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Mildes Urteil für Jüterboger Brandstifter

Brandanschlag Mildes Urteil für Jüterboger Brandstifter

Der 21-jährige Chris P. aus Jüterbog wollte vor einem Jahr ein Flüchtlingsheim in Brand stecken. Am Donnerstagnachmittag hat das Landgericht Potsdam sein Urteil gefällt und den jungen Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Es habe keine Tötungsabsicht vorgelegen, so das Gericht.

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Brandstifter Chris P. aus Jüterbog mit Anwalt Torsten Kauer vor dem Landgericht Potsdam

Quelle: Peter Degener

Jüterbog/Potsdam. Im Mordversuchs-Prozess gegen einen Jüterboger, der in seiner Heimatstadt Brandsätze auf ein bewohntes Asylbewerberheim geworfen hatte, ist am Donnerstag ein mildes Urteil gefallen: Der 21-Jährige Chris P. muss – trotz des von der Staatsanwaltschaft erhobenen Tatvorwurfs versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung – nicht in Haft.

Das Landgericht Potsdam verurteilte den jungen Mann zu zwei Jahren Jugendstrafe, die für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie zu 200 Sozialstunden, die der Verurteilte in der Flüchtlingshilfe ableisten soll. Die Staatsanwaltschaft hatte viereinhalb Jahre Haft gefordert.

Anfangs nahm der Täter die Alleinschuld auf sich

Die Tat vom Oktober 2016 war in der öffentlichen Wahrnehmung weniger beachtet worden als die Brandstiftung der Turnhalle in Nauen 2015. Anders als die im Havelland geplante Asylunterkunft war jene in Jüterbog bewohnt. Als die Molotowcocktails die Fassade trafen, schliefen viele Bewohner des Heims.

Deshalb entschied sich die Staatsanwaltschaft für die Mordanklage. Die Große Strafkammer sah es nun als erwiesen an, dass Chris P. heimtückisch, gemeingefährlich und aus niedrigen Beweggründen handelte. Die Tat misslang, es blieb bei Sachschäden.

Prozesswende kurz vor Schluss – Vater und Freund sind Mittäter

Chris P. wurde wenige Wochen nach dem Angriff mittels Überwachungsaufnahmen einer Tankstelle identifiziert und festgenommen. Er gestand die Tat sofort und nahm die Alleinschuld auf sich. Erst kurz vor Prozessende kam die Wende in dem Verfahren: Eine Zeugin belastete einen guten Freund und den Vater des Angeklagten schwer. Die besondere Rolle des Vaters bei der Tat betonte das Gericht in der Urteilsbegründung – sie ist auch entscheidend für das geringe Strafmaß.

Der Vater lieferte laut Gericht in der Tatnacht nicht nur die Brandsätze und die Idee zur Tat, sondern auch das zweite Motiv für Chris P: Der Sohn wollte Stolz und Anerkennung vom Vater und riskierte dafür den Tod von Menschen. „Der Angeklagte hatte keine Absicht Menschen zu töten, doch er nahm es billigend in Kauf“ sagte der Vorsitzende Richter Jörg Tiemann.

Keine Tötungsabsicht, doch Chris P. nahm die Gefahr in kauf

„Die minderjährigen Bewohner der Unterkunft, die allesamt vom Krieg traumatisiert nach Deutschland geflohen waren, sollten in Todesangst geraten und begreifen, dass sie hier nicht willkommen wären, weil sie nicht in die kleine Gedankenwelt des Angeklagten passten“, so Tiemann.

Das Gericht sieht im Angeklagten trotz seines Alters noch immer einen Jugendlichen. In der Haft habe Chris P. begonnen, sich kritisch mit seinem Vater auseinanderzusetzen, nachdem dieser ihn „eiskalt im Regen stehen ließ, als es darum ging, Verantwortung zu übernehmen“, so Richter Tiemann.

Das Jugendstafrecht erlaubt keine abschreckenden Urteile

Das milde Urteil begründete er mit einer Besonderheit des Jugendstrafrechts. Die abschreckende Wirkung einer harten Strafe und die Genugtuung der Opfer dürfe hier im Gegensatz zu erwachsenen Tätern keine Berücksichtigung finden.

Knapp zehn Monate hat P. in Untersuchungshaft verbracht. „Mit dem Strafmaß kann mein Mandant sehr zufrieden sein, wir sind daher gespannt, ob die Staatsanwaltschaft in Revision geht“, sagte Verteidiger Torsten Kauer. Vater Dirk P. (44) sitzt laut Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft.

Von Peter Degener

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