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"Meine Heimat ist größer geworden"

Flämingkönigin Andrea Wesnick spricht über ihre Erlebnisse "Meine Heimat ist größer geworden"

Für ihre Majestät, die 13. Flämingkönigin, begann 2012 die bis dato kürzeste Amtszeit. Weil aber das Fläming-Frühlingsfest 2013 samt Krönungszeremonie ausfiel, wird Andrea Wesnick sogar länger im Amt sein als ihre Vorgängerinnen: 22 Monate. Im MAZ-Interview spricht sie über ihre Erfahrungen und Erlebnisse.

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Mit Ehemann Daniel verbrachte Andrea Wesnick sogar den Hochzeitstag im Dienste der Krone.

Quelle: privat

Jüterbog. MAZ: Hat Sie die Verlängerung Ihrer Amtszeit überrascht?
Andrea Wesnick: Gerechnet hatte ich nicht damit. Es ist jetzt fast ein Jahr her, dass ich von der Verlängerung erfahren habe. Im November hatte sich beim Tourismusverband Fläming eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Fortsetzung des Fläming-Frühlingsfestes beschäftigte. Der Deutsche Wandertag 2012 im Fläming kostete schon viel Kraft und Geld, deshalb wurde das Fest für 2013 abgesagt. Vertreter der Landkreise im Fläming und die Bürgermeister der größeren Städte waren dabei und die haben mich gefragt, ob ich weitermache. Ich hab' so fünf Sekunden überlegt und "Ja" gesagt.

Sie wussten schließlich, worauf Sie sich einlassen.
Wesnick: Klar, ich hatte da bereits ein Jahr hinter mir und kannte schon die Höhepunkte, wo ich unbedingt dabei sein muss und wann es mal nicht auffällt, wenn ich fehle. Die großen Sachen sind halt wichtig.

Macht es immer noch Spaß?
Wesnick: Ja, man lernt so unheimlich viele Menschen kennen, die man sonst nie kennengelernt hätte. Es entstehen neue Freundschaften. Und manchmal wird man wirklich überrascht.

Ach ja, inwiefern?
Wesnick: Zum Beispiel von Politikern, von denen ich einen ganz anderen Eindruck hatte und die dann doch viel sympathischer sind.

Konnten Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit die königlichen Schatztruhen füllen?
Wesnick: Mit Fahrgeld und Essengeld wird man nicht reich. Oft steht zu Hause ein frischer Blumenstrauß auf dem Tisch, aber das war es dann auch schon mit den irdischen Gütern, die einer Flämingkönigin zustehen.

Welches Ereignis der zurückliegenden anderthalb Jahre würden Sie als herausragend bezeichnen?
Wesnick: Am emotionalsten war die Krönung. Weil die Familie da war, Freunde und Herr Rauhut als mein "eigener" Bürgermeister. Meine jüngere Tochter sang ein eigens zu diesem Zweck komponiertes Lied, da kam drin vor "Meine Mami wird heut' Königin", das war schon sehr berührend. Was ich auch bestimmt nicht vergessen werde, war der Tag der Tracht in Lübbenau, ein überregionales Treffen, das vom Mitteldeutschen Trachtenverband organisiert wird. Da waren Trachtenträger aus der ganzen Bundesrepublik - von der Insel Föhr bis Bayern. Und ich durfte die Abendveranstaltung moderieren. Das hat Spaß gemacht und ich habe auch viel Zuspruch bekommen.

Wurde so vielleicht ein schlummerndes Talent geweckt?
Wesnick: Das liegt mir wirklich und ich habe viel Freude daran. Im Mönchenkloster Jüterbog konnte ich zum Beispiel eine Buchlesung moderieren, dabei ging es um das Flämingplatt.

Bei so viel Spaß und Freude am Amt - denken Sie denn überhaupt ans Abdanken?
Wesnick: Auf Dauer wird es wohl doch zu anstrengend. Um die 50 bis 60 Auftritte im Jahr vorzubereiten, geht enorm viel Freizeit drauf. Die Termine bündeln sich auch zu bestimmten Zeiten, dafür gibt es Wochen, wo gar nichts los ist. September und Oktober sind zum Beispiel ganz verrückt, da sind viele Erntefeste. Im Dezember ist eigentlich Ruhe, dann kommt die Grüne Woche und schon geht es wieder los.

Dann dürfte wohl auch die Entscheidung anstehen, wer die 14. Flämingkönigin werden darf.
Wesnick: Im Februar müsste die Wahl stattfinden, denn die Schneiderinnen brauchen zwei Monate, um die Tracht zu nähen. Ende April müsste dann das Fläming-Frühlingsfest stattfinden, wo die Königin gekrönt wird.

Ob, wann und wo das Fest gefeiert wird, ist bislang nicht entschieden. Aber noch sind Sie ja im Amt. Allerdings, Sie haben ein eigenes Kosmetikstudio. Hat denn der Job unter dem ganzen Repräsentieren gelitten?
Wesnick: Überhaupt nicht, im Gegenteil. Es kommen mehr Kunden und die bleiben auch. Der Terminkalender ist ganz schön straff.

Ist denn die Familie genauso enthusiastisch mit dabei wie zu Anfang?
Wesnick: Mein Mann kommt nach wie vor mit, je nachdem wie es die Zeit erlaubt. Für die Kinder fehlt inzwischen der Reiz des Neuen. Aber sie begleiten mich immer noch, manchmal auch einzeln. Zum Beispiel nach Möckern zum Auftakt der Gedenkveranstaltungen anlässlich der Befreiungskriege 1813. In Lübbenau im Spreewald hat die Kleine bei einer großen Veranstaltung ganz stolz erklärt, was die Flämingtracht bedeutet.

In welchen Gegenden hatten Sie denn als Flämingkönigin die meisten Auftritte?
Wesnick: Aus Sachsen-Anhalt kommen viele Einladungen. Ins Jerichower Land könnte ich jede Woche fahren. Frank von Holly, der Bürgermeister von Möckern, brennt für den Fläming, von ihm bekomme ich regelmäßig Post.
Diese vielen Veranstaltungen, Feste und Begegnungen - hat das ihr ohnehin ausgeprägtes Heimatgefühl irgendwie beeinflusst?
Wesnick: Mein Herz hängt immer noch hier an der Region. Aber meine Heimat ist jetzt größer geworden. Der Fläming ist ja so weitläufig. Deshalb kann ich auch sagen, dass mein Heimatgefühl stärker geworden ist.

Konnten Sie denn dieses Gefühl anderen vermitteln?
Wesnick: Ich glaube, dass es die Leute an mir merken, dass ich für meine Heimat brenne. Und wenn du selber begeistert ist, lassen sich die anderen auch begeistern. Dann entsteht eine Herzlichkeit, dabei ist es egal, wer man ist oder wo man herkommt. Die Verbundenheit spüre ich zum Beispiel daran, dass es anfangs immer hieß, "ihre Majestät" oder die "Königin". Und jetzt bei den letzten Umzügen, zum Beispiel beim Kreiserntefest in Hohenseefeld, ist mir aufgefallen, dass immerzu gerufen wurde: unsere Königin. Das war ein richtiges Heimspiel. Es ist schön, wenn auch von den Leuten etwas zurückkommt.

Es gibt ja den Bund der Flämingköniginnen. Haben Sie denn mit Ihren Vorgängerinnen weiterhin Kontakt?
Wesnick: Wir versuchen uns zweimal im Jahr zu treffen, aber im Moment ist wohl eine schwierige Zeit. Ines Gärtner ist die Vorsitzende unseres Bundes. Bei ihr können sich übrigens Frauen melden, die selbst gern dieses Amt übernehmen möchten.

Interview: Martina Burghardt

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