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Mindeststandards für Schulessen gefordert

Dahmeland-Fläming Mindeststandards für Schulessen gefordert

In der vorigen Woche haben sich Schulträger, Schüler- und Elternvertreter, Schulen und Caterer zur Brandenburger Tafelrunde getroffen. Bis zum Ende des Jahres wollen sie das Schulessen auf Landesebene verbessern. Auch in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming gibt es immer wieder Beschwerden über die Qualität der Mahlzeiten.

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Zu warm, zu kalt, zu viel, zu wenig – wie auch immer, Schulessen sorgt verlässlich für Kritik.

Quelle: Peter Geisler

Dahmeland-Fläming. Im Frühjahr dieses Jahres hatte es an der Großbeerener Ottfried-Preußler-Schule Beschwerden von Kindern und Eltern gegeben: Das Schulessen sei schlecht, hieß es. Zu wenig frisches Obst und Gemüse, zu viel Fleisch. Das schockgefrorene und in der Schule wieder erwärmte Essen schmecke nicht und sei unpassend zubereitet. So seien die Kartoffeln häufig wässrig gewesen. Es war nicht das erste Mal, dass die Gemeinde sich mit so einer Situation konfrontiert sah: Schon zwei Jahre zuvor wechselte sie nach Beschwerden den Caterer – zum jetzigen Anbieter. Der beliefert zudem noch zwei Gemeinde-Kitas, der Vertrag läuft bis Sommer 2017.

Immer mehr Kinder in Großbeeren essen Mitgebrachtes

Für einen Wechsel war es im Frühjahr zu spät. Zur Verbesserung des Schulessens sollte der Caterer daher erst einmal in Diskussionen mit Gemeinde und Elternvertretern eingebunden werden. So richtig verbessert hat sich laut dem Elternratsvorsitzenden Daniel Krause allerdings noch nichts. Seine Forderung lautet, die Mindestanforderungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung einzuhalten und diese Standards regelmäßig zu kontrollieren. Doch noch immer fänden sich zu oft ungesunde Lebensmittel wie Rahmsoßen auf der Speisekarte. Krauses Kinder essen deshalb schon seit Jahresanfang mitgebrachtes Essen – so wie es in Großbeeren immer mehr Schüler tun.

Kreiselternrat kennt viele Beschwerden zum Schulessen

Ärger um die Qualität von Schulessen hat es in der Region Dahmeland-Fläming immer wieder gegeben – so wie im gesamten Land Brandenburg. Laut Ariane Ullrich, Mitglied des Kreiselternrats Dahme-Spreewald gibt es zum Schulessen eigentlich schon immer Beschwerden, seit es Schule gibt. Nicht warm genug, schmeckt nicht. „Der übliche Zustand ist, dass Essen in der Nacht oder früh vorgekocht und später aufgewärmt wird“, sagt sie. Häufig würde das Essen auch für die Versorgung von Altenheimen genutzt. „Das ist dann natürlich kein kindgerechtes Menü“, so Ullrich. Aus ihrer Sicht wäre es ideal, vitaminreiches Essen frisch in der Schule zu kochen. Das hätte allerdings auch seinen Preis. „Einige Eltern wären sicher bereit, mehr zu zahlen – andere nicht“, sagt Ariane Ullrich.

Bürgermeister: Land muss sich finanziell beteiligen

Die Beschwerden in Großbeeren sind laut Bürgermeister Carl Ahlgrimm (parteilos) sei jedoch weniger den Qualitätsstandards des den Caterers, als vielmehr der Frage nach der fachgerechten Erwärmung in den Räumen der Schulküche geschuldet gewesen. Grundsätzlich sind laut Ahlgrimm die bestehenden Qualitätsstandards für Schulessen gut. „Dann kann mal noch mal versuchen, die Menüs spezieller auf Kinder und Jugendliche zuzuschneiden und attraktiv anzurichten“, schlägt er vor. Dies dürfe aber nicht zu steigenden Kosten für Kommunen führen. Daher fordert Ahlgrimm das Finanzministerium auf, sich zu beteiligen.

Essen

Essen: Es gibt Alternativen zu Fett und Zucker.

Quelle: dpa

Um die allgemeine Esskultur und damit auch die der Schüler zu verbessern, bringt die Luckenwalder Beschäftigungs- und Aufbaugesellschaft (Luba) seit acht Jahren regelmäßig verschiedene Akteure zum das Thema Ernährung bei den sogenannten Tafelrunden in der Woltersdorfer Walkmühle zusammen. Dort überlegen sie gemeinsam, wie sie die Standards verbessern können.

Arbeitskreis „Qualität auf dem Teller“

Dieses Prinzip wurde jetzt auf Landesebene übernommen: In der vergangenen Woche trafen sich auf Einladung des Brandenburger Verbraucherschutz- und des Bildungsministeriums Schulträger, Schulen, Caterer, Schüler- und Elternvertreter zur ersten „Brandenburger Tafelrunde“ bei der Vernetzungsstelle Schulverpflegung. Gemeinsam diskutierten sie über gutes und gesundes Schulessen. Dabei bildeten sich drei Arbeitskreise heraus – „Qualität auf dem Teller“, „Auf dem Weg zu mehr Regionalität“ und „Verankerung in der Schule“. Die Mitglieder dieser drei Kreise wollen bis zum Jahresende konkrete Ideen und umsetzbare Projekte und Maßnahmen entwickeln. Welche Vorschläge während der ersten Treffen zusammengetragen wurden, konnte Maren Daenzer-Wiedmer von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung derzeit noch nicht mitteilen.

„Es gibt keine richtige Esskultur mehr.“

An der „Brandenburger Tafelrunde“ ist auch Luba-Geschäftsführer Jörg Kräker beteiligt. Die Luba beliefert sechs Schulen in Luckenwalde und Umgebung mit Mittagessen. Als soziales Unternehmen sei sie ohnehin auf die Einhaltung von Qualitätsstandards bedacht, wie Kräker erklärt. Doch an manchen Brandenburger Schulen sehe die Schulverpflegung schlecht aus. „Es gibt keine richtige Esskultur mehr“, sagt Jörg Kräker. Die Menschen achten seiner Meinung nach gar nicht mehr darauf, was sie essen und wo es herkommt – sondern nur noch darauf, dass es billig ist. „Um das zu ändern, müssen wir schon bei den Kleinsten anfangen.“

Vollkornnudeln und Tomatenstücke

Der erste wichtige Schritt ist nach Angaben von Kräker das einheitliche Einführen der Mindeststandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). So stehen bei der Luba zum Beispiel Vollkornnudeln mit Tomatensoße und frischen Tomatenstücken statt Jagdwurst auf dem Speiseplan. In Berlin sind DGE-Standards bereits seit Februar 2014 Pflicht, in Brandenburg noch nicht. Laut Maren Daenzer-Wiedmer sind diese Standards bislang nur in 67 Prozent der Verträge zwischen Schulträgern und Caterern verankert. Ein Drittel aller Träger achte demnach also noch nicht darauf. Ein weiteres großes Manko: Auch wenn die Standards auf dem Papier festgeschrieben sind, werden sie noch zu selten kontrolliert. Auch das soll sich ändern.

DGE-Empfehlungen für Schulessen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat einen Maßnahmenkatalog mit Empfehlungen und Qualitätsstandards für das Schulessen.

Caterer, die sich in ihrem Vertrag mit dem Schulträger zur Einhaltung dieser Mindeststandards verpflichten, müssen weniger Fleisch, maximal zweimal pro Woche anbieten.

Zweimal pro Woche müssen Milchprodukte und frisches Obst aus der Region auf dem Speiseplan stehen. Salate und Rohkost müssen jeden Tag vorhanden sein. Mindestens einmal pro Woche muss Seefisch angeboten und Rapsöl als Fett verwendet werden.

Trink- und Mineralwasser müssen immer zur Verfügung stehen.

Die DGE empfiehlt , 46 Minuten für das Mittagessen einzuplanen. In vielen Schulen sind die Pausen kürzer.

Für eine Mahlzeit nach DGE-Standards sind etwa 3,50 Euro zu veranschlagen. Der Preis der Schulessen liegt häufig darunter. In Großbeeren kostet es derzeit etwa zwei Euro.

Das Thema Schulessen beschäftigt auch die Schulen selber, die die Rahmenbedingungen für die Mittagspause schaffen. Schulleiterin Marion Bethge von der Erich-Kästner-Grundschule in Königs Wusterhausen ist mit dem Angebot an ihrer Schule zufrieden. „Luft nach oben gibt es natürlich immer“, sagt sie. „Das hängt aber maßgeblich mit dem Preis zusammen.“ An ihrer Schule kostet das Essen 3,30 Euro – sie fürchtet, dass sich das irgendwann nicht mehr alle Eltern leisten können. „Aber billiger ist kein qualitatives Schulessen lieferbar.“

Schulleiterin: Essen war zu DDR-Zeiten besser

Das beste Schulessen hat Marion Bethge noch zu DDR-Zeiten erlebt. Als direkt in der Schule mit Produkten aus der Region zubereitet wurde. „Aber wer soll so etwas heute zahlen?“ Woran die Schulen selbst arbeiten, ist ein angemessener Raum zum Essen. „Da haben wir in den vergangenen Jahren einiges verbessert“, sagt Bethge. An der Erich-Kästner-Grundschule essen die Kinder in der Aula, zuerst die Großen, später die Kleinen. Dadurch ist es ruhiger. Außerdem ist die Ausgabe verbessert worden, sodass die Schüler ihr Essen schneller bekommen. Denn: Die Pausenzeit beträgt nur 30 Minuten. „Das ist eigentlich nicht lang genug“, gibt Bethge zu. „Aber es ist für alle organisatorisch schwierig, die Pausen zu verlängern.“

Inwieweit die Schulen ab dem kommenden Jahr auch daran etwas verändern müssen, wird sich noch zeigen. Bis dahin tagen die drei Arbeitskreise der Brandenburger Tafelrunde weiter und tauschen sich über Empfehlungen aus.

Von Anja Meyer

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