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Teltow-Fläming Neue Kirchenspitze: „Chance für Neuanfang“
Lokales Teltow-Fläming Neue Kirchenspitze: „Chance für Neuanfang“
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02:19 20.05.2018
Katrin Rudolph, künftige Superintendentin des Kirchenkreises Zossen-Fläming. Quelle: Oliver Fischer
Zossen

Am Mittwochabend hat sich Katrin Rudolph (43) in einem echten Wahl-Krimi gegen Mitbewerber Karl Friedrich Ulrichs durchgesetzt. Erst im vierten Wahlgang erhielt sie die nötige Stimmenmehrheit. Sie wird damit für die nächsten zehn Jahre den Kirchenkreis Zossen-Fläming als Superintendentin leiten. Am nächsten Morgen wirkt sie noch beeindruckt vom Wahlabend.

Frau Rudolph, eine Wahl wie Ihre gab es in der Geschichte der Landeskirche wohl noch nie. Der dritte und eigentlich entscheidende Wahlgang endete mit einem Patt zwischen beiden Kandidaten. Wie haben Sie das erlebt?

Katrin Rudolph: Natürlich wäre ein schnelles Ende schöner gewesen, nach den ersten beiden Wahlgängen sah es auch so aus. Aber es gehört zum Wesen von Synoden, dass man keine Prognosen abgeben kann. Ich freue mich trotzdem.

Man könnte den knappen Ausgang auch als schlechtes Omen werten.

Ganz und gar nicht. Das Ergebnis kam wahrscheinlich eher dadurch zustande, dass die einen mich bei meinem Gottesdienst in Zossen erlebt haben, die anderen Herrn Ulrichs in Jüterbog. Ich blicke jetzt nach vorne und freue mich darauf, die Menschen kennen zu lernen, die mich bisher nicht erlebt haben.

Haben Sie sich schon ein Bild vom Kirchenkreis Zossen-Fläming machen können?

Ich kenne das Gebiet schon länger, weil das Umland für Berliner Gemeinden Anlaufstelle für Konfirmandenfahrten und ähnliches ist. Die Häuser und Landschaften sind mir also vertraut. Mich hat aber gefreut, dass mir in den vergangenen Wochen eine große Freundlichkeit entgegengebracht wurde. Ich habe schöne Gespräche geführt, die Menschen waren mir gegenüber sehr offen.

Wie haben Sie ihre künftige Wirkungsstätte erlebt?

Positiv aufgefallen sind mir die Kirchen und Orgeln. Das ist ein besonderer Schatz, sowohl kunsthistorisch als auch in Bezug auf Traditionen. Bemerkenswert finde ich auch, wie stark sich die Kirche zivilgesellschaftlich im Kampf gegen Populismus einsetzt. Ich denke da an Jüterbog. Das ist eine wichtige Aufgabe und ich finde, dass Kirche in dieser Hinsicht Tolles leistet. Mich hat auch gefreut, dass die Verwaltung des Kirchenkreises sehr modern aufgestellt ist.

Wie meinen Sie das?

Es werden Modelle getestet und angewandt, die es anderswo selten gibt. Dass Kirchengemeinden regelmäßig von Verwaltungsmitarbeitern unterstützt werden, ist keine Selbstverständlichkeit. In anderen Kirchenkreisen sind Pfarrer oft auf sich allein gestellt, da bleibt die Verwaltungstätigkeit schnell mal liegen. Auch dass Gemeindepädagogen und andere Mitarbeiter direkt beim Kirchenkreis und nicht bei Gemeinden angestellt sind, ist ein Gewinn.

Sie haben in Ihrer Vorstellungsrede gesagt, dass man die Attraktivität der Region erhöhen müsse, um Pfarrernachwuchs in die Region zu locken.

Nein, das war ein Missverständnis. Der Kirchenkreis ist sehr attraktiv, das ist nur leider in der Landeskirche zu wenig bekannt. Es gibt nun mal gewisse Vorbehalte aufs Land zu gehen, weil in den Städten vieles einfacher zu sein scheint. Ich kannte die guten Arbeitsbedingungen im Kirchenkreis Zossen-Fläming auch nicht. Deshalb müssen wir Nachwuchskurse der Pfarrausbildung herholen, um die Vorteile des Kirchenkreis besser zu präsentieren.

Der Pfarrernachwuchs ist eine der offensichtlichen Herausforderungen, mit denen Sie als Superintendentin umgehen müssen. Welche haben Sie noch ausgemacht?

Ich habe den Eindruck, dass es zum Beispiel in Jüterbog noch Trauer darüber gibt, dass man keine eigene Superintendentur mehr hat. Da muss über Aktionen eine gemeinsame Identität entwickelt werden. Katharina Furian hat als Superintendentin ganz fantastische Arbeit geleistet, sie hatte nur den strukturellen Nachteil, dass sie in diesem Konflikt den alten Kirchenkreis Zossen repräsentierte. Vielleicht ist jetzt die Chance für einen Neuanfang.

Was hat Sie bewogen, sich um die Nachfolge von Katharina Furian zu bewerben?

Ich bin seit acht Jahren Pfarrerin in Steglitz, habe Freude an Organisation, an Prozessen, am Gestalten und Begleiten. Das war ein Grund, weshalb ich im vorigen Jahr die Fortbildung für die Mittlere Ebene beantragt habe. Dass sich nun parallel tatsächlich die Möglichkeit ergibt, auf dieser Ebene zu arbeiten, freut mich natürlich.

Inwieweit wird sich ihr neuer Job vom alten unterscheiden?

Von der Pfarrerin zur Superintendentin, das ist ein Ebenenwechsel. Es wird mehr um Begleitung gehen als darum, Dinge selbst umzusetzen.

Wie sind Sie überhaupt zur Theologie gekommen?

Ich stamme aus einer evangelischen Familie und bin evangelisch sozialisiert durch alle Angebote, die es in Potsdam gab. Ich habe im Bläserchor Trompete gespielt, war in der jungen Gemeinde aktiv, wir sind 1989 bei den Montagsdemonstrationen dabei gewesen, das hat mich sehr geprägt. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Israel habe ich erst Judaistik studiert mit Theologie im Zweitfach. Ich bin dann aber recht schnell vollständig zur Theologie gewechselt.

Bis zur ersten Pfarrstelle hat es dann aber offenbar noch eine Weile gedauert.

Weil ich die Gelegenheit ergriffen habe, in Geschichte zu promovieren. Anschließend habe ich als Historikerin gearbeitet. Nach fünf Jahren rief dann die Landeskirche an und wies mich darauf hin, dass mein Erstes Theologisches Examen als Zugangsberechtigung zum Zweiten verfallen würde, wenn ich nicht ins Vikariat gehe. Das habe ich getan und dabei meine Freude für den Beruf entdeckt. Ich war dann zwei Jahre Pfarrerin in Lichtenrade und nun in Steglitz.

Sie haben zwei Kinder. Freuen die sich schon auf den Umzug von Berlin nach Zossen?

Der Große ist 18, der hat sich noch nicht entschieden, ob er mitkommt. Die Jüngere ist 15 und hat keine Wahl (lacht). Aber wir freuen uns tatsächlich darauf, Zossen ist ein schön sanierter Ort – und die Kinder können auch weiter ihre alte Schule in Berlin besuchen. Die ist von Zossen aus sehr gut erreichbar.

Von Oliver Fischer

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