen Zentrum von Ludwigsfelde.

Quelle: Foto: Abromeit

Ludwigsfelde. Eine SPD-Frontfrau ist bei der Wahlkreiskonferenz am 16. September in Teltow nicht mehr dabei. Dort bestimmen die Genossen den Bundestags-Direktkandidaten im Wahlkreis 61 für die Wahl 2107. Für Andrea Wicklein ist nach vier Legislaturperioden und zuletzt einem Jahr Krankheit Schluss. Die 58-Jährige war dreimal im Wahlkreis 61, zu dem Ludwigsfelde und Großbeeren gehörten, gewählt worden, bis sie ihn 2013 verlor, aber über die Liste ins Parlament kam. Im MAZ-Interview zieht sie ein erstes Fazit ihrer Bundestagsarbeit.

Warum ist für Sie in relativ jungen Jahren Schluss mit großer Politik?

Andrea Wicklein: Für mich war immer klar, dass dieses Bundestagsmandat eines auf Zeit ist. Es war sinnvoll, mehrere Legislaturperioden mitzugestalten, weil man anfangs erst mal Erfahrungen sammeln und fachlich weiterkommen muss, um Entscheidungen wirklich mittreffen zu können. Aber nach vier Wahlperioden scheint für mich jetzt der richtige Zeitpunkt zu sein, sich zurück zu ziehen und Neuem Platz zu machen.

Wie fällt Ihr Fazit nach 15 Bundestagsjahren aus?

Wicklein: Gemischt. Angetreten war ich mit dem Vorsatz, eine Politikerin zum Anfassen zu sein, präsent vor Ort und nah bei den Menschen. Die vielen Begegnungen, die Erfahrungen, die mit mir geteilt wurden, und auch die konkrete Hilfe, die ich mit meinem Team an vielen Stellen leisten konnte, gehören zweifelsohne zu den positiven Erinnerungen, die bleiben werden.

Und die negativen?

Wicklein: Ich musste lernen, dass es einen langen Atem braucht, dass viel Überzeugungsarbeit nötig ist und man immer Mitstreiter braucht, um etwas bewegen zu können. Als Abgeordnete bin ich Teil eines großen Getriebes. Vieles, was sinnvoll war, scheiterte, weil es nicht den richtigen Zeitpunkt gab oder der Koalitionszwang im Wege stand. Das ist manchmal schwer auszuhalten.

Was sehen Sie in diesem Gremium als Ihren größten politischen Erfolg an, was empfinden Sie als Niederlage?

Wicklein: Politische Erfolge sind nie die Leistung Einzelner. Ich erinnere mich aber sehr gern, als Vorsitzende der Arbeitsgruppe Aufbau Ost, die es so nicht mehr gibt, erfolgreich mitgewirkt zu haben, dass der Bund unsere Hochschulen mit finanzieren darf, was besonders für die finanzschwächeren ostdeutschen Länder wichtig war. Und es übrigens nach wie vor ist. Das war ein Riesenerfolg, weil Bildung eigentlich Ländersache ist. Dagegen ist es uns bei der Schulbildung nicht gelungen, die Bundeskompetenz auszubauen. Das bedauere ich bis heute sehr.

Was haben Sie für die Region Ludwigsfelde/Großbeeren erreicht?

Wicklein: Ich freue mich zum Beispiel bis heute, dass ich die Freunde der Industriegeschichte bei ihrem Kampf um den Museumsanbau erfolgreich unterstützen konnte. Was dieser Verein und die Stadt dort geschaffen haben, das beeindruckt mich immer noch. Weniger zu sehen ist der Bürgerkontakt, den ich in all den Jahren hatte. Der war zu den Ludwigsfeldern neben dem zu den Potsdamer Bürgern der intensivste im Walkreis. Ich hatte supernette Begegnungen in den unterschiedlichsten Formen – ob das die vielen Besuchergruppen im Bundestag waren, politische Diskussionen in der Stadt oder Einladungen von sozial Engagierten. So war zum Beispiel die Selbsthilfe-Kontakt- und Informationsstelle Lukiss im Waldhaus zustande gekommen.

Was hätten Sie mit Ihren heutigen Erfahrungen beim Start damals 2002 anders gemacht?

Wicklein: Gar nicht viel. Ich bereue nichts. Es war richtig, nicht nur die großen, sondern auch die kleinen Probleme zu sehen und mit den Menschen nicht nur in Wahlkampfzeiten, sondern dauerhaft in Kontakt zu stehen. Nur so konnte ich in Berlin eine bodenständige Politik machen. Das ist mein Verständnis von Politik. Daran würde ich auch nichts ändern, wenn es ein nächstes Mal gäbe. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass das viel Kraft und Zeit kostet.

Was hat Sie gegenüber der früheren Außensicht dann überrascht, als Sie selbst „im System“ waren?

Wicklein: Dass man als Einzelner wenig, aber mit anderen gemeinsam unheimlich viel bewegen kann. Ganz konkret vor Ort und auch für unser ganzes Land. Ich bin stolz darauf und dankbar, dass ich in den 15 Jahren an vielen wichtigen Entscheidungen mitwirken durfte.

Wer ist Ihr SPD-Kanzler-Kandidat?

Wicklein: Mein Wunschkandidat wäre Frank-Walter Steinmeier. Er ist glaubwürdig, geradlinig und authentisch. Aber das Leben ist ja leider keine Wunschsendung!

Heißt das, wenn Parteichef Sigmar Gabriel zur Diskussion steht, stimmen Sie gegen ihn?

Wicklein: Das heißt es nicht, ich bin Demokratin...

Hat Ihre Ehe Ihre Zeit im hohen Haus gut überstanden?

Wicklein: Mein Mann und ich hatten uns erst 2006 kennengelernt, seit 2010 führen wir eine glückliche Ehe. Ich hatte ihm damals eine stinknormale Beziehung versprochen. Das Versprechen einzulösen, steht noch aus... Nein, Spaß beiseite. Der Politikerberuf lässt wenig Raum für Privates und verlangt dem Partner sehr viel Verständnis ab. Wir haben diese Zeit gut gemeistert , und ich bin meinem Mann dankbar, dass er für mich immer der Fels in der Brandung war.

Was machen Sie ab September 2017?

Wicklein: Langeweile werde ich nicht haben. Es ist in den Jahren seit dem Mauerfall viel liegen geblieben. Irgendwie war ich immer auf Achse. Auf alle Fälle will ich mich mehr auf meine Familie besinnen und meine beiden Enkelkinder in der Schweiz öfter besuchen. Und da ich noch mehr kann als Politik (lacht), mache ich mir um meine berufliche Zukunft keine Sorgen.

Heißt das, Sie setzen sich noch nicht zur Ruhe?

Wicklein: Da noch keine Entscheidung gefallen ist, was genau ich dann mache, ist das für die Öffentlichkeit auch noch nicht spruchreif.


Von Jutta Abromeit

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