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Notstand in der Notaufnahme

Luckenwalde Notstand in der Notaufnahme

Die Rettungsstelle im DRK-Krankenhaus schlägt Alarm. Mit mehr als 18 000 Patienten pro Jahr ist das Personal überlastet. Zudem wird der Notaufnahme für nicht akute Patienten die Vergütung gekürzt.

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Mehr als 18 000 Patienten werden jährlich in der Luckenwalder Notaufnahme behandelt; die Liegendanfahrten sind nur ein Teil davon.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. Die Notaufnahme im Luckenwalder DRK-Krankenhaus gerät zunehmend selbst in Not. Zum einen ist sie chronisch überlastet, zum anderen wird ihr teilweise der Geldhahn abgedreht. Thomas Kolombe, Chefarzt der Unfallchirurgie, und der kaufmännische Direktor Enrico Ukrow, informierten im städtischen Gesundheits- und Sozialausschuss über die prekäre Situation in der Rettungsstelle.

Thomas Kolombe (r) und Enrico Ukrow informierten über die Situation in der Rettungsstelle

Thomas Kolombe (r.) und Enrico Ukrow informierten über die Situation in der Rettungsstelle.

Quelle: Elinor Wenke

„Das Herzstück der Notaufnahme ist die Liegendanfahrt für Verletzte oder schwer Erkrankte“, sagte Thomas Kolombe, „eine ambulante Einweisung ist eigentlich nicht vorgesehen.“ Tatsächlich aber begeben sich immer mehr Patienten selbst zur Rettungsstelle, weil sie sich für ihre akuten Beschwerden dort in den besten Händen glauben.

Als Kolombe 1994 die Rettungsstelle mit aufgebaut hatte, war sie für eine Kapazität von jährlich 3000 Patienten ausgelegt. Wurden 2010 schon 6278 Patienten behandelt, so waren es im Jahr 2014 bereits 18 714 und vor zwei Jahren 18 367 Patienten. „Wir ziehen also heute sechs Mal so viele Patienten durch die Räume, die dafür gar nicht ausgelegt sind“, gab Kolombe zu bedenken. Zwei Ärzte und 13 Mitarbeiter des mittleren medizinischen Personals seien für die Arbeit in der Rettungsstelle eingebunden.

Weniger Zeit für tatsächliche Notfälle

Laut Ukrow kommen lediglich zehn bis 20 Prozent der Patienten mit lebensbedrohlichen Beschwerden. Die Folge sind überlastete Ärzte, lange Wartezeiten und genervte Patienten. Den Ärzten bleibt weniger Zeit für tatsächliche Notfälle.

Zudem gibt es seit 1. April bundesweit eine neue Finanzierungsregelung zur ambulanten Notfallversorgung. Pro Patient gibt es eine sogenannte Abklärungspauschale von 4,74 Euro. „Bei tatsächlichen stündlichen Kosten 140 Euro entspricht das einer Behandlungszeit von zwei Minuten“, sagte Ukrow. Nicht akute Patienten dürften nicht weiterbehandelt und müssten zu den niedergelassenen Haus- oder Fachärzten geschickt werden, was aber in Luckenwalde zurzeit nicht praktiziert wird. „Die derzeitige Vergütung ist ein hohes finanzielles Risiko für die Rettungsstelle“, sagte Kolombe.

„Patienten werden zum Teil abgewimmelt“

Ausschussmitglieder wie Hans Buchner (SPD) oder Christoph Guhlke (CDU) verwiesen auf einen Mangel an Haus- und Fachärzten und an zeitnahen MRT- und CT-Untersuchungsterminen. Für Eberhard Pohle (Linke), selbst Arzt im Ruhestand, steht fest: „Das ganze System krankt am Geld.“ Für ihn ist unverständlich, dass sich Patienten mit Bagatellbeschwerden in die Notaufnahmen begeben. Andererseits seien auch niedergelassene Ärzte an der Situation nicht unschuldig. „Patienten werden zum Teil abgewimmelt oder Hausbesuche abgelehnt“, sagte er.

Neuordnung der Vergütung gefordert

Einen konkreten Ausweg aus dem Dilemma konnten Kolombe und Ukrow nicht aufzeigen. Sie werben bei Patienten und Kommunalpolitikern für Verständnis und fordern von der Politik eine grundsätzliche Neuordnung des Vergütungssystems und der Versorgungsstrukturen sowie den Ausbau der übersektoralen Zusammenarbeit. Außerdem müsse die einheitliche Rufnummer 116 117 für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst bekannter gemacht werden. Laut Statistik waren 79 Prozent der Patienten ins Krankenhaus gekommen, ohne vorher diese Nummer anzurufen; elf Prozent war die Notrufnummer unbekannt.

Von Elinor Wenke

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