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Neue Bleibe für die Yassins scheint gefunden

MAZ-Serie: „In der neuen Heimat“ Neue Bleibe für die Yassins scheint gefunden

Die Yassins stehen kurz vor dem Unterschreiben eines Mietvertrages. Wenn alles gut geht, können sie noch in diesem Jahr in eine Dreizimmerwohnung in Ludwigsfelde einziehen. Die meisten geflüchteten Familien hatten in der Stadt keine Wohnung gefunden.

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Die Yassins haben gute Chancen, in Ludwigsfelde endlich eine Wohnung beziehen zu können.

Quelle: Annja Meyer

Ludwigsfelde. Wenn Rabiaa Ghomaira in den knapp zwei Jahren, in denen sie jetzt mit ihrer Familie in Deutschland lebt, etwas gelernt hat, dann ist es, sich in Geduld zu üben. „In Deutschland muss man immer warten, warten, warten“, sagt sie, wenn sie über ihre neue Wahlheimat spricht. Ob es der Termin beim Arzt ist, die Bewilligung von Anträgen auf Ämtern oder eben die Sache mit der Wohnung.

Deshalb gibt es noch immer keine ganz konkreten Neuigkeiten an der Wohnungsfront – auch wenn sich die positiven Anzeichen langsam verdichten. Die Yassins haben eine Dreizimmerwohnung der kommunalen Wohnungsgesellschaft Märkischen Heimat in Aussicht, 75 Quadratmeter, gleich bei Kaufland um die Ecke. Eine gute und zentrale Gegend, wie auch die Kinder Hala und Rabiee finden, die gerne und oft mit dem Fahrrad in die Innenstadt fahren.

Es ging hin und her

Das Angebot steht schon seit ein paar Wochen im Raum, Rabiaa und Mohammad haben es schon schriftlich bekommen, nur die Wohnung haben sie noch nicht gesehen – und auch noch keinen Vertrag unterschrieben. Es ging etwas hin und her. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist noch mit einer betreuten Wohngemeinschaft in der Wohnung. Die soll im November ins Erdgeschoss ziehen, dann können sich Rabiaa und Mohammed die frei werdende Wohnung ansehen und wohl auch gleich einziehen. Noch lieber hätten sie die Wohnung im Erdgeschoss genommen, sagen sie. Aber das DRK hatte ein Vorrecht darauf. Jetzt wird es wohl der fünfte Stock. Auch gut.

Das alles sind Aussichten, die beruhigen. Denn seit die Yassins im März ihren Aufenthaltstitel bekommen haben, haben sie nicht nur das Recht, eine eigene Wohnung zu beziehen, sondern auch die Pflicht, eine zu finden. Die Flüchtlingsheime sind schließlich für diejenigen bestimmt, die neu ankommen und deren Status sich noch klären muss. Da sich die Situation seit der Schließung der Balkanroute in Deutschland entspannt hat, üben die Landkreise bisher nur mäßig Druck auf die Flüchtlinge aus. Für Teltow-Fläming gibt es aber ein klares Auszugsmanagement.

Frühestens drei, in der Regel aber eher sechs Monate nach Erhalt des Aufenthaltstitels werden die Flüchtlinge zum ersten Mal angeschrieben und darüber aufgeklärt, dass sie sich eine Wohnung zu suchen haben. Knapp 60 solcher Briefe sind in Teltow-Fläming schon verschickt worden, die meisten an Familien. Darin wurde eine Frist von drei Monaten gesetzt. Wer dann nicht ausgezogen ist, bekommt weitere drei Monate frist, muss aber Bemühungen nachweisen – und irgendwann wird der Landkreis ungnädig.

Warteliste füllt mehrere Ordner

Viele der Familien, die einst mit den Yassins am Birkengrund gelebt haben, sind deshalb schon nicht mehr in der Stadt. „Der Wohnungsmarkt in Ludwigsfelde ist einfach dicht“, sagt Dirk Krause, Flüchtlingskoordinator der Stadt. „Gerade für Familien, die größere Wohnungen suchen.“ Das sagt auch Martina Zander vom Vermietungsmanagement der Märkischen Heimat. „Bei uns läuft alles über eine Warteliste und die füllt schon mehrere Ordner“, sagt sie. „Das ist der Wahnsinn.“ Zudem würden nur wenige Mieter kündigen, so könne es teilweise sehr lange dauern, bis man eine Wohnung bekommt.

Laut Krause sind Familien mit Kindern deshalb fast alle nach Luckenwalde gezogen, in die obersten Etagen von Plattenbauten, die dort lange leer standen. Anfangs habe es auch in Blankenfelde-Mahlow noch ein paar Wohnungen gegeben, die seien jetzt jedoch belegt. „Und auch in Luckenwalde wird es langsam immer schwieriger, für Flüchtlinge, etwas zu bekommen“, sagt Krause.

Krause versucht aber zu helfen, wo er kann. Mit dem Verein Solbra hat er in den vergangenen Monaten mehr als 20 Wohnungen in

Für die Yassins sei die freie Wohnung ein Glücksfall, sagt Krause. Obschon es dort für fünf Leute eng werden dürfte. Aber die Kinder müssen nicht die Schule wechseln und Mohammad und Rabiaa haben es auch nicht weiter zu ihren Integrationskursen in Berlin.

All das sei wichtig, sagt Rabiaa. Und weil sie in zwei Jahren Deutschland auch gelernt hat, dass die Dinge zwar länger dauern, aber tatsächlich bearbeitet werden, ist sie zuversichtlich. „Ich freue mich auf die Wohnung“, sagt sie. Bis dahin müsse sie nur noch einen Wohnberechtigungsschein beantragen und eine schriftliche Zustimmung vom Jobcenter besorgen.„Dann wird alles gut.“

Hintergrund

Die fünfköpfige Familie Yassin – Vater Mohammad, Mutter Rabiaa und die Kinder Rabiee (13), Hala (10) und Meis (2) – stammt aus der syrischen Hafenstadt Latakia. Von dort floh sie vor dem Bürgerkrieg zunächst in die Türkei.

Am 12. Februar 2016 kam die Familie in den Landkreis Teltow-Fläming. Sie lebt seither im Flüchtlingsheim Birkengrund in Ludwigsfelde.

Im April 2016 erhielt die Familie einen Abschiebe-Bescheid. Der Bescheid wurde im Oktober aufgehoben.

Im Februar 2017 erhielten sie vom Bundesamt für Migration einen Aufenthaltstitel. Dieser berechtigt sie, drei Jahre in Deutschland zu bleiben.

» www.MAZ-online.de/Yassins

Von Anja Meyer

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