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Teltow-Fläming Militaria-Fans sind ein Problem
Lokales Teltow-Fläming Militaria-Fans sind ein Problem
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12:13 02.06.2017
Der kleinste Blindgänger, eine russische 70-Kilo-Bombe, wurde in einer mit Wasser gefüllten Grube gesprengt, Feuerwehrleute und Munitionsberger schauen sich das Ergebnis an. Quelle: Jutta Abromeit
Radeland

Vor dem langen Pfingstwochenende gibt es im Radeländer Forst drei große Blindgänger-Gefahren weniger: Am Donnerstagvormittag wurden dort eine deutsche 250-Kilogramm-Bombe mit russischem Zünder und eine russische 100-Kilogramm-Bombe entschärft sowie eine russische 70-Kilogramm-Bombe gesprengt. Alle drei gehören zu den Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs. Der Raum Baruth war Rückzugsgebiet der Kesselschlacht um Halbe.

Großes Schweigen vor der Entschärfung

Dort sind noch immer Militaria-Jäger unterwegs. Deshalb versuchten die Behörden am Donnerstag auch, das Beseitigen der am Dienstag gemeldeten und teils frei geschaufelten Blindgänger so schnell und unauffällig wie möglich zu erledigen. Nicht einmal Polizisten waren dabei. „Das ist hier alles Waldsiedlungsgebiet mit Urlaubern und Wochenendausflüglern an unbefestigten Wegen“, erklärte Einsatzleiter Marcel Jezierski, der stellvertretende Stadtbrandmeister von Baruth.

Morgens um 7.30 Uhr an der Feuerwehr erklärte sein Chef René Mydaß, wer von den zehn Feuerwehrleuten aus Horstwalde, Radeland, Baruth, Mückendorf und Dornswalde welche Wege des zeitweiligen Sperrbezirks abfährt. Urlauber und Bungalowbewohner waren mit Faltblättern in den Briefkästen von der nötigen Evakuierung informiert worden. Außerdem hatten Polizei, Bundespolizei und wegen der Flughafennähe auch die Luftsicherung informiert werden müssen. Zu berücksichtigen waren vor diesem Einsatz außerdem die Hochspannungsleitung und die fast parallel verlaufende überregionale Gasleitung sowie die Gasverdichterstation Radeland.

Entschärfung der Beutemunition

Es wurden zwei Sperrbezirke gesichert: einer für die beiden großen, nur 100 Meter beieinander liegenden, und einer für den kleinen Blindgänger 1,5 Kilometer entfernt. Plötzlich war ein Hubschrauber zu hören. „Wo kommt der denn noch her?“ Einsatzleiter Jezierski sorgt per Funk für sein Abdrehen. Gegen zehn Uhr war alles bereit. Steffen Seliger, der 34 Jahre alte Truppführer Teltow-Fläming beim Kampfmittelbeseitigungsdienst Brandenburg, ging mit dieser Munition an seine ersten selbstständigen Entschärfungen. Und meistert sie erfolgreich. Kurz nach 10 Uhr war die erste unscharf, kurz vor 11 Uhr die andere. Seliger erklärte: „Die große Bombe ist Beutemunition – die Russen haben in das deutsche Fabrikat einen eigenen Zünder eingebaut und es sozusagen an den Absender zurückgeschickt.“ Wäre das Entschärfen dieser großen Blindgänger unmöglich gewesen, hätten sie ebenfalls in der mit Folie ausgelegten und mit 4000 Litern Wasser gefüllten Grube gesprengt werden müssen.

„Bei der 70-Kilo-Bombe ist der Zünder zementiert, da kommen wir nicht ran“, sagte Seliger. Er und sein Kollege Klaus Straube brachten den Blindgänger im Auto zu der vorbereiteten Sandgrube. Die Feuerwehrleute füllten sie mit Wasser, dann entfernten sich alle 800 Meter weit. Ein dreifaches Warnsignal schallte durch den Wald – es konnte gesprengt werden. Die Explosion unter Wasser war kaum zu hören, dann folgte für alle die akustische Entwarnung. Steffen Seliger war erleichtert. Er sprach kaum. Per Handy ließ der Lübbener seine Freundin wissen: „Alles gut gegangen.“

Schwarzsucher sind ein Problem

Unklar ist im Moment, wer die Bomben gefunden und wer den Fund gemeldet hat. Katja Woeller, Leiterin des Ordnungsamtes Teltow-Fläming, erklärte auf MAZ-Nachfrage, dass es aus ihrem Hause „schon sehr lange keine Genehmigung für ehrenamtliches Suchen nach Munition“ mehr gab. Das legt den Schluss nahe, dass die drei Radeländer Bombenfunde tatsächlich auf das Konto sogenannter Schwarzsucher gehen. Katja Woeller schüttelte nur den Kopf und verwies auf die Brandenburger Verordnung zum Schutz von Kriegsgräberstätten: „Dieses Gesetz schützt die Totenruhe. Es untersagt nicht nur die Suche nach Waffen und Munition, sondern nach allen Militaria wie Uniformteilen oder militärischen Erkennungszeichen.“ Von Bomben hielten die meisten Menschen ja schon aus reinem Sicherheitsempfinden Abstand, meinte sie. „Aber solche Leute nehmen, was sie suchen, und lassen die Gebeine Gefallener einfach liegen. Damit wird die Identifizierung von Kriegstoten, die auch heute tatsächlich immer noch gefunden werden, unmöglich gemacht“, erklärte sie. Allein die Suche nach Militaria könne mit einem Bußgeld bis zu 1000 Euro geahndet werden. Woeller ergänzt: „Die Beseitigung von Kampfmitteln und das Erstatten von Anzeigen gegen die Suche sind Sache der Kollegen von Ort.“

Bis Donnerstag war nach den Worten des Baruther Ordnungsamtsleiters Uwe Böttcher keine Anzeige wegen der drei Bombenfunde von Radeland erstattet worden.

Von Jutta Abromeit

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