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Mit Kettenhemd und Steinadler

Ritterfest im Diedersdorfer Schlossgarten zog kleine wie große Mittelalterfans in seinen Bann Mit Kettenhemd und Steinadler

Wer am Wochenende das Schloss Diedersdorf besuchte, der fühlte sich zurückversetzt in die Zeit der Ritter und Burgen. Veranstalter Dietmar Frick vom Verein für Brauchtumspflege Mecklenburg-Vorpommern hatte Handwerker, Händler, Spielleute, Ritter, Gaukler und fahrendes Volk um sich versammelt.

DIEDERSDORF. . Der studierte Mathematiker spielt Harfe, Dudelsack und Cello und ist Intendant des Wandertheaters „Cocolorus Budenzauber“. Die Kinder freuten sich über die Geschichte vom Fischer und seiner gierigen Frau, fanden es toll, mit einem „echten“ Ritter fotografiert zu werden, während die Erwachsenen nachgebaute Wikingerboote, Wikingerkanus, ein mittelalterliches Katapult sowie ein Wasserrad bestaunten. Es wurde hart gekämpft und gut gegessen. Eine Kettenhemd-Reparaturstelle lockte Recken mit günstigen Angeboten: Fürs Stopfen eines kleinen Loches zahlte man 1 Euro, für ein großes Loch 2 Euro.

Der Usedomer Falknerhof stellte sich unter anderem mit Steinadler und Schneeeule vor. Die Schneeeulen sind Vögel des Nordens und verwandt mit unserem Uhu. Falkner Markus Hammer gelang es, seine Schneeeule zum „Sprechen“ zu bringen. Mit Staunen stellten die Kinder fest, dass ihre Rufe sich wie Möwenschreie anhören. Man müsse im Leben Prioritäten setzen, sagte Hammer, der seinen Beruf als Mechatroniker für die Falknerei an den Nagel hängte. Über Bögen, Pfeile und Zubehör informierte Grit Leuenberg an ihrem Stand. Vor sechs Jahren hat die Ingenieurin für Energie und Versorgungstechnik ihr Hobby zum Beruf gemacht. Auch für sie ist „Geld nicht alles.“ Ihre Kunden kommen jetzt aus der Mittelalterszene, auch Sportschützen kaufen bei ihr ein. Im Schlossgarten ließen sich die kleinen Ritter im Umgang mit Pfeil und Bogen einweisen. Dagmar und Rainer Strehse waren mit ihrem zweieinhalbjährigen Enkel Tim diesmal wegen der Ritterspiele gekommen. Aber das Schloss Diedersdorf mit seinen vielfältigen Angeboten gehöre auch sonst zu ihrem bevorzugten Ausflugsziel, so die beiden Mahlower. Naturverbunden und kritisch seien Händler und auch das Publikum, meinte Wolfgang Bechtel. Der ehemalige Karosseriebaumeister mit eigener Werkstatt in Berlin trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Ziegen for ever“. Ihn zog es in Richtung Perleberg. Zu seinem neuen Leben gehörte eine Herde von über 400 Ziegen. Sein Motto: Dem Geld hinterherzurennen, das kann nicht das Leben sein. Jetzt, in Rente, backt er Brot und braut Schafmilchlikör. Mit fasst 70 Jahren sei er in seinem Dorf der Jüngste, erzählte er und forderte: „Die Politiker sollen mehr für die Jugend tun.“ (Von Gudrun Ott)

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