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Musik, Tanz und Kopftuchberatung

Ludwigsfelde Musik, Tanz und Kopftuchberatung

Das erste Brückenfest in Ludwigsfelde, das nicht mehr unter der Autobahnbrücke stattfand, war ein voller Erfolg. Unter anderem zeigte der Kinder-Singekreis der Evangelischen Kirche ein Musical – und ein junger Mann aus Syrien erläuterte Hintergründe zum Kopftuch.

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Die Kinder vom Singkreis der Evangelischen Kirche St. Michael führten das Musical „Esther - Königin von Susa“ auf.

Quelle: Stephan Laude (3)

Ludwigsfelde. Das Ludwigsfelder Brückenfest kommt auch hervorragend an, wenn es nicht unter der Autobahnbrücke stattfindet, sondern daneben, im Aktiv-Park. Wie berichtet, war in diesem Jahr ein Ortswechsel nötig. Grund sind die Bauarbeiten für das neue Stadtzentrum. Außerdem trägt das Brückenfest nicht nur wegen seines bisherigen Standortes seinen Namen, sondern weil es auch Brücken bauen will zwischen den Ludwigsfeldern, denen, die schon lange in der Stadt leben, und denen, die neu sind, Geflüchteten zum Beispiel. Es gab also kulturelle Angebote aus vielen Teilen der Welt. Und sie fanden viel Beifall.

Singe-Kreis der Kirchengemeinde zeigt Ester-Musical

Auch in der Evangelischen St.-Michael-Kirche durfte diesmal geklatscht werden. Pfarrer Bernd Dechant hatte extra darauf hingewiesen. Die Kinder des Singkreises führten am Samstagnachmittag ihr Publikum mit dem Musical „Esther – Königin von Susa“ ins sechste Jahrhundert vor Christi an den persischen Hof. Rund vierzig Kinder haben mitgewirkt. Vier Tage hatten sie Zeit, das Stück einzustudieren – das Ergebnis überzeugte.

Emad aus Syrien zeigt Hiyam ein Kopftuch

Emad aus Syrien zeigt Hiyam ein Kopftuch

Quelle: Stephan Laude

Auch der 21 Jahre alte Emad macht Musik. Vor allem aber war der junge Mann, der vor neun Monaten als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland kam, als Kopftuchexperte auf dem Fest. Emad hatte schon in seiner Heimat und auch in Jordanien Frauen zu dem Thema beraten. Für ihn ist wichtig: Es handelt sich beim Kopftuch, um dessen Aussagekraft sich in Europa Politiker und Gerichte unermüdlich den Kopf zerbrechen, nicht nur um ein religiöses Symbol, sondern auch um ein modisches Accessoire, es sei Teil der Kultur. Die Verbreitung ist sehr unterschiedlich. So wird in Syrien kein Kopftuch verlangt. Die Frauen, die eins tragen, wählen in der Regel den Hijab, so wie Hiyam, die in Syrien ein Journalismus-Studium begonnen hatte, bevor sie über die Türkei flüchtete und schließlich nach Ludwigsfelde kam. „Der Hijab ist keine Waffe der Unterdrückung“, sagt die 23-Jährige. Sie trägt ihn, seit sie 14 Jahre alt ist und hatte deshalb nie Probleme. Jetzt in Europa habe sie allerdings feststellen müssen, dass er für viele muslimische Frauen ein Hindernis geworden ist, bei der Suche nach Arbeit zum Beispiel.

Kopftücher gab es bis in die 1950er Jahre auch in Deutschland

Daria Brandenburg, die sich ehrenamtlich um Geflüchtete in Ludwigsfelde kümmert, verweist darauf, dass bis in die 1950er Jahre auch sehr viele Frauen in Deutschland Kopftuch trugen – und dass wie im Koran auch in der Bibel Kopfbedeckungen verlangt werden, Beispiel Erster Korintherbrief: „Urteilt für euch selbst: Ist es schicklich, dass eine Frau unverhüllt zu Gott betet?“

Die griechische Tanzgruppe Kalamata

Die griechische Tanzgruppe Kalamata

Quelle: (C) Stephan Laude

Dominierend auf dem Fest war aber nicht die Auseinandersetzung, sondern der Spaß, die Freude an Musik und Tanz. So bewies die Tanzgruppe aus der griechischen Stadt Kalamata, dass man mit Sirtaki wirklich jedes Publikum erreichen kann. Marion Krawielicki, eine der Fest-Organisatorinnen, freute sich über den Andrang beim Kinderschminken. Und der neue Standort des Festes? „Unter der Brücke war das Flair anders“, sagt sie. Bürgermeister Andreas Igel (SPD) kann sich aber gut vorstellen, das Fest auch künftig an seinem Ausweichstandort zu veranstalten, trotz der Belastung für den Rasen. In einem Aktiv-Stadt-Park solle man auch Aktivitäten stattfinden lassen, sagt Igel.

Das Trio Pulsario

Das Trio Pulsario.

Quelle: (C) Stephan Laude

Der Bürgermeister hatte sich das Konzert des Trios Pulsario angesehen – eine gute Entscheidung, die bedauerlicherweise nicht allzu viele Festbesucher getroffen hatten. Das Instrumentarium der Band umfasst Sitar, Keyboard und Schlagzeug. Die Musik passt in keine Schublade, aber „World Jazz Pop Punk“ ist immerhin der Versuch einer Einordnung. Das Trio war nicht zum ersten Mal auf dem Fest – aber vielleicht zum letzten Mal. Bei den Veranstaltern hieß es jedenfalls, bald werde man die Musiker nicht mehr bezahlen können – weil sie derzeit unglaublich im Kommen sind.

Für einen weiteren Höhepunkt des Ludwigsfelder Brückenfestes sorgte am Abend die kolumbianische Gruppe Mil Santos. Beim Tanz vor der Kirche ging richtig die Post ab.

Von Stephan Laude

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