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Nachwuchsbildhauer geehrt

Meisterleistung aus Langenlipsdorf Nachwuchsbildhauer geehrt

Erstmals wagte sich Bastian Tabert aus Jüterbog, an einem europaweit ausgeschriebenen Kunstwettbewerb für junge Holzbildhauer teilzunehmen – mit Erfolg. Der angehende Meister, der bei SIK Holz in Langenlipsdorf (Teltow-Fläming) arbeitet, konnte mit seinem Werkstück „Atlas“ nicht nur die Juroren überzeugen.

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Der angehende Holzbildhauermeister Bastian Tabert in der der SIK Holz-Werkstatt.

Quelle: Josefine Sack

Langenlipsdorf/Karlsruhe. Ursprünglich wollte Bastian Tabert aus Jüterbog Physiotherapeut werden. Aber nach der Ausbildung merkte er schnell, dass er mit seinen Händen statt zu heilen, lieber handwerklich arbeiten will. Er entschied sich für eine zweite Lehre zum Holzbildhauer bei SIK Holz in Langenlipsdorf. Wenn alles gut geht, bekommt der 32-Jährige noch in diesem Jahr seinen Meisterbrief.

Daran, dass der Holzbildhauer die Prüfung mit Bravur meistern wird, besteht kein Zweifel: Denn in Karlsruhe ist er kürzlich mit dem Nachwuchspreis des Europäischen Gestaltungspreises der ProWood Stiftung ausgezeichnet worden. Die Generalprobe hat Bastian Tabert also längst hinter sich.

Der Europäische Gestaltungspreis wurde in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal vergeben. Ausgelobt wurde er Mitte Mai von der Landesinnung der Holzbildhauer in Baden-Württemberg. Auf Empfehlung seines Ausbilders beschloss Tabert im September 2015, sich an der europaweiten Ausschreibung zu beteiligen – und dass obwohl ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Denn Bewerbungsschluss war nur zwei Monate später. Das Thema des internationalen Wettbewerbs lautete in diesem Jahr „Netzwerke“. Ist die digitale Welt Fluch oder Segen? Dieser Frage sollten die jungen Bildhauer künstlerisch umsetzten und sich dabei mit dem globalen Geflecht der Sozialen Medien beschäftigen, das sich in der modernen Gesellschaft zu einem nicht mehr wegzudenkendem Kommunikationsinstrument entwickelt hat, zugleich aber Macht und Ohmacht bedeuten können.

Mit seinem eingereichten Werkstück „Atlas“ traf Bastian Tabert offenbar den Nerv der Juroren. Seine Idee: eine knapp 50 Zentimeter hohe menschenähnliche Skulptur, in der linken Hand das Smartphone, auf der rechten Schulter die Last des riesigen Erdballs. Taberts dreidimensionale Holzskulptur entspricht dem griechischen Titan Atlas, der dem Mythos nach das Himmelsgewölbe am westlichen Punkt der damals bekannten Welt stützte. Allerdings bezieht sich der Holzbildhauer mit seiner Arbeit auf die Gegenwart: Sie beschreibt den Menschen in der heutigen Gesellschaft, getrieben von Zeit und Leistungsdruck. Ausdruck dessen ist das Smartphone in der linken Hand der Skulptur: Es bietet Zugang zu unzähligen Netzwerken. Kommunikation immer und überall. Im Kontrast dazu lastet die Erdkugel als gewaltige Masse so sehr auf seinen Schultern, dass sie Atlas in die Knie zwingt. Trotz dieser Last befindet sich der Träger in einer dynamischen Vorwärtsbewegung, den Blick stets auf das Smartphone gerichtet, um bloß nichts zu verpassen. Der Sockel symbolisiert den Bürgersteig, auf dem sich der Mensch von heute eilig fortbewegt.

Von der Planung bis zur Fertigstellung – knapp drei Wochen lang werkelte Bastian Tabert während seines Seminars an der Meisterschule in Empfertshausen in Thüringen an seiner 46 mal 32 mal 20 Zentimeter großen Freiskulptur aus Lindenholz. Die vielen Stunden in der Werkstatt haben sich gelohnt: Unter 44 eingesendeten Kunstwerken aus Deutschland, Dänemark, der Schweiz, Italien und Österreich schaffte er es mit seinem Werk unter die besten drei. Als Belohnung gab es 1200 Euro Preisgeld für den Nachwuchsbildhauer.

Aktuell ist Taberts „Atlas“ im Regierungspräsidium in Karlsruhe zu sehen. Danach touren die Statue sowie die anderen Kunstwerke des Wettbewerbs von Lichtenstein in Sachsen nach Baden-Württemberg bis nach Brüssel zur Europäischen Union. Erst im Herbst kehrt die Holzfigur zurück zu Bastian Tabert in die Heimat „Die Skulptur wird dann einen Platz im Betrieb bekommen“, verrät er. Denn nicht nur die Juroren konnte Tabert mit seinem Werk überzeugen, auch sein Chef ist begeistert.

Klaus-Peter Gust sorgte dafür, dass der „Atlas“ zurück nach Langenlipsdorf kommt. Er kaufte das preisgekrönte Kunstwerk seines Mitarbeiters kurzerhand selbst, um zu verhindern, dass es ihm ein begeisterte Kunstsammler oder Ausstellungsbesucher wegschnappt. Ein größeres Lob hätte sich Bastian Tabert wohl kaum wünschen können.

Von Josefine Sack

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