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Musterklagen gegen Hauptstadtflughafen

Schmelzender Schallschutz am BER Musterklagen gegen Hauptstadtflughafen

Nur wer sich wehrt, hat auch eine Chance in den Genuss des Schallschutzes zu bekommen. Der Verband deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) will den Flughafen mit Musterklagen von seiner Ablehnungspraxis abbringen. Marco Havemann aus Blankenfelde hat bereits erfahren, wie es ist, wenn der versprochene Schallschutz von Jahr zu Jahr kleiner wird.

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Marco Havemann aus Blankenfelde will sich mit den vom Flughafen zugesagten Schallschutzmaßnahmen nicht abfinden.

Quelle: foto: Christian zielke

Blankenfelde. Jahrelang hatte Marco Havemann geglaubt, es würde schon nicht so schlimm werden, wenn der BER eines Tages eröffnet. Im Mai kam für den Blankenfelder das böse Erwachen. Seit die Flieger wegen der Sanierung der Nordbahn von der südlichen Piste starten und landen, ist es im Zentrum von Blankenfelde kaum noch auszuhalten. „Dass es so heftig wird, habe ich nicht erwartet. Vor allem die Landungen sind brutal“, sagt der 45-Jährige. Gut, dass der Flughafen für solche Probleme 750 Millionen Euro eingeplant hat. Wie viele seiner Nachbarn stellte auch Marco Havemann einen Antrag auf Schallschutz für sein Haus – mittlerweile zum dritten Mal. In der ersten Kostenerstattung von 2009 hätte der Flughafen sämtliche Fenster und Türen ausgetauscht. Seine Frau, eine Architektin, hatte damals schon Bedenken, ob die geplanten Maßnahmen den Lärm abhalten. Schutzmaßnahmen für den in den 1990er Jahren angebauten Wintergarten lehnte der Flughafen damals wie heute ab. Wie viele der Nachbarn wartete das Ehepaar ab. Nur nichts unterschreiben, sich nicht festlegen, lautete die Devise.

Doch wie viele Betroffene hat sich Marco Havemann getäuscht. Im Laufe der Zeit schmolzen die zugestandenen Schallschutzmaßnahmen regelrecht ab. Nur noch drei Fenster stehen ihm zu, dazu ein Lüfter fürs Schlafzimmer. Ein Einfamilienhaus in der Albrecht-Dürer-Straße, das seiner Frau gehört und das in den Vorjahren vermietet war, erkennt der Flughafen gar nicht an, weil die Räume dort angeblich zu niedrig sind. „Jahrelang haben dort Menschen gewohnt, nun heißt es plötzlich, dass man da gar nicht wohnen kann“, sagt der Frührentner. Seine Schwiegermutter Helga Schaffhausen, die genau gegenüber wohnt, hat noch Fenster aus DDR-Zeiten. Seit 1963 wohnt sie in dem Haus, doch so laut war es noch nie. „Mit Lebensqualität hat das nichts mehr zu tun“, sagt die 77-Jährige.

Am Beispiel Helga Schaffhausen und Marco Havemann lassen sich die Paradoxien des vom damaligen Flughafenchef Hartmut Mehdorn ausgerufenen „weltbesten Schallschutzes“ am BER gut erkennen. Beide wohnen in der Gagfah-Siedlung. In den 1930er Jahren entstanden in Blankenfelde hunderte dieser Doppelhäuser. Weil die fast alle nach dem gleichen Prinzip gebaut wurden, sollten sie aus Sicht des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) auch den gleichen Schallschutz bekommen. Der Verband hat schon vor längerer Zeit vorgeschlagen, ein Schallschutz-Musterhaus in der Gagfah-Siedlung zu schaffen, von dessen Ergebnissen die anderen profitieren. Das lehnt der Flughafen ab. „Für die Ermittlung des erforderlichen Schallschutzes ist neben dem Aufbau eines Gebäudes auch die Nutzung sowie Lage von entscheidender Bedeutung. Eine individuelle Betrachtung eines jeden Gebäudes ist daher notwendig“, sagt Flughafensprecher Lars Wagner und erteilt der Musterhaus-Idee in der Gagfah-Siedlung eine Absage. „Schade, dass sich der Flughafen diese Mühe nicht macht“, sagt Peter Ohm, der Präsident des VDGN. Deshalb will man ihn nun juristisch zu mehr Schallschutz zwingen. Im Mai hatte der VDGN Hausbesitzer aufgerufen, sich an Musterklagen gegen den Flughafen zu beteiligen. Diese richten sich gegen die Ablehnung von zu niedrigen Räumen, Wohnküchen und Wintergärten sowie gegen die Innendämmung der Räume. 330 Kläger müssen je 150 Euro aufbringen, bisher haben sich 50 Klagewillige gefunden. Ohm ist zuversichtlich, dass die notwendige Zahl bis nach den Sommerferien zusammenkommt. Nur auf gerichtlichem Wege lasse sich durchsetzen, dass die versprochenen 750 Millionen Euro tatsächlich bei den Betroffenen ankommen, sagt Ohm. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass alle, die sich wehren, mehr bekommen.“

Von Christian Zielke

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