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Teltow-Fläming Moses, Jesus, Weißenberg
Lokales Teltow-Fläming Moses, Jesus, Weißenberg
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21:50 25.04.2016
Das Gemeindehaus der Johannischen Kirche in Blankensee Quelle: Gunnar Pommerening
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Dahmeland-Fläming

Von allen christlichen Kirchen in der Region ist die Johannische wohl die ungewöhnlichste: Keine Hierarchien, keine aktive Missionsarbeit und ein Religionsstifter, der Menschen angeblich durch Handauflegen heilte. Kein Wunder, dass die Anhänger von Joseph Weißenberg weder bei der katholischen noch bei der evangelischen Kirche sonderlich gut gelitten sind. Aber mit ihrer Botschaft von Liebe und Achtsamkeit machten sich die „Weißenberger“ auch bei den Nazis verdächtig (siehe Infokasten). Erst seit der Wende wird die Siedlung Friedensstadt in Trebbin langsam wieder zu dem, was sie immer sein sollte: Das Zentrum der Johannischen Kirche.

„Wir folgen zwar auch dem christlichen Missionierungsgebot, aber wir lassen lieber unsere Taten sprechen“, sagt Rainer Gerhardt, der in der Johannischen Kirche die Wochenzeitung „Weg und Ziel“ herausgibt und selbst in der Trebbiner Friedensstadt lebt. „Offensives Missionieren ist uns wesensfremd, weil es Druck und Angst erzeugt“, sagt er bei einem Spaziergang über das Gelände, das sich in den Ortsteilen Glau und Blankensee über etwa 70 Hektar erstreckt. „Der freie Wille ist Grundfeste unseres Glaubens.“

Zwei Drittel der Friedensstadt-Bewohner in der Johannischen Kirche

Zur Überzeugung durch gute Taten gibt es in der Friedensstadt – Spötter sagen auch, viel Friede, wenig Stadt – reichlich Gelegenheit. Nur gut zwei Drittel der etwa 420 Bewohner gehören zur Johannischen Kirche. Der „rechte Glaube“ ist keine Voraussetzung, um in der Siedlung leben zu können: „Hier sind alle Menschen willkommen, die Friedensstadt ist kein Ghetto“, sagt Rainer Gerhardt. Seit den 1990er-Jahren sind vermehrt Menschen zugezogen, die mit der Kirche gar nichts zu tun haben. „Aber wir freuen uns natürlich, wenn Leute sich im Ort engagieren und laden auch dazu ein.“

Gute Nachbarschaft und das Achten aufeinander seien die praktische Konsequenz aus der Botschaft Weißenbergs, die Grenzen zwischen den Menschen durch die Liebe zu überwinden. „Vor Kurzem ist eine ältere Dame hergezogen, weil sie gehört hatte, dass Mönche hier ein Altersheim gebaut hätten “, sagt Rainer Gerhardt und lacht herzhaft bei dem Gedanken. „Aber diesen guten Ruf muss man sich als Kirche auch erstmal verdienen.“ Manche der Andersgläubigen oder konfessionslosen Neuankömmlinge hätten sich durch das gute Zusammenleben und die Aktivitäten in der Kirchengemeinde tatsächlich gewinnen lassen. Und auch in der Umgebung sind die Weißenberger beliebt und geschätzt: Die Ortsvorsteher von Glau und Blankensee gehören beide zu der Kirche.

Kirche zählt etwa 3000 Mitglieder

Etwa 3000 Mitglieder zählt die Kirche, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist, in ganz Deutschland. Der als Katholik geborene und später zur evangelischen Kirche übergetretene Schlesier Joseph Weißenberg gründete die „Evangelisch-Johannische Kirche nach der Offenbarung St. Johannes“ im Jahr 1926 – freilich ohne die Zustimmung der evangelischen Kirchen. Die Friedensstadt war von Anfang an zen-traler Bestandteil. „Weißenberg wollte hier die Rahmenbedingungen schaffen, unter denen Menschen seiner Lehre auch tatsächliche folgen können“, erklärt Rainer Gerhardt. In einer anonymen Großstadt ist es bekanntlich nicht weit her mit der Achtsamkeit für die Mitmenschen.

Das Besondere – und für Außenstehende wohl Befremdlichste – ist der Glaube der Anhänger an die Heilkräfte Weißenbergs. Für sie steht ihr Religionsstifter darum in einer Reihe mit Moses und Jesus. Schon im Alter von drei Jahren soll der Sohn eines Tagelöhners seine erste Heilung durch Handauflegen bewirkt haben. Diese Heilertätigkeit bildet bis heute die Grundlage der Gemeinschaft: „Fast jedes unserer Mitglieder hat jemanden in der Familie, der von Weißenberg geheilt wurde“, sagt Gerhardt. Und so vererbt sich die Zugehörigkeit zur Johannischen Kirche quasi durch Geburt.

Weißenberger haben freiheitliche Haltung

So auch im Falle von Meiko Röper. Der 24-Jährige hat erst im November die Leitung des Lebensmittelgeschäfts in der Siedlung übernommen. „Ich war früher schon öfter in den Sommerferien hier, es war immer mein Traum, mal in der Friedensstadt zu leben“, sagt der gebürtige Hamburger, der mit seinen Eltern in Bayern aufgewachsen ist. Seine Mutter gehörte schon immer zur Johannischen Kirche, später auch sein Vater. Beseelt wirkt der junge Mann aber vor allem von seinen Plänen für den Bio-Laden: „Essen und trinken was schmeckt, das ist ja ein Credo von Weißenberg“, sagt Röper. „Aber gut sein darf es schon.“

An die neue Umgebung musste er sich freilich erstmal gewöhnen. Dabei steht es in der Friedensstadt jedem frei, in welchem Maße er sich einbringen will. Das passt zur freiheitlichen Haltung der Weißenberger, bei denen es keine Bischöfe oder andere Autoritäten gibt, bei denen jeder – und jede – Prediger werden kann und die auch Homosexualität nicht verteufeln. Ganz ohne Einsatz ist die Zugehörigkeit freilich nicht zu haben: „Wir haben schon ein aktives Glaubensverständnis“, sagt Rainer Gerhardt. „Regelmäßige Gebete und die Teilnahme an den Gottesdiensten gehören dazu.“

Von Martin Küper

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