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Teltow-Fläming Mulitmedia-Center bildet Menschen mit Beeinträchtigungen aus
Lokales Teltow-Fläming Mulitmedia-Center bildet Menschen mit Beeinträchtigungen aus
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14:15 08.10.2016
Ausbilderin Carola Golenz und Arbeitspädagoge Daniel Knaust (r.) sind stolz auf das, was Frank Eisermann leistet. Quelle: Frank Pechhold
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Wünsdorf

Arbeit und Ausbildung für Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen: Das gibt es im Multimedia-Center der Wünsdorfer Werkstätten. Dort geben sechs berufserfahrene Lehrkräfte und Betreuer den 53 Frauen und Männern das gute Gefühl, gebraucht zu werden.

Erst mal Struktur in den Alltag bringen

„Viele müssen erst einmal wieder Struktur in ihren Alltag bringen und einen Grund haben, morgens aufzustehen“, sagt Carola Golenz, Mitarbeiterin im Berufsbildungsbereich. Aber die meisten merken sehr schnell, „dass der Kopf nicht nur zum Haare kämmen da ist, sondern dass auch noch ein bisschen was rein passt“. So war es auch bei Frank Eisermann, der sich Wissen in Sachen Lagerhaltung aneignet. „Als Frank vor einem Jahr zu uns kam, war er ziemlich weit unten. Wir waren hier für ihn eine Auffangstation“, blickt Golenz zurück. Wegen schwerer Depressionen und seiner Alkoholsuchterkrankung bezog der gelernte Einzelhandelskaufmann zeitweise Erwerbsunfähigkeitsrente. Bis ihm Ärzte „Werkstattfähigkeit“ bescheinigten. Kurz vor seinem Ausbildungsstart im Multimedia-Center zog er in eine Wohngruppe des Christlichen Sozialwerks Ichthys in Blankenfelde-Mahlow ein. Für Frank Eisermann geht es in erster Linie darum, trocken zu bleiben und einen Arbeitsplatz zu haben, an dem Alkohol tabu ist. „Draußen habe ich erlebt, dass sich jemand fünf Meter von meinem Computer entfernt ein Bier aufgemacht hat.“

Im Multimediacenter der Wünsdorfer Werkstätten: Christian Steffen aus Ludwigsfelde, Manuel Dost aus Zossen und Mirko Stache aus Ludwigsfelde (v.l.). Quelle: Pechhold

„Bei uns hat Frank eine Riesenentwicklung gemacht“, sagt Carola Golenz. Er habe geradezu nach Aufgaben und Anerkennung gehungert. Ungefragt stellte er einen besseren Ablaufplan für die Essenausgabe in der Küche des Multimedia-Centers auf. Weiter gab er zeitweise Gitarrenunterricht, spielt in der Hausband „Quiet sleep“ Schlagzeug und engagiert sich als Suchthelfer in seiner Kirchengemeinde. „Was Frank in diesem einen Jahr geleistet hat, ist wirklich Wahnsinn“, sagt Golenz. Anfangs habe er nur von Montagfrüh bis Montagmittag gedacht. „Heute denkt Frank von Januar bis Dezember. Und da ist er nicht der Einzige.“

Beschäftigte ziehen sich gegenseitig nach oben

Viele der im Bildungs- beziehungsweise Arbeitsbereich Beschäftigten ziehen sich gegenseitig wie an unsichtbaren Seilen nach oben. Bereits seit 2007 kommt Manuel Dost aus Zossen zur Arbeit. „Ich habe Baumetallmaler gelernt und draußen nichts mehr gekriegt, weil ich wegen meiner geistigen Beeinträchtigung einfach zu langsam für den Beruf war.“

„Wir sind froh, dass wir hier sein dürfen und Arbeit haben“, sagt Christian Steffen aus Ludwigsfelde. Draußen auf dem ersten Arbeitsmarkt gibt’s für uns leider nichts mehr zu tun.“ Der gelernte Gärtner hatte wegen schwerer Depressionen nach etlichen Klinikaufenthalten einfach nicht mehr die Kraft, seinen Beruf auszuüben. Gemeinsam mit seinen Kollegen montiert er in Wünsdorf beispielsweise kleine Metallteile, mit denen Monteure die Steuerung eines Aufzugs blockieren, um ihn gefahrlos reparieren zu können. Auftraggeber für jährlich bis zu 60 000 Stück dieser europaweit gefragten Einwegteile ist die Klausdorfer Firma „ETB electronic“.

Auch kleine Druckaufträge werden erledigt

„Wir müssen immer gucken, dass wir Arbeit finden, die unsere Leute bewältigen und mit der wir das Geld verdienen, das wir ihnen auszahlen“, sagt Mario Zeyner. Er leitet den Multimedia-Bereich. Dort werden auch kleine Druckaufträge erledigt, bestellen etwa die Handballer des MTV Wünsdorf Plakate. Bei Auflagen von 20 000 bis 30 000 Stück arbeitet man mit der auf dem Gelände des Asklepios Fachklinikums Teupitz angesiedelten Firma „Geesenberg Druck“ zusammen.

„Wer aus unserem Berufsbildungsbereich nicht auf den ersten Arbeitsmarkt wechseln kann, der darf theoretisch bis zum Rentenalter im Arbeitsbereich bleiben“, sagt Arbeitspädagoge Daniel Knaust. Bei chronisch kranken Menschen sei die Rückkehr in das normale Berufsleben wegen der damit verbundenen Belastungen sehr schwierig, so Knaust. „Ein Übergang in den ersten Arbeitsmarkt pro Jahr ist schon sehr viel.“

Von Frank Pechhold

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