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Teltow-Fläming Wenn ein Wald durch den Tüv muss
Lokales Teltow-Fläming Wenn ein Wald durch den Tüv muss
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00:21 14.03.2019
Stefan Lindemann überprüft die Arbeitsbedingungen in der Oberförsterei Hammer. Quelle: Till Uebelacker
Hammer

„Stopp!“ Stefan Lindemann, ein stämmiger Zwei-Meter-Mann in Jägeroutfit, hebt die Hand. Der Waldarbeiter im Fahrerhäuschen des gelben Harvesters schaut verdutzt, stellt dann aber den Motor seiner Holzernte-Maschine aus. Normalerweise kann er hier, tief draußen im Wald, ungestört seiner Arbeit nachgehen, Bäume fällen, entasten, zerteilen, stapeln. Doch heute ist Stefan Lindemann da.

Lindemann mein Name. Ich überprüfe dieses Waldrevier. Wann wurde ihr Gerät zuletzt gewartet? Wie viele Feuerlöscher haben sie dabei? Können sie mir die Papiere zeigen?“, fragt Lindemann. Er ist an diesem Tag extra früh aufgestanden und drei Stunden aus Mecklenburg-Vorpommern über die Autobahn gejagt, um genau solche Fragen zu stellen.

Oberförster Tim Ness von der Landeswaldoberförsterei in Hammer freut sich über die erneute Zertifizierung für ökologisches Arbeiten. Er befürchtet aber eine erneute Dürre in diesem Jahr.

Es geht darum, ob nachhaltig gewirtschaftet wird

Stefan Lindemann arbeitet für die Holz- und Zertifizierungsgesellschaft mbh, das ist eine Art Tüv für den Wald. An zwei Tagen überprüft er gleich mehrere Reviere der Landeswaldoberförsterei Hammer darauf, ob sie nachhaltig wirtschaften. Wenn er zufrieden ist, bekommt die Oberförsterei ein so genanntes PEFC-Siegel, ein Nachweis für ökologisches Arbeiten. Das vergibt Lindemann nicht ohne Weiteres.

In einem Wald, der den Vorschriften entspricht, sollten zum Beispiel die Erntemaschinen in Ordnung sein. „Man muss als Förster natürlich darauf achten, welche Unternehmen in den eigenen Revieren unterwegs sind“, beschreibt Lindemann eine Anforderung. Der Harvester-Fahrer kann aber alle verlangten Unterlagen vorweisen. Das gibt schon mal einen Pluspunkt.

Für Tim Ness, Leiter der Landeswaldoberförsterei Hammer, ist diese Situation alles andere als alltäglich. Seine Oberförsterei wird zwar immer mal wieder kontrolliert, aber die Kontrollen finden nur alle paar Jahre statt – und der Ausgang ist immer ungewiss.

Mit Geländewagen geht es durch den Wald

Das Waldgebiet, das die Oberförsterei verwaltet, ist riesig und zerstückelt. Es erstreckt sich von Staakow bis Sperenberg und von Schönefeld bis in den Spreewald. „In so einem Gebiet ist natürlich immer irgendwas zu finden, was nicht in Ordnung ist“, sagt Ness. Zwei Reviere konnte er selbst zur Begutachtung vorschlagen, das dritte aber hat sich Stefan Lindemann ausgesucht.

Mit den Geländewagen der Oberförsterei fahren die Revierleiter den Kontrolleur durch den Wald. „Wir versuchen, den Wildbestand zu reduzieren“, erklärt der Revierleiter für Buchholz, Veith Fröhlich, unterdessen. Fröhlich hat erst gestern erfahren, dass sein Gebiet gelost wurde. Die Vorbereitungszeit war knapp.

Stefan Lindemann schaut aus dem Autofenster. Er achtet darauf, ob der Wald verjüng wurde, ob auch Laubbäume gepflanzt wurden. Der Brandenburger Wald ist traditionell von Kiefern geprägt. In der Nachkriegszeit nahm die Monokultur allerdings Überhand. Seit der Wende bemühen sich die Forsten nun darum, nach und nach wieder Mischwälder anzulegen – aber das kann schwierig sein, wenn Wildschweine die Eichelsaaten wegfressen und Reh- oder Rotwild die jungen Triebe abknabbern. „Wir organisieren mehrere Jagden pro Jahr“, erklärt Revierleiter Fröhlich. So könne das Wachstum junger Bäume gewährleistet werden.

Hohe Stressfaktoren

Kilometerweit fährt die Kolonne aus sechs Geländewagen und Kleinbussen durch die Reviere Semmelei und Buchholz. Die Gespräche auf dem Rücksitz machen klar: Die Dürre im letzten Jahr bereitet allen schlaflose Nächte. „Wenn es wieder so trocken bleibt, haben wir ein großes Problem“, sagt Ness. Es seien zwar nur jüngere Pflanzen vertrocknet, die Bäume produzieren aber weniger Harz und werden anfälliger für Krankheitserreger. Ness: „Die Stressfaktoren sind einfach sehr hoch.“

Auch Schäden am Wurzelwerk seien zu erwarten. Ness fürchtet vor allem einen stärkeren Insektenbefall – eine Gefahr, die auch Stefan Lindemann sieht. „Wir müssen mit Schadensinsektenjahren rechnen“, sagt er. Durch heftigere Unwetter und Stürme entstehen den Revierförstern ebenfalls zunehmend Schäden.

Ein weiterer Stopp auf der Route führt zu einem Krater, mehrere Meter breit und tief. „Hier wurde eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg gezündet“, erklärt Ness. Die Förster sind immer wieder mit Waldgebieten konfrontiert, in denen Granaten und andere Munitionsteile liegen. Dadurch steigt auch die Gefahr bei Waldbränden. „Das langfristige Ziel ist es natürlich, den Wald kampfmittelfrei zu bekommen“, sagt Michael Duhr vom Landwirtschaftsministerium. Entmunitionierung sei aber teuer, das Geld dafür begrenzt. „Wo viele Menschen leben, hat die Beseitigung von Kampfmitteln Vorrang“, so Duhr.

Lob für den Landeswald

Dann wird noch über Pflanzenschutzmittel gesprochen. Die gelten im Wald, anders als in der Landwirtschaft, als Ultima Ratio. Gegen die spätblühende Traubenkirsche und einige schädliche Schmetterlingsarten setze man sie vereinzelt ein, sagt Michael Duhr. Im letzten Jahr seien aber kein Pflanzenschutzmittel im Landeswald verwendet worden.

Am Ende ist Stefan Lindemann zufrieden mit dem Zustand des Landeswaldes rund um Hammer. „Ich kann Sie für ihre Arbeit nur loben und soweit keine Beanstandungen feststellen“, sagt er. Das wiederum freut Tim Ness. „Andere Betriebe können sich bei uns etwas abschauen“, so der Oberförster.

Von Till Uebelacker

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