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Nach Leerstand sehen Experten nun Wachstum

Städtebauförderung Nach Leerstand sehen Experten nun Wachstum

Die Expertengruppe „Städtebaulicher Denkmalschutz“ hat sich in Jüterbog, Kloster Zinna und Luckenwalde umgesehen. Die Fachleute mahnen zur Sicherung des Bestands und eigener Initiative bei Problem-Immobilien.

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Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg (l.) führte die Experten höchstpersönlich durch Luckenwalde.

Quelle: Margrit Hahn

Jüterbog/Luckenwalde. Zwei Tage lang hat sich die Expertengruppe „Städtebaulicher Denkmalschutz“ des gleichnamigen Bundesförderprogramms in dieser Woche Jüterbog, Kloster Zinna und Luckenwalde besehen – und ist voller Begeisterung. „Wir waren sehr beeindruckt von der Substanz dieser so gegensätzlichen Städte“, sagt Architekturkritiker Arnold Barnetztky aus Leipzig, der die Kommission gemeinsam mit dem Wiesbadener Kunsthistoriker Gerd Weiß leitet.

Deutliche Erfolge

„In Jüterbog sieht man die Erfolge des Programms seit 1991 besonders deutlich. Außerdem zeigt die Innenstadt in einer in Deutschland seltenen Dichte und Vollständigkeit ihre mittelalterliche Struktur“, schwärmt Bartetzky. In Luckenwalde sei „bemerkenswert, was dort in der Zwischenkriegszeit gebaut worden ist“, sagt Gerd Weiß, der einst Deutschlands höchster Denkmalpfleger war.

Nach Rundgängen durch Stadtkerne und Siedlungen tagte das Gremium zu ihrem eigentlichen Thema im alten Luckenwalder Stadtbad. „Umgang mit Wachstum und Schrumpfung in der historischen Stadt – Entwicklung aus dem Bestand“ lautete der Schwerpunkt. Hierzu seien die besuchten Orte geradezu Paradebeispiele. „Noch müssen Jüterbog und Luckenwalde mit Leerstand umgehen. Nach 27 Jahren des Schrumpfens gibt es jetzt aber eine klare Perspektive des Wachstums“, sagt Bartetzky. „In zehn bis fünfzehn Jahren werden Sie deutlich vom Zuzug aus Berlin profitieren“, ergänzt Weiß.

Einen neuen Blick bieten

Der Rat der Expertengruppe: Bei problematischen Immobilien auf Zeit setzen und in Sicherungsmaßnahmen einsteigen, denn auch dafür seien die Mittel der Städtebauförderung da. Für Denkmäler wie das alte Luckenwalder Stadtbad, die Wirtschaftsgebäude von Gut Kaltenhausen in Kloster Zinna oder das bereits gesicherte Jüterboger „Schauburg“-Kino könnten studentische Ideenworkshops einen neuen Blick bieten und Initiativen lostreten. Vor einer grundsätzlichen Instandsetzung solle man auch auf niedrigschwellige Zwischennutzungen der Kreativwirtschaft setzen. „Im kommunalen Eigentum sind diese Immobilien dafür in guten Händen“, sagt Bartetzky.

Grundsätzlich lobte das Gremium die Entscheidungen und die Arbeit der zwei Verwaltungen in solchen Fragen. „Luckenwalde ist mit dem Kauf des Bahnhof und der Nutzung als Bibliothek aktiv vorangegangen“, gibt er ein Beispiel. Das Vorangehen empfiehlt er auch bei der Zwanziger-Jahre-Siedlung „Am Anger“. Dort herrsche durch die Privatisierung nach der Wiedervereinigung mittlerweile „gestalterische Anarchie“ bei Fenstern, Türen, Fassadenfarben und Vorgärten. „Wenn sich die Gelegenheit bietet, sollte die Stadt dort ein Haus erwerben und als Musterhaus sanieren“, sagt Bartetzky. Mit dem Vorführeffekt und Überzeugungsarbeit könne man die Anwohner bei der Gestaltung mitnehmen. Jüterbog riet die Gruppe, bei der geplanten Neugestaltung des Rewe-Standorts in der Großen Straße noch einmal eigene Vorstellungen zu entwickeln. Die Ideen des Investors seien überdimensioniert und abträglich für die Substanz der Stadt.

Schon viel Geld erhalten

Luckenwalde ist mit seinen Siedlungen der Moderne zwar erst 2016 in das Programm aufgenommen worden. Doch nach Aussage des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung haben beide Städte schon seit 1991 aus verschiedenen Städtebauförderungen viel Geld erhalten: Jüterbog rund 50 Millionen Euro und Luckenwalde etwa 49 Millionen Euro. „Die Expertengruppe hat beide Städte in ihrer bisherigen Stadtentwicklung bestätigt“, resümiert man im Ministerium.

Von Peter Degener

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