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Teltow-Fläming Mit Handicaps zur Reifeprüfung
Lokales Teltow-Fläming Mit Handicaps zur Reifeprüfung
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00:20 07.07.2015
Judith Bogen und Thomas Krüger vom Oberstufenzentrum erhielten am Freitag ihre Abiturzeugnisse. Quelle: Frank Nessler
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Luckenwalde

Von den Abiturienten des Oberstufenzentrums (OSZ) in Luckenwalde, die am Freitag ihre Zeugnisse erhalten haben, dürfen zwei besonders stolz sein: Judith Bogen aus Holbeck und Thomas Krüger aus Luckenwalde haben ihr Abitur unter erschwerten Bedingungen geschafft – mit Behinderungen.

Judith Bogen ist von Geburt an sehbehindert. Sie hat keine Augenfarbe und leidet an Augenzittern, wodurch sie ihre Umwelt nur mit etwa zehn Prozent Sehstärke wahrnehmen kann. „Es ist, als ob man den ganzen Tag Karussell fährt, dadurch ist auch meine Reaktionsfähigkeit eingeschränkt“, erklärt die 19-Jährige. Eine Krankheit, die nicht heilbar ist, mit der sie aber inzwischen gut zurecht kommt.

Nach der beschwerlichen Zeit in einer Spezialschule in Königs Wusterhausen hatte Judiths Mutter damals dafür gekämpft, dass Judith eine ganz normale Grundschule in Stülpe besuchen kann. Später absolvierte sie die 10. Klasse an der Oberschule Baruth. Dann war für Judith klar, dass sie auch ihr Abitur ablegen will.

Die Zusage vom OSZ kam sofort und in Tutorin Iris Mühlbach fand sie die optimale Lehrerin. „Für mich war die Herausforderung nicht so groß“, berichtete Iris Mühlbach, „ich hatte früher schon einen sehbehinderten Schüler und wusste, dass ich alles, was ich an die Tafel schreibe, auch sprechen muss.“ Mit Hilfsmitteln wie verschiedenen Lupen und einem größeren Computer-Bildschirm stemmte Judith den Unterricht mit Bravour. Für die Prüfungen erhielt sie 30 Prozent Zeitverlängerung als Nachteilsausgleich.

Thomas Krüger wiederum leidet an zunehmendem Muskelschwund. Bis zum zehnten Lebensjahr konnte er noch laufen, jetzt ist er vollständig auf den Rollstuhl angewiesen. Jörg Bendel, Integrationshelfer beim DRK, stand dem 19-Jährigen jeden Tag von der ersten bis zur letzten Unterrichtsstunde zur Seite. Er positionierte seinen Körper, legte ihm den Stift in die Hand und die Hand aufs Blatt, damit Thomas schreiben konnte. Das OSZ stellte ihm einen Spezial-Laptop mit Sprach-Software zur Verfügung, so dass Thomas in der Deutschprüfung seine Antworten diktierte und ausdruckte. Mathematik wurde per Hand geschrieben. In einem extra Prüfungsraum diktierte Thomas die Lösungen seinem Betreuer. In der mündlichen Geschichtsprüfung erzielte der behinderte Schüler sogar das beste Prüfungsergebnis von allen. Sein Reifezeugnis erhielt er mit einem Noten-Durchschnitt von 3,0.

„Es ist ein Erfolg für die ganze Schule“, sagt Iris Mühlbach, „die Lehrer haben den Mehraufwand gern in Kauf genommen und von unserer Abteilungsleiterin Karin Ilgner wurden wir sehr unterstützt.“ Während Judith Bogen Agrarwirtschaft studieren will, bewirbt sich Thomas Krüger für ein Studium in Politik, Verwaltung und Organisation. „Es hat viel Spaß gemacht, die beiden in ihrem Eifer zu begleiten“, sagt Iris Mühlbach, „ich würde sofort wieder einen Rollstuhlfahrer nehmen.“

Von Elinor Wenke

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