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Mitnahme von Geweihen ist Wilderei

Luckenwalder vor Gericht Mitnahme von Geweihen ist Wilderei

Jedes Frühjahr entledigen sich die Hirsche ihrer prächtigen Geweihe, weil dann wieder neue nachwachsen. Das, was sie im Wald liegen lassen, nennt man „Abwurfstangen“. Sie gehören dem Waldbesitzer oder Jagdpächter. Wer sie unerlaubt mitgehen lässt, begeht laut Gesetz Wilderei. Deswegen stand jetzt ein junger Mann vor dem Kadi.

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Quelle: dpa

Luckenwalde. Der Wald lockt nicht nur Jäger, sondern auch Sammler. Doch außer vielleicht ein paar Pilzen oder Beeren sollte man ohne Erlaubnis des Waldbesitzers oder des Jagdpächters nichts aus dem Wald heraustragen. Holz schon gar nicht und erst recht auch keine Abwurfstangen. Denn das könnte als Wilderei geahndet werden.

Und vielleicht sollte man sich auch nicht mit den gefundenen Abwurfstangen, die der Laie gemeinhin als Hirschgeweih bezeichnet, abbilden lassen und das auch noch auf Facebook posten. Denn das könnte als Beweismittel dienen – oder auch nicht.

Der Angeklagte wusste, was er tat

Am Mittwochmorgen stand Armin O., ein aus Luckenwalde stammender 24-jähriger Mann, vor dem Amtsgericht seiner Heimatstadt, weil ihm vorgeworfen wurde, in den Wäldern bei Wahlsdorf, Petkus und Schlenzer zehn Abwurfstangen des Rotwildes entwendet zu haben, obwohl er sich dessen bewusst war, dass dies nicht erlaubt ist und als Wilderei gilt.

Der inzwischen in Bayern lebende Gerüstbauer räumte ein, dass er sich mit zwei Jagdkumpeln vom 7. bis zum 10. März 2016 in einer Pension in Wahlsdorf eingemietet hatte. An einem Tag – es muss der 8. März gewesen sein – sei er mit seinen Freunden auch im Wald unterwegs gewesen – unbewaffnet, also nur so zum Spazierengehen, ansonsten aber nicht. Dabei sei man auf drei Abwurfstangen gestoßen, die man mitgenommen und später dem Jagdpächter Manfred K. übergeben habe. „Herr K. meinte, dass sich das damit erledigt habe“, sagte der Angeklagte aus, „und dann kam dann doch ein Schreiben der Polizei.“ Und: Von zehn Stangen sei nie die Rede gewesen.

Facebook-Foto angeblich schon älter

Was es denn mit dem Internet-Foto auf sich habe, wollte die Richterin wissen, das den Angeklagten mit drei prächtigen Abwurfstangen bei Facebook als Profilbild zeige. „Das war schon vorher in Bayern“, antwortete Armin O. Die abgebildeten Stangen habe er legal erworben. „Und wofür braucht man sowas?“, fragte die Richterin. „Als Deko für zuhause“, meinte O. Was so etwas wert sei, wisse er nicht. „Ich habe sowas noch nie verkauft und hatte es auch nicht vor“, beteuerte er.

Zeuge spricht von zehn entwendeten Abwurfstangen

Das Foto auf Facebook habe der Angeklagte am Tag nach der Rückgabe der Abwurfstangen an ihn gepostet, meinte dagegen der Jagdpächter Manfred K., der später im Verlauf der Verhandlung in den Gerichtssaal gerufen wurde. Der 68-jährige Rentner berichtete, wie er den jungen Mann damals zur Rede gestellt habe: „Ich habe ihm gesagt, dass es sich dabei um Wilderei handelt. Das hat er auch verstanden.“ Dann habe ihm der Stangensammler drei oder vier Abwurfstangen ausgehändigt, womit die Sache „intern“ geregelt sein sollte. „Doch am nächsten Tag habe ich mitgekriegt, dass er auf Facebook ein Foto gestellt hat, das ihn mit den Stangen zeigt und sich über mich lustig macht. Das muss ich mir als gestandenem Jäger nicht gefallen lassen.“ Deshalb habe er auch im Namen anderer Jagdpächter, in deren Revieren der Angeklagte auch unterwegs gewesen sei, doch angezeigt.

„Wie kriegt man das denn mit?“, wollte die Richterin wissen. „Das kriegt man im Dorf mit“, stellte der Zeuge fest. Richterin: „Wie kommen Sie auf zehn Stangen?“ Zeuge: „Das haben wir so eingeschätzt.“ Richterin: „Und woher wissen Sie, dass das Foto erst am nächsten Tag bei Facebook erschienen ist und nicht schon vorher da war?“ Zeuge: „Keine Ahnung. Ich bin nicht bei Facebook. Das haben mir Leute gesagt, die bei Facebook sind.“

Alles aus der Welt nur nicht bei Facebook

Angesichts der etwas unkonkreten Aussagen des Zeugen unterbrach die Richterin die Verhandlung und schickte alle Beteiligten raus, um sich mit dem Staatsanwalt zu beraten. Dann rief sie nur den Angeklagten herein. Und schließlich alle Beteiligten. Ihnen verkündete sie die Entscheidung des Gerichts, das Verfahren einzustellen. Der Angeklagte zahle eine Buße von 100 Euro an die Rettungshundestaffel der Johanniter. Damit sei die Sache aus der Welt.

Doch nicht bei Facebook. Dort findet man das Foto von Armin O. mit drei prächtigen Geweihteilen in einem Kiefernwald. Daneben steht: „Profilbild geändert am 10.03.2016“.

Von Hartmut F. Reck

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