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Zu Besuch im Dorf von Silvio S.

Mord an Elias und Mohamed Zu Besuch im Dorf von Silvio S.

Am Freitag hat der 32-jährige Silvio S. gestanden, Elias aus Potsdam und Mohamed aus Berlin umgebracht zu haben. Besonders groß darüber ist das Entsetzen in Kaltenborn, einem Ortsteil von Niedergörsdorf. Denn dort hat S. zuletzt im Haus seiner Eltern gelebt. Wir haben uns dort umgesehen und umgehört.

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In Kaltenborn, dem Ort, in dem Silvio S. lebte, ist das Entsetzen über die Tat groß.

Quelle: Julian Stähle

Niedergörsdorf. „Der Ort, wir alle sind genauso betroffen wie jeder, der von der Tat erfahren hat“, sagt Christian Laiblin, Ortsvorsteher in Kaltenborn. Gestern war dort Silvio S. festgenommen worden, der mutmaßliche Mörder von Mohamed und Elias. Aus Respekt vor den toten Kindern, deren Eltern und auch vor den Eltern des Täters will er nicht über mögliche Motive spekulieren. Christian Laiblin, selbst Vater von vier Kindern, weiß, wie schwer es manchmal ist, sich in deren Motive hineinzudenken. „Schwer muss es auch für Eltern die Erkenntnis sein, welche Taten der eigene Sohn begangen hat“, sagt Laiblin. Er hat vor, den Eltern der Mordopfer sein Mitgefühl zu zeigen, sieht es aber auch als seine Verantwortung an, sich um die Eltern des Täters zu kümmern. Eine Verwandte hat er besucht und den Eltern das Gespräch angeboten.

Silvio S. hat sich nicht an gemeinsamen Dorfaktionen beteiligt

In dem Niedergörsdorfer Ortsteil Kaltenborn herrscht ein gutes Klima, „ein toller Zusammenhalt“, so sieht es der Ortsvorsteher. „Die Eltern waren Mitglied der Dorfgemeinschaft.“ An gemeinsamen Aktionen habe sich Silvio S. wegen seiner Schichtarbeit nicht beteiligt. Christian Laiblin beschreibt ihn als unauffällig und freundlich. Im Ort versucht man Erklärungen für die schrecklichen Taten zu finden, so wie anderswo auch. Die Nachbarn stehen untereinander in Kontakt und sind sich einig, dass der Ortsvorsteher nicht über mögliche Motive spekuliert.

Silvio S.s Familie wirkte auf viele Bewohner harmonisch

„Ich kann das gar nicht fassen“, sagt die 22-jährige Lucy Lasser, die direkt gegenüber wohnt, am Freitag. „Das war immer ein ruhiger und freundlicher Mensch.“ Niemals wäre sie darauf gekommen, dass ihr Nachbar der gesuchte Kindermörder sein könnte. „Auf diesen Phantombildern oder diesen Pixel-Aufnahmen hätte ich ihn nie erkannt.“

Ein scheuer Einzelgänger sei der 32-Jährige gewesen, sagt sie. „Er hat immer nachts gearbeitet und hatte, soweit ich weiß, kaum soziale Kontakte. Er war meist zu Hause.“ Abends sei er häufig mit seinen Eltern zum Essen gegangen. „Auf mich wirkten die immer wie eine harmonische Familie“, meint sie.

In Kaltenborn, einem kleinen Ortsteil von Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) mit rund 80 Einwohnern, kümmere man sich nicht so viel um die Nachbarn, sagt Lasser. „Hier wohnen ja fast nur noch alte Leute“, sagte die 22-Jährige.

Erschütterte Dorf-Bewohner

Auch bei den Bewohnern im Pflegeheim von Niedergörsdorf sind die Verbrechen das Thema des Tages. „Sie verfolgen das im Radio und sind sehr erschüttert“, erzählt ein Mitarbeiter. „Sonst passiert das immer ganz weit weg - und jetzt mitten hier bei uns in der Gemeinde.“ Die Bewohner könnten das kaum fassen.

So geht es auch einem 32-jährigen Vater aus Niedergörsdorf, der seinen dreijährigen Sohn Till auf dem Arm hält. „Das ist grauenhaft, das kommt einem jetzt so nah“, sagt er.

Pfarrerin beschreibt Stimmung als „Schockstarre“

Betroffen äußerte sich auch die Pfarrerin der Gemeinde Niedergörsdorf. „Ich kenne die Familie nicht“, sagte Ines Fürstenau-Ellerbrock. In ihrer Gemeinde herrsche im Moment „Schockstarre“, beschreibt sie ihre Empfindungen. In der Niedergörsdorfer Kirche habe sie bereits eine Kerze für den kleinen Mohamed angezündet. Das hat sie auch in Kaltenborn vor, „einen Ort des stillen Gedenkens“ einzurichten. Doch das wird sie erst dann tun, wenn die vielen Kameras wieder weg sind.

Von Martina Burghardt und MAZonline

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