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Teltow-Fläming „Wenn die Schweine aus dem Ort nicht mehr rauskommen, hat man ein Problem“
Lokales Teltow-Fläming „Wenn die Schweine aus dem Ort nicht mehr rauskommen, hat man ein Problem“
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18:09 17.02.2019
Eine Wildschwein-Rotte mit Frischlingen. Quelle: dpa
Luckenwalde

Die Wildschweinpopulation nimmt stetig zu, die Tiere lassen sich inzwischen schon in Ortschaften nieder. Ortwin Seier, seit 1994 Vorsitzender des Jagdverbandes Teltow-Fläming, erklärt, weshalb es nicht ganz einfach ist, der Plage Herr zu werden.

Herr Seier, in Potsdam-Mittelmark scheint es derzeit eine regelrechte Wildschweinplage in Ortschaften zu geben. Erst vor wenigen Tagen spazierte eine ganze Rotte durch Kleinmachnow. Erleben wir so etwas in Teltow-Fläming auch?

Ortwin Seier: Vor allem in Blankenfelde-Mahlow kennen wir das Problem. Die Sauen sind schlau. Sie merken, dass sie dort günstig Fraß finden und relativ sicher leben. Genauso, wie sie es sich im Sommer in den großen Rapsfeldern gemütlich machen und nicht mehr rauskommen, nutzen sie auch aus, dass sie in den Ortschaften ihre Ruhe haben.

Kann man dem vorbeugen?

Das geht kaum. Das Hauptproblem ist die große Zahl der Wildschweine, und dafür gibt es viele Ursachen. Da sind zum einen die großen Monokulturen in der Landwirtschaft, wo die Tiere viel zu fressen und gleichzeitig viel Deckung finden. Hinzu kommen die Eichelmasten. Wenn wie im vorigen Herbst die Bäume voller Eicheln hängen, bekommen die Bachen auch viele Frischlinge. In den milden Wintern überleben die meisten davon auch. Die Population steigt an, und einige lassen sich eben auch in Ortschaften nieder.

Wie gehen die Jäger dann vor?

Wenn die Schweine aus dem Ort gar nicht mehr rauskommen, hat man ein Problem. Man kann dort ja nicht schießen. Eine Alternative sind Saufänge. Das hat man in Rostock zuletzt erfolgreich probiert.

Saufänge wurden gerade vom Land frei gegeben. Erklären Sie uns, was das genau ist.

Das sind große Kastenfallen, wie es sie schon zu DDR-Zeiten gab. Damals wurden damit vor allem Sauen zu wissenschaftlichen Zwecken gefangen. Jetzt hat man sie etwas modifiziert, damit ganze Rudel entnommen werden können.

Und wie funktioniert das?

Der Kasten wird aufgestellt, der Jäger legt Futter aus und wartet ab. Wenn die Futterstelle nach zwei Wochen gut angenommen wird, stellt sich der Jäger mit seinem Auto in die Nähe und beobachtet die Falle über eine Kamera. Wenn er sieht, dass sich ein ganzes Rudel in der Falle befindet, löst er per Hand eine Klappe aus und schließt den Kasten.

Lässt sich das nicht automatisch machen?

Aus Gründen des Tierschutzes ist das verboten. Kein Tier darf die Klappe abbekommen. Außerdem muss gesichert sein, dass alle Frischlinge in der Falle sind und keiner ohne die Bache überlebt. Die Tiere müssen anschließend auch in der Falle mit einer kleinkalibrigen Waffe getötet werden. Damit haben einige Jäger aber ein Problem, vor allem aus Sorge, dass in der Rotte eine Panik ausbricht.

Wie stehen die Jäger im Landkreis zur Jagd mit solchen Fallen?

Die Meinungen gehen auseinander. Die meisten plädieren eher für Drückjagden, was in bewohnten Gebieten freilich nicht geht. Es kam deshalb auch schon die Forderung, Wildschweine mit Pfeil und Bogen zu jagen. In Mahlow hat man eine entsprechende Ausnahmegenehmigung beantragt. Ich bin gespannt, ob sie erteilt wird, habe aber meine Zweifel.

Weshalb?

Es ist vorgeschrieben, dass bei der Jagd nach Schalenwild das Geschoss mindestens mit 2000 Joule auf den Tierkörper treffen soll. Durch die Schockwirkung soll das Tier sofort getötet werden. Mit Pfeil und Bogen lässt sich das aus meiner Sicht nicht gewährleisten. Ist die Sau aber nur verletzt, kann sie in Panik geraten und gefährlich werden. In Amerika ist die Jagd mit Pfeil und Bogen erlaubt. Dort benutzt man Pfeile mit Klingen, die große Wunden verursachen, so dass das Tier verblutet. Aus Tierschutzgründen lehne ich so etwas aber ab.

Die Wildschweinjagd ist auch wegen der Afrikanischen Schweinepest ein großes Thema. Seit Jahren bemühen sich die Jäger, den Bestand zu reduzieren. Wie sieht es aktuell in Teltow-Fläming aus?

Die Jäger haben viel geschossen, aber es werden wieder viele Tiere nachkommen. Die Sauen sind gut ernährt, viele Jungtiere werden wegen der guten Futterlage auch schon so kräftig sein, dass sie selbst Frischlinge werfen können. Es braucht große Anstrengungen, um das alles wieder abzuschöpfen.

Und wie hat sich die Bedrohungslage durch die Schweinepest entwickelt?

Die Seuche tritt in Polen nach wie vor auf. In Rumänien hat sie im vorigen Jahr gewütet, dann gab es den Fall in Belgien. Wo die Seuche auftritt, ist unberechenbar, weil sie wohl vor allem von Menschen transportiert wird. Allein über das Wild kann sich die Seuche höchstens 20 Kilometer pro Jahr fortbewegen, denn die Tiere sterben bereits nach vier oder fünf Tagen, sie werden vorher auch schnell lethargisch. Aber wenn Lkw-Fahrer irgendwo infizierte Lebensmittel wegwerfen und Schweine das fressen, kann sich die Krankheit enorm schnell über ganz Europa ausbreiten. Das ist unsere große Angst, da muss man aus meiner Sicht noch viel stärker aufklären und beispielsweise Abfallbehälter mit fest verschließbaren Deckeln installieren.

Was ist überhaupt so kompliziert daran, den Wildschweinbestand zu reduzieren?

Die Sauen sind nicht kontinuierlich an einem Ort. Sie legen oft 20 Kilometer in einer Nacht zurück und suchen neue Stellen. Wenn eine Bache merkt, dass ihr an einem Feld ein Frischling weggeschossen wurde, wird sie das Feld künftig auch meiden. Die Tiere werden heimlich, wie wir Jäger sagen.

Nutzen Sie selbst Nachtsichtgeräte bei der Jagd?

Nur um Tiere zu suchen. In der Zieloptik dürfen keine Nachtsichtgeräte eingebaut sein.

Warum nicht?

Das Argument war immer, dass das Wild auch eine Chance haben muss, und dass es auch nicht ständig gestört werden soll. Bei Neumond hat es seine Ruhe.

Sollte man diese Regelung angesichts der stetig wachsenden Population nicht überdenken?

Ich bin nicht dafür, und ich weiß auch nicht, ob es etwas bringt. Wenn die Jäger täglich im Wald sind, werden die Tiere nur noch vorsichtiger, sie verstecken sich noch mehr. Aber die Landesforst testet das gerade. Ich bin gespannt, was dabei rauskommt.

Von Oliver Fischer

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