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Milchpreiskrise: Wettlauf in den Abgrund

Landwirtschaft in Dahmeland-Fläming Milchpreiskrise: Wettlauf in den Abgrund

Die Preise für Milch fallen und fallen, ein Ende der Durststrecke ist nicht in Sicht und gleichzeitig müssen die Landwirte ihre Produktion ausdehnen, um überhaupt auf ihre Kosten zu kommen. In der Region Dahmeland-Fläming dürften schon bald die ersten Betriebe schließen – und damit einen Dominoeffekt auslösen.

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Es ist ein Teufelskreis: Auf dem Markt ist zu viel Milch, darum fallen die Preise, umso mehr Milch müssen die Bauern produzieren.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Der Milchpreis fällt immer weiter. Einige Molkereien zahlen nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ inzwischen nur noch 18 bis 19 Cent je Liter. Damit sei der Preis erstmals unter die Marke von 20 Cent gefallen, schreibt das Blatt (Dienstag) unter Berufung auf Molkereivertreter. Am Dienstag wollten in Brüssel die EU-Landwirtschaftsminister über das Thema sprechen.

Im März hatten in Deutschland große Molkereien noch um die 24 Cent je Liter gezahlt. Wegen eines Überangebots sind aktuell die Milchpreise in ganz Europa im Keller. Um kostendeckend wirtschaften zu können, bräuchten die rund 75 000 Milchbauern in Deutschland einen Erzeugerpreis von etwa 40 Cent pro Liter.

Milchpreiskrise wird zur Überlebensfrage

Die anhaltende Milchpreiskrise wird derweil für die Landwirte in der Region immer mehr zur Überlebensfrage. Viele Milchbetriebe müssen ihre Produktionskosten inzwischen über Kredite finanzieren, die ersten sind bereits aus der Produktion ausgestiegen oder haben ihre Bestände reduziert. Zu allem Überfluss hat der Discounter Aldi auch noch den Preis für einen Liter Frischmilch von 59 auf 46 Cent gesenkt. Beginnt bald das große Hofsterben?

„Aktuell bekomme ich für den Liter noch knapp 21 Cent bei der Molkerei“, berichtet Daniel Schacht, der Geschäftsführer der Darez-Agrar-GmbH in Baruth. Um auf seine Kosten zu kommen, bräuchte er etwa 35 Cent für den Liter. „Das ist so, als würde VW seine Autos für 5000 Euro auf den Markt werfen“, sagt Schacht.

Überproduktion und sinkende Nachfrage

Erst vor vier Jahren hat sein Betrieb mehr als zweieinhalb Millionen Euro in eine moderne Melkmaschine investiert. Damals waren die Milchpreise auf einem Allzeithoch, die Investition sollte sich eigentlich nach 20 Jahren amortisieren – davon kann nun keine Rede mehr sein. Daniel Schacht muss zusehen, dass er jeden Monat die Gehälter für seine Angestellten zusammenbekommt und laufende Kredite bedienen kann. „Wir leben von der Hand in den Mund“, sagt der 30-jährige Baruther.

Ein Grund für die Milchpreiskrise

Ein Grund für die Milchpreiskrise: die weltweite Überproduktion.

Quelle: dpa

Der Grund für die seit mehr als einem Jahr anhaltende Milchpreiskrise ist eine weltweite Überproduktion. Im Frühjahr 2015 wurde europaweit die Milchquote abgeschafft. Gleichzeitig ist die Nachfrage aus China gesunken und allein das Handelsembargo der EU gegen Russland soll die Milcherzeuger nach Berechnungen des Bundesbauernverbands vier Cent pro Liter Milch kosten. Damit die Preise wieder steigen, müsste die Menge der insgesamt produzierten Milch sinken – doch das ist leichter gesagt als getan.

Erst wenn die Milchmenge sinkt, steigen die Preise wieder

„Es bringt nichts, jetzt die Bestände zu reduzieren und weniger Milch zu produzieren“, erklärt Daniel Schacht. „Für den einzelnen Milchbauern ist es sinnvoller, mehr zu produzieren und dadurch den niedrigen Preis auszugleichen. Darum produzieren jetzt alle wie verrückt.“ Im Ergebnis sei das so, als würden alle gemeinsam auf den Abgrund zulaufen. Erst wenn Betriebe pleite gehen oder ganz aus der Produktion aussteigen, dürften die Milchmenge abnehmen und die Preise wieder steigen.

Daniel Schacht glaubt, dass das Hofsterben in der Region bald einsetzen wird: „Und dann gibt es einen Dominoeffekt, die Banken sind jetzt schon nervös“, sagt Schacht. Wenn die ersten Betriebe geschlossen hätten, sei es für die übrigen umso schwieriger, kurzfristige Kredite etwa für kaputte Maschinen zu bekommen. „Und ein Silberstreif ist nicht Sicht.“

Bauern und Molkereien müssen sich auf Mengen einigen

Auch Peter Knopp glaubt nicht an ein schnelles Ende der Krise: „Das Problem kann nur von der Privatwirtschaft gelöst werden, indem sie die Milchmenge reduziert“, sagt der Geschäftsführer der Gläsernen Molkerei in Münchehofe. „Für die Milchviehhalter, die jetzt aufgeben müssen, ist das natürlich grausam, da hängen ja Existenzen dran.“ Insofern sollte auch die Politik eingreifen, Geldzahlungen alleine würden das Problem aber nicht lösen, so Knopp. „Molkereien und Milchbauern müssen sich künftig auf verbindliche Mengen einigen. Der Bauer muss wissen, welche Mengen er bei der Molkerei anliefern k

Die Gläserne Molkerei aus dem Amt Schenkenländchen hat nur Biobauern unter Vertrag, denen sie derzeit rund 46 Cent für den Liter Milch zahlt – ein auskömmlicher Preis. „In den Jahren 2013 und 2014, als die Preise für Milch sehr hoch waren, hatten wir große Probleme, Bauern zu finden, die auf Öko-Produktion umstellen wollen“, so Knopp. „Nun bekommen wir vermehrt Anfragen von konventionellen Milchbauern, die umstellen wollen, aber das kann nur schrittweise geschehen.“

Wie viel würden Sie für den Liter Milch bezahlen?

Wir haben uns in der Region umgehört.

Wenn die Bauern davon leben können, zahle ich gerne 1,20 Euro oder mehr

Wenn die Bauern davon leben können, zahle ich gerne 1,20 Euro oder mehr. Aber wenn die Politik den Bauern helfen kann, sollte sie das auch tun.“ Anja Wagner, 46

Quelle: G.Irmscher
Die Verbraucher sollten sich überlegen, wo sie ihre Milch einkaufen

Die Verbraucher sollten sich überlegen, wo sie ihre Milch einkaufen. Andererseits können es sich auch nicht alle leisten, im Biosupermarkt einzukaufen.“ Matthias Marsch, 45

Quelle: G.Irmscher
Ich finde es nicht gut, dass die Bauern so leiden müssen

Ich finde es nicht gut, dass die Bauern so leiden müssen. 1,20 Euro sollte man doch bezahlen können. Außer vielleicht, wenn man viele Kinder hat.“ Sieglinde Beer, 73

Quelle: G.Irmscher
Milch sollte nur aus guter Haltung kommen, dann zahle ich auch gerne zwei oder drei Euro für den Liter

Milch sollte nur aus guter Haltung kommen, dann zahle ich auch gerne zwei oder drei Euro für den Liter. Das hilft zudem den regionalen Milchbauern.“ Dennis Sorokin, 20

Quelle: G.Irmscher

Von Martin Küper

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