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Neue Erkenntnisse zu Tetzel-Raub 1517

Jüterbog/Stülpe Neue Erkenntnisse zu Tetzel-Raub 1517

Hat Hake von Stülpe den Ablasshändler Johann Tetzel vor 500 Jahren gar nicht überfallen? Ein Luckenwalder Hobby-Historiker hat sich ins Archiv von Schloss Stülpe vertieft und entlastendes Material für den Ritter gefunden. Demnach könnte Theodor Fontane einst Willibald Alexis falsch zitiert und so eine Legende geschaffen haben.

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Das Schloss in Stülpe war im Mittelalter die Residenz der Adelsfamilie Hake, heute ist es in Privatbesitz.

Quelle: Margrit Hahn

Jüterbog. Gerhard Maetz hat sich in die Chronik „Das Schloss Stülpe“ vertieft. Nun spricht er alle Mitglieder der Familie von Hake frei. Von denen soll bekanntlich einer den Mönch Tetzel 1517 auf seiner Reise durch die Mark überfallen und ihm Geld aus dem Ablasshandel abgenommen haben.

Gemeint ist Hans von Hake (1472–1541), genannt Hake von Stülpe, seine Tat wird beschrieben in „Überfall in der Golmheide“. Von Rochow hat aber in der 1868 erschienen Chronik aufgelistet, dass die Familie Hake erst 1537 Stülpe erworben hat. Da war Tetzel, der 1519 in Leipzig gestorben ist, lange tot. „Hakes können demnach nicht Tetzel an den Holbecker Mordbergen überfallen haben“, sagt Maetz.

Geburtshaus Johann Tetzels in Pirna

Geburtshaus Johann Tetzels in Pirna.

Quelle: Gerhard Maetz

Vor einem Jahr verdächtigte er Mitglieder der Familie von Schlieben der Tat. Jetzt ist er auf eine ganz andere Quelle gestoßen. Willibald Alexis schildert in seinem dreibändigen, 1848 erschienenen Roman „Der Werwolf“ diese Tat, ordnet sie aber dem Ochsenhändler Kaatsch aus Schadewitz zu. Es könnte aber auch ein mystisches Wesen oder der Teufel gewesen sein. Alexis schreibt, Hake von Stülpe habe demnach die leere Truhe nach der Schneeschmelze gefunden und in Jüterbog abgeliefert.

Fontane beruft sich in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg im Band 1 auf Alexis und führt aus: „Dieser Hake von Stülpe war es, der auf der Golm-Haide zwischen Jüterbogk und Trebbin den Ablaßkrämer Tetzel überfiel und ihm unter der höhnischen Vorhaltung‚ den Ablaßzettel für erst noch zu begehende Sünden gestern von ihm gekauft zu haben’ die ganze Barschaft abnahm und den Kasten bergab in den Schnee rollte. Der Kasten wird bekanntlich noch in der Kirche zu Jüterbogk aufbewahrt; Hake von Stülpe aber (auch Willibald Alexis hat ihm in seinem Roman der ‚Wärwolf’ einen Abschnitt gewidmet) wird als eine jener Figuren wie sie das Volk gern hat, in der Geschichte unseres Landes fortleben.“

Der Tetzelkasten in der Jüterboger Nikolaikirche

Der Tetzelkasten in der Jüterboger Nikolaikirche.

Quelle: Nadine Pensold

Daraus ergibt sich die Frage, ob Fontane Alexis überhaupt gelesen hat. Die Antwort ist für Klaus-Peter Möller vom Fontane-Archiv Potsdam klar: „Fontane selbst hat sich mehrfach über Alexis geäußert.“ Unter den überlieferten Bänden aus Fontanes Handbibliothek fänden sich noch „Der falsche Woldemar“ und „Der Wärwolf“ sowie weitere Titel, in denen Fontane zahlreiche Stellen angestrichen und mit Glossen kommentiert hat. „So schreibt er mehrfach im

Auch der Gutenberg-Gesellschaft ist niemand bekannt, der sich mit dem Verhältnis der beiden Autoren befasst hat und eine Erklärung geben könnte, warum Fontane Alexis so zitiert. Maetz liegen leider nur die Seiten aus dem 9. Kapitel von Alexis vor, in denen er Tetzels Begegnung mit dem Ochsenhändler Kaatsch beschreibt. Denkbar ist deshalb auch, dass es in dem Roman mehrere Varianten des Geschehnisses gibt. Er wüsste gern, warum man den Hakes den Raub angedichtet hat.

Johann Tetzel

Johann Tetzel

Quelle: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Seinen Cousin hat er schon gefragt. Dietrich Maetz hat über Tetzel bereits einen Vortrag im Heimatverein „Jüterboger Land“ gehalten. Der Verein bereitet sich auf die Tetzel-Festspiele 2017 vor. Sicher gibt es in Vorbereitung darauf wieder Wanderungen mit Vereinsmitgliedern zu den Schauplätzen des Überfalls auf Tetzel. Zur Auswahl stehen Lüsterdieck an der Nuthe bei Forst Zinna, die Mordberge südlich vom Holbecker See und eben die Golm-Heide. Aber wie es mit Legenden so ist. Sicher gibt es noch weitere Orte. Um zweckdienliche Hinweise wird gebeten.

Das Wappen der märkischen Familie Hake

Das Wappen der märkischen Familie Hake.

Quelle: privat

Unterschiedliche Schreibweisen gibt es übrigens nicht nur für die Familie von Hake, die meist Haake gesprochen wird, sondern auch für Tetzel. Der steht im Brockhaus-Konversationslexikon von 1908 auch unter Tezel, „eigentlich Diez oder Diezel“, geboren um 1460 zu Pirna. In Pirna hängt eine Tafel am Geburtshaus, auf der steht, dass er 1465 auf die Welt gekommen ist. In Leipzig hat Tetzel von 1482 bis 1487 Theologie studiert.

Dann trat er in den Dominikanerorden ein und wurde 1502 zum Ablassprediger bestellt. Den Ablasshandel, so der Brockhaus, habe er jahrelang in der anstößigsten Weise betrieben, besonders in Zwickau. „Daß er in Innsbruck wegen ehebrecherisch auch.

Hintergrund

Willibald Alexis , eigentlich Georg Wilhelm Haering (Häring), wurde am 29. 6. 1798 in Breslau geboren. Gestorben ist er am 16. 12. 1871 im thüringischen Arnstadt, wo er auf dem Alten Friedhof beigesetzt wurde. Alexis entstammte einer hugenottischen Familie. Fontane hat die Anmerkungen in der 3. Auflage des Romans „Der Werwolf“ von Alexis aus dem Jahr 1871 mit Randbemerkungen versehen.

Theodor Fontane wurde am 30. 12. 1819 in Neuruppin geboren. Er stammt aus einer in Preußen heimisch gewordenen Hugenottenfamilie. Der Schriftsteller galt als literarischer Spiegel Preußens und bedeutendster deutscher Vertreter des Realismus. Er starb am 20. September 1898 in Berlin.

Überfall in der Golmheide: Auch im 16. Jahrhundert spielten kirchliche Verdienstquellen, in diesem Fall in Form des Ablasshandels und seines bestellten Protagonisten Tetzel, am Golmberg eine geschichtliche Rolle. In diese Begebenheit war Hans von Hake (1472–1541) aus der Familie von Hake verwickelt, die später in Kleinmachnow residierte und den Rochows in Stülpe vorausging. Theodor Fontane beschrieb diese umstrittene Begebenheit mit dem Dominikanermönch am Golm-berg in seinem berühmten Werk
„Wanderungen durch die Mark Brandenburg“.

Auch Willibald Alexis, der Begründer des historischen Realismus in der deutschen Literatur und Vorgänger Theodor Fontanes als märkischer Schriftsteller, widmete dem Vorfall mit Tetzel in seinem Roman „Werwolf“ aus dem Jahr 1847 einen Abschnitt.

Der Darsteller, der 2017 Tetzel spielen wird, kann sich schon mal auf Legenden vorbereiten, die es sogar in seriöse Lexika geschafft haben. Dort ist zu lesen, dass Tetzel 1509 in Görlitz unter der gern in Jüterbog zitierten Devise „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ seine Ablassbriefe verkauft habe. Erst im Herbst 1517 kam er ins Brandenburgische.

Jüterbog hat es nicht in dieses alte Lexikon geschafft, obwohl die Stadt für sich in Anspruch nimmt, dass sich Wittenberger Kaufleute hier mit den Ablassbriefen eingedeckt und dies Luther gebeichtet hätten, der daraufhin seine Thesen verfasst und so die Reformation ausgelöst habe. Görlitz erwähnt kaum jemand im Fläming. Tetzel ist 1518 in Frankfurt/Oder promoviert worden. Er kehrte nach Leipzig in das Paulinerkloster zurück, wo er am 4. Juli 1519 starb.

Von Gertraud Behrendt

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