Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Mit den Abrafaxen nach Jüterbog

Comichelden Mit den Abrafaxen nach Jüterbog

Drei der bekanntesten Comichelden Ostdeutschlands reisen wieder durch die Geschichte: In ihrem neuesten Abenteuer landen sie in der Reformationszeit – und kommen dabei auch nach Jüterbog. Außerdem treffen sie auf Martin Luther und den Ablasshändler Tetzel.

Voriger Artikel
Handgreiflicher Streit unter Syrern
Nächster Artikel
„Wir müssen die Probleme offen besprechen“

Zeichenstrich für Zeichenstrich entstehen in der Mosaik-Werkstatt die Geschichten und Figuren.

Quelle: Mosaik Verlag

Jüterbog. Einem Ostdeutschen zu erklären, wer die Abrafaxe sind, hieße einem Brandenburger zu sagen, wer der Soldatenkönig oder der Alte Fritz waren. Die drei Wackeren, Abrax, Brabax und Califax, sind seit 40 Jahren Helden der Comiczeitschrift Mosaik und bestehen seitdem Abenteuer in der Weltgeschichte. Sie sind die Nachfolger der legendären Digedags, die von 1955 bis 1975 im Mosaik auch schon auf allen Kontinenten unterwegs waren.

Die Abrafaxe erleben nunmehr in bislang 482 Heften Raum-, Zeit- und Epochensprünge in liebevoll gezeichneten Bildern. Zuletzt waren sie im antiken Rom. In dem in dieser Woche erschienenen neuen Heft reisen sie durch einen Bergwerkstunnel in das deutsche Mittelalter. Sie landen in der Reformationszeit – und damit in der Region, letztlich in Wittenberg bei Luther. Aber um zu dem zu gelangen, führt kein Weg am Ablasshändler Tetzel und damit an Jüterbog vorbei.

Vor gut 500 Jahren ging dieser Weg in die Geschichte ein. Viele Wittenberger gelangten auf ihm zum Dominikanermönch Johann Tetzel nach Jüterbog und kehrten mit Ablassbriefen zurück. Das waren Zettel mit päpstlichem Siegel, mit denen sich der Sünder von seinen Schandtaten freikaufen konnte und ihm so angeblich die Qualen der Vorhölle erspart blieben.

Tetzel war zunächst für den Deutschen Ritterorden im Ablasshandel tätig. In Innsbruck wurde er wegen Ehebruchs und Spielbetrugs zum Tode durch Ertränken verurteilt, wovor ihn Kurfürst Friedrich von Sachsen bewahren konnte. 1516 ernannte das Bistum Meißen Tetzel zum Subkommissar beim Ablasshandel für den Bau der Peterskirche in Rom.

In gleicher Mission, aber nun als General-Subkommissar, war er ab 1517 auch in Jüterbog. Um die Menschen zum Ablasskauf zu bewegen, ließ Tetzel einen Teufel auf den Ablass-Kasten malen, der die armen Seelen im Fegefeuer quält. Darüber stand geschrieben: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“ Wohl jeder Jüterboger kennt den Spruch. Noch heute steht in der Jüterboger Nikolaikirche der sogenannte Tetzelkasten, ein gewaltiges Holzteil mit einem großen Schlitz ähnlich einer Sparbüchse zum Einwurf der Sündengelder. Tetzels Wirken und der Missbrauch des Ablasses war auch der Anlass dafür , dass der Augustinermönch Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche Wittenberg nagelte – dies markiert den Beginn der Reformation.

Jüterbog ist einer der wichtigsten Schauplätze der Reformation. Die Abrafaxe kreuzen in den kommenden Monaten auf diesem auf. Allerdings werden die Macher des Mosaiks die Geschichte nicht so simpel darstellen, dass die 95 Thesen an die Kirchentür geschlagen wurden – und fertig war die Reformation. Geschichtliche Ereignisse als Teil einer Kultur oder als Teil der Geschichtsschreibung werden auch anhand fiktiver Charaktere gezeigt, weil die Mosaik-Leute erkannt haben, dass sich Figuren wegen ihres zu engen historischen Korsetts eher selten als Hauptfiguren für Abrafaxe-Abenteuer eignen. So beginnt das gerade erschienene erste Heft „Der den Teufel an die Wand malt“ mit der Figur des Michael Drachstedt, der ein wenig stellvertretend für den jungen Luther steht.

Neben Tetzel und Luther wird bei den neuen Abenteuern der Abrafaxe auch Lucas Cranach der Ältere eine herausragende Rolle spielen, der ebenfalls mit Jüterbog zu tun hat. In der Jüterboger Nikolaikirche ist seit Ende vergangenen Jahres wieder der Seitenflügel des Cranach-Altars zu sehen. Er hat eine ebenfalls 500-jährige Geschichte. Der Altar wurde zwischen 1515 und 1520 in der Cranach-Werkstatt in Wittenberg gefertigt. Dort waren Lucas Cranach, der Jüngere wie der Ältere, aber auch andere Künstler am Werk.

Cranach wird in den Abrafax-Geschichten wie zu Lebzeiten dominiert von seiner geschäftstüchtigen Gemahlin Barbara, die wohl Einfluss darauf hatte, dass fast alle Luther-Bilder von ihm stammen. Sie zeigen den Reformator in der zweiten Lebenshälfte als Schwergewicht seiner Epoche, zu dem ihn seine Ideen und das gute Essen gemacht hatten. In der Serie werden auch andere „Promis“ ihrer Zeit auftreten, mit denen die Autoren und Zeichner selbst manche Überraschung erlebten, wie sie jetzt in ihrer Denk- und Zeichenwerkstatt in Berlin-Westend erzählten.

So, dass der große Professor Melanchthon einen Sprachfehler hatte und so klein war, dass er von den Studenten für einen der ihren gehalten wurde. Predigte er allerdings oben auf seiner Kanzel, war er ein Großer. Und dann war da der umtriebige Johann Tetzel, dem es verboten war, in Wittenberg zu predigen und seine Ablasszettel zu verhökern und es deshalb im nahen Jüterbog tat. Daraufhin pilgerten die Bürger zuhauf dorthin, um sich von ihren Sünden loszukaufen.

Jeden letzten Mittwoch im Monat gibt es nun im neuen Mosaik-Heft ein vergnügliches Nach-Lesen mit gezeichneten Geschichten unserer Geschichte. Die des Mittelalters und der Reformationszeit ist spannend. Abgesehen davon, dass die Ereignisse aus dieser Zeit bis in unsere wirken – zum Beispiel durch die Bedeutung von Luthers Bibelübersetzung für die Entwicklung der hochdeutschen Sprache – so erzählen die Macher des Mosaik neben den „Thesen-Hammerschlägen“ Luthers, die ein Dröhnen in der Geschichte auslösten, liebevoll von vielen kleinen Dingen des Alltagslebens jener Zeit. Sie klingen sehr vertraut, und zugleich fremd und bizarr.

Die Idee, Luther bei seinen epochalen Taten unter die Arme zu greifen und die Abrafaxe in die Reformationszeit reisen zu lassen, entstand vor zwei Jahren. Der Anstoß kam von der Chefin der Staatlichen Geschäftsstelle „Luther 2017“ in Wittenberg, Astrid Mühlmann, dass dies die Idee für die neue Mosaik-Serie wurde.

Über wie viele Hefte die Abrafaxe-Reise in die Reformationszeit gehen wird, verraten die Macher nicht. „Mindestens bis zum Ende des Luther-Jahres 2017“, sagt Jens U. Schubert, der Autor der intelligenten Comics. Er will für die weiteren Geschichten noch weiter über die historischen Figuren vor Ort, so in Jüterbog, recherchieren: „Die Stadt ist mehr als eine Reise wert. Wir werden dort auch noch mal auf Spuren- und Geschichtensuche gehen.“

Das sieht der Tourismusverband Fläming auch so. In seinem Konzept für das Reformationsjubiläum sollen Touristen die Bedeutung der Reformation künftig zu Fuß, per Rad und sogar mit der Draisine Jüterbog erkunden. Das neue Konzept wird auf der Internationalen Tourismusbörse Anfang März in Berlin vorgestellt.

Von Ulrich Rochow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg