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Neue Stipendiaten in Wiepersdorf

Kreative Ruhe im Künstlerhaus Neue Stipendiaten in Wiepersdorf

Seit einigen Wochen leben und arbeiten 15 der für Stipendien verschiedener Länderstiftungen ausgewählten Literaten, Künstler und Komponisten bereits wieder im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Ein Besuch vor Ort.

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Es ist das, wonach es aussieht: Pömpel, die der Künstler Christoph Medicus derzeit auf diversen Toiletten in Wiepersdorf deponiert hat.

Quelle: Karen Grunow

Wiepersdorf. Ein Geschenk sei es, hier arbeiten zu dürfen, sagen die Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf. Seit einem Monat sind die ersten 15 der Literaten, Künstler und Komponisten, die in diesem Jahr hier erwartet werden, da. Sie haben sich eingefunden in den Wiepersdorfer Rhythmus, der in gewisser Weise von den festen Essenszeiten vorgegeben wird. Sie haben vermutlich schon erste Rituale entwickelt, einen täglichen Morgenspaziergang durch den noch kahlen Wald vielleicht, haben im Park eine Lieblingslesebank auserkoren oder den rotweißen Kater Schiller fotografiert, der behäbig durch sein imposantes Revier streift.

Wird es in der ländlichen Idylle nicht auch mit der Zeit ein bisschen einsam? Christoph Medicus verneint dies entschieden. Der in München geborene Künstler, der unter anderem in Rheinland-Pfalz studierte und über ein Stipendium dieses Bundeslandes nach Wiepersdorf gekommen ist, lebt mittlerweile in der Metropole Berlin. Aber da verbringe ich selten jede Mahlzeit des Tages mit mindestens sechs anderen Leuten, sagt er. „Es ist weniger einsam als ich gedacht hatte.“

Spuren der DDR-Vergangenheit sind im Schloss sichtbar

Neugierig erkundet Medicus die Umgebung. Er findet Spuren der DDR-Vergangenheit, die natürlich auch im Schloss selbst noch sichtbar sind, das damals als Arbeits- und Erholungsstätte für Schriftsteller geführt worden war. „Anna Seghers, Christa Wolf“, beeindruckt nennt Malte Borsdorf große Namen. Die Geschichte des Ortes fasziniert ihn, wenngleich der Autor, Stipendiat des Landes Brandenburg, sich mit seinem Buch-Projekt weniger in der Ära der Wiepersdorfer Granden Bettine und Achim von Arnim bewegt.

Ins passende 19. Jahrhundert dagegen springt Nathalie Saab. „Ich schreibe einen historischen Roman“, erzählt die Potsdamerin. Die Historikerin und Journalistin hat sich Joanna Hiffernan vorgenommen, „La belle Irlandaise“, wie der Maler Gustave Courbet ein Gemälde seines attraktiven Modells betitelte. Auch der US-amerikanische Maler James McNeill Whistler verehrte und begehrte jene junge Frau, Briefe der Künstler liegen in Archiven in London und Paris. Saab hat alles recherchiert. Nun ist sie zum Schreiben in Wiepersdorf. „Ein großer Genuss“, sagt sie über ihre Zeit im Künstlerhaus.

Seit zehn Jahren in Trägerschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Seit zehn Jahren nun ist das Haus in der Trägerschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Das wird mit mehreren Veranstaltungen zelebriert in diesem Jahr, zunächst mit der Ausstellung „Pilgrimage – Wege nach Wiepersdorf“ im Finnland-Institut in Berlin. Gezeigt werden Werke von finnischen Künstlern, die in den vergangenen Jahren über die Finnish Cultural Foundation als Stipendiaten nach Wiepersdorf kamen.

So wie derzeit die Autorinnen Anu Kaaja und Mia Kankimäki sowie die Bildhauerin Riitta Helevä. „Wir sind so privilegiert“, sagt die Künstlerin freudig staunend. Sie verwendet Birkenrindestückchen, um darauf mit Tinte zu zeichnen und Aquarelle zu malen. „Ich möchte eine Installation machen“, sagt sie.

Sommerfest am 26. Juni

Beim Sommerfest am 26. Juni wird sie Details ihrer ungewöhnlichen Arbeit zeigen, ebenso wie andere Künstler, etwa Stefan Schiek oder das Duo Sukyun Yang und Insook Ju. Außerdem wird es, wie immer während der Stipendiaten-Saison, an jedem ersten Sonntagnachmittag im Monat die Möglichkeit geben, ausgewählte Projekte genauer kennenzulernen. Dann werden auch meist Rundgänge durch das kleine, vom Freundeskreis Schloss Wiepersdorf eingerichtete Museum für Bettine und Achim von Arnim angeboten.

Zum nächsten Termin am 1. Mai wird der Schriftsteller Martin Ahrends eine Lesung seiner Kollegen Malte Borsdorf und Markus Ostermair moderieren. Letzterer arbeitet gerade an seinem Debüt, einem Roman über Obdachlose. „Normalerweise sind Obdachlose der Endpunkt einer Geschichte. Bei mir ist das der Ausgangspunkt“, sagt Markus Ostermair. Er suchte und fand die ersehnte Ruhe zum Schreiben in Wiepersdorf. Trotzdem genießt er auch den anregenden Austausch mit den anderen sehr.

Farbenfrohe Pömpel für die eigentlich einsamen Orte

Wie auch Christoph Medicus, der schon sichtbar produktiv geworden ist und sich mit einigen seiner Wiepersdorfer Arbeiten an eigentlich einsamen Orten, den Toiletten des Künstlerhauses, listig und permanent ins Blickfeld rückt. Mit der Drechselmaschine hat er farbenfrohe Pömpel kreiert. Gedrechselt ist auch seine Version der Keule, die am Zinnaer Tor in Jüterbog hängt und dort mit dem Spruch „Wer seinen Kindern gibt das Brot und leidet nachmals selber Not, den schlage man mit der Keule tot“ versehen ist.
Apropos Brot und Speisen: Nicht nur eine besondere Kultur der Tischgespräche kann in Wiepersdorf gepflegt werden. Das Essen, sagt Riitta Helevä, sei ganz wunderbar.

Info: Die Ausstellung „Pilgrimage – Wege nach Wiepersdorf“ wird am Donnerstag um 19 Uhr im Finnland-Institut in der Georgenstraße 24 in Berlin-Mitte eröffnet. Weitere Termine findet man unter www.schloss-wiepersdorf.de

Von Karen Grunow

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