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Noch viel Asbest in der Region verbaut

Dahmeland-Fläming Noch viel Asbest in der Region verbaut

Seit 1993 darf der stark gesundheitsschädliche Baustoff Asbest nicht mehr verwendet werden. In der Region Dahmeland-Fläming ist er dennoch an tausenden Häusern und Grundstücken zu finden. Die IG Bau fordert eine Abwrackprämie zur Sanierung. Bauexperten warnen vor großer Panik.

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Als Welldach ist Asbest sofort erkennbar, doch auch in Fugen oder Böden ist der Baustoff in der Region noch vorhanden.

Quelle: foto: privat

Dahmeland-Fläming. Kürzlich warnte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau): In vielen der in den 1960er und 70er Jahren erbauten Wohnhäuser in der Region Dahmeland-Fläming sei noch immer Asbest vorhanden. Allein im Landkreis Teltow-Fläming vermutet IG-Bau-Bezirkschef Rudi Wiggert mehr als 3000 mit Asbest belastete Altbauten aus dieser Zeit. Der Stoff fände sich etwa unter Linoleumböden, auf dem Schuppendach, unter älteren Fliesen, in Nachtspeicheröfen oder im Putz. „Rund 3 700 Wohngebäude im Kreis Teltow-Fläming stammen noch aus der Zeit“, sagt Wiggert. „Ein Großteil davon dürfte immer noch mit dem Baustoff belastet sein.“

Doch weil die Entsorgung teuer ist, belassen viele Hausbesitzer den Asbest in den Bauten. Deshalb fordert die IG Bau eine Art Abwrackprämie zur Sanierung von Asbestbauten. Denn der Kontakt mit dem einst beliebten Baustoff kann schnell hochgradig gesundheitsschädigend sein: Wer Asbestfasern einatmet, läuft Gefahr, an Lungen- oder Kehlkopfkrebs zu erkranken.

Doch auch wenn die Gefahr real da ist – nicht jeder Bewohner eines Hauses mit Asbest-Rückständen erkrankt zwangsläufig. „Es gibt keinen Grund zur Panik“, sagt Bernd Dieske, Obermeister der Baugewerks-Innung Teltow-Fläming. In den 1990er Jahren habe es eine große Hysterie um den Baustoff gegeben. Dieske beruhigt: „Solange man nicht an den Asbestplatten herumwerkelt, passiert in der Regel auch nichts.“

Der gefährlichste Asbest ist nach Angaben von Dieske der Spritzasbest, der jedoch nur im Palast der Republik und im ICC in Berlin verbaut wurde. Gefährlich sind auch mäßig bis schwach gebundene Asbestplatten, die als Brandschutz verwendet wurden. Sie sind im Wohnungsbau unter anderem noch bei Schachtverkleidungen, zum Beispiel bei Wasserrohren, zu finden. Allerdings seien sie meist gemalert und übertapeziert, weshalb wenig passieren könne, so Dieske. Gerade beim Bohren an Schachtverkleidungen oder Fußböden sollten Mieter und Hausbesitzer vorher prüfen, welches Material darunter ist. Zementgebundene Asbestplatten, wie sie etwa auf Schuppendächern zu finden sind, seien meist unproblematisch.

Wer sich dafür entscheidet, Asbest zu beseitigen, sollte das zugelassenen Fachleuten überlassen. Ein Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, ist die Firma Holz- und Spezialbau Schadly aus Groß Köris. Geschäftsführer Steffen Schadly erklärt, er kenne kaum ein Privatgrundstück, auf dem man kein Asbest mehr findet.

„Das ist so gefährlich, wie der Revolver im Schrank“, sagt er. Wenn nichts an den Platten zerstört werde, könne auch nichts freigesetzt werden. Dennoch: „Auf meinem Grundstück würde ich kein Asbest mehr haben wollen.“ Allein die Abgabe von Asbest auf den Sondermülldeponien ist teuer. Eine Tonne koste etwa 200 Euro.

Trotzdem scheint es vielen Menschen in der Region so zu gehen wie Steffen Schadly – die Auftragsbücher für Asbestentsorgungen sind voll. Und auch Ernst Wilke, SBB Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin berichtet davon, dass die Menge an entsorgtem Asbest dauerhaft auf einem hohen Niveau bleibt. Da der Stoff seit 1993 nicht mehr verbaut werden darf, müsste diese Menge eigentlich mit der Zeit abnehmen. Ein Zeichen dafür, dass eben doch noch sehr viel auf den Grundstücken und in den Häusern schlummert.

Von Anja Meyer

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