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Teltow-Fläming Mit Tucholsky gegen rechten Umtriebe ankämpfen
Lokales Teltow-Fläming Mit Tucholsky gegen rechten Umtriebe ankämpfen
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00:17 21.11.2017
Die Akteure während der Generalprobe (v.l.): Jens Wollenberg, Klaus Weiger, Adriane Rimscha, Bernd Kummer, Susanne Thäsler-Wollenberg und Tobias Bartholmeß. Quelle: Fotos: Karen Grunow (2)
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Halbe

„Ich möcht’ so gern mal in die Suppe hau’n, den ganzen Tisch versau’n“, singt Adriane Rimscha mit nur schwer zu unterdrückender Erregtheit. Aber bei dieser „Dame von der alten Schule“ zählt eben nur der gute Ton. Und mit dieser nur innerlich aufbegehrenden Frau ist der Besucher schon mittendrin in der Zeit, in der Kurt Tucholsky als Journalist und Autor wirkte.

Dem, wie Jens Wollenberg ihn ankündigt, „linkspolitischen Idealisten“ ist heute ein ganzer Abend in Halbe gewidmet. Veranstaltet wird er vom lokalen „Aktionsbündnis gegen Heldengedenken und Naziaufmärsche in Halbe“ und dem landesweiten „Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“. Der Termin ist wohl gewählt, denn für den Vortag des Volkstrauertages organisierten die Aktionsbündnisse gemeinsam mit vielen Partnern jahrelang Demonstrationen gegen Rechtsextremismus. Sie versuchten, mit friedlichen Bürgerfesten die nach der Wende einsetzende und zunehmende Vereinnahmung der Halber Kriegsgräberstätte Waldfriedhof durch Rechtsextreme einzudämmen.

Vor zwei Jahren wurde die große Freiluftausstellung zur sogenannten Halber Kesselschlacht im Ort eröffnet. „Seit diese Stelen in Halbe sind, sind andere Bedingungen geschaffen worden“, sagt Arnold Mosshammer. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins des lokalen Aktionsbündnisses und hat als Jugendlicher die Kämpfe in der Region am Ende des Zweiten Weltkriegs miterleben müssen. Nun spürt er zunehmendes Interesse von Menschen, die den Waldfriedhof besuchen wollen und konzentriert die Stelen-Ausstellung, die bereits am Bahnhof des Dorfes beginnt und bis zum Eingang des Waldfriedhofs lotst, studieren.

Er geht auch selbst immer wieder mit Besuchergruppen zu den Stelen, zeigt die Fotos, erzählt. Aufmärsche oder gar „Heldengedenken“ Rechtsextremer gibt es heute in Halbe nicht mehr. Dennoch wollen die Mitglieder des Aktionsbündnisses zeigen, dass sie nach wie vor aktiv bleiben. Im vergangenen Jahr wurde das einstige Demokratiefest erstmals zu einem kulturellen Abend umfunktioniert. Es sei ihm wichtig, über die Kunst auch politische Inhalte zu transportieren, sagt Organisator und Moderator Jens Wollenberg. „Aber ich will nicht dogmatisch sein“, ergänzt er. Tucholsky mit seinen oft bissig-satirischen Texten eigne sich wunderbar. „Das ist eine Widerspiegelung der Zeitumstände. Und man kann immer etwas lernen.“

Dafür hat er sich eine bewährte Runde zusammengestellt. Geleitet wird sie von dem früher an vielen Berliner Bühnen und im Fernsehen präsenten Schauspieler Bernd Kummer, der für sein Engagement als Regisseur einer aus nichtbehinderten und behinderten Darstellern bestehenden Theatergruppe der Fürst-Donnersmarck-Stiftung mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet worden ist. Seit zwölf Jahren schon arbeitet Kummer mit Tobias Bartholmeß zusammen. Der Pianist lehrt an der Berliner Universität der Künste und tritt unter anderem an der Neuköllner Oper auf. Mit Klaus Weiger und Adriane Rimscha probt er nun für den Auftritt, der um 17 Uhr im Bürgertreff beim Edeka-Markt beginnt. Das Bühnenbild schuf Susanne Thäsler-Wollenberg.

Während der Generalprobe ist auch Arnold Mosshammer dabei, Eckart Köthe vom Förderverein der Dankeskirche baut die Technik auf, auch der stellvertretende Halber Bürgermeister Michael Schnieke schaut kurz vorbei. „Soviel Unterstützung wie in Halbe kriegen wir nirgends“, sagt der in Schulzendorf lebende Wollenberg begeistert. Gerade in Halbe das Tucholsky-Programm aufführen zu können, ist ihm sehr wichtig. Er hat die Aktivitäten im Ort gegen Rechts schon vor Jahren begleitet, selbst in Halbe auch mal einen Kurzfilm mit Jugendlichen gedreht.

Das lokale Aktionsbündnis, dem Vertreter der demokratischen Parteien angehören, Vereine wie der Bikut sowie Vertreter der Gemeinden des Schenkenländchens, Jugendkoordinatorin Madlen Langer und Pfarrer Jürgen Behnken, bleibt aktiv. „Wir agieren nun eben mehr im Sinne der Demokratie und Völkerverständigung, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“, sagt Arnold Mosshammer. Konkret heißt dies, dass sich die Mitglieder auch in der Flüchtlingshilfe Schenkenländchen engagieren, versuchen, die Bürgermeister der Kommunen einzubeziehen, beim Spenden sammeln und in der Kleiderkammer helfen. Sie kooperieren auch mit dem Förderverein der Kirche, der für den 3. Advent einen Markt plant, bei dem einige der 250 in Massow und Egsdorf lebenden Flüchtlinge dabei sein werden.

„Unsere Tätigkeiten sind jetzt vielgestaltig in den Bereichen der Integration“, erklärt Mosshammer zu diesen neuen Aufgaben des Aktionsbündnisses. Tucholsky sei ein Vorbild, ein Demokrat, der sich eingesetzt hat, sagt er auch. Für ihn und seine Mitstreiter ist es wichtig, auch mit einem solchen Kulturprogramm ein deutliches Zeichen zu setzen. Der Eintritt ist übrigens frei.

Von Karen Grunow

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