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Teltow-Fläming Orden für Obdachlosen-Friseurin
Lokales Teltow-Fläming Orden für Obdachlosen-Friseurin
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12:40 24.03.2017
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles verlieh am Dienstag das Bundesverdienstkreuz an Franziska Dinter aus Königs Wusterhausen. Quelle: BMAS
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Berlin

Franziska Dinter aus Königs Wusterhausen hatte fast alles verloren. Doch sie hat sich ins Leben zurückgekämpft. Heute widmet sie ihre Zeit denen, die gar nichts mehr haben. Seit mehr als 15 Jahren schneidet Dinter wohnungslosen Menschen die Haare. Nun ist die 64-Jährige für ihr aufopferungsvolles Engagement in Berlin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Überreicht wurde ihr und 12 anderen Geehrten die Auszeichnung von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD).

Der schwere Schicksalsschlag, der alles veränderte, war ein Unfall vor fast 20 Jahren. Das Auto, in dem sie mit Freundinnen saß, wurde von einem Zug erfasst. Die beiden Frauen auf dem Fahrer- und Beifahrersitz blieben unversehrt. Franziska Dinter hatte auf der Rückbank gesessen. Die Ärzte gaben ihr lediglich eine minimale Überlebenschance, so schwer waren die Verletzungen.

Franziska Dinter, hier ganz links im Bild, war eine von 13 Geehrten, die ihre Auszeichnung entgegennahmen. Quelle: BMAS

Alle Rippen waren gebrochen, alle Organe geschädigt, auch das Gehirn hatte etwas abbekommen. Die Ärzte kämpften um Franziska Dinters Leben. Zwei Monate lag sie im Koma, insgesamt acht Monate im Krankenhaus. Der Ehemann kümmerte sich um Dinter, als sie es selbst nicht mehr konnte. Das Paar feierte noch die Silberhochzeit. Kurz darauf verließ er sie. Das Häuschen im Grünen tauschte Dinter gegen eine kleine Wohnung im Plattenbau. Arbeiten konnte Franziska Dinter wegen des Unfalls nicht mehr.

Obdachlose statt gut betuchte Kundschaft

Um selbst nicht auch noch den Lebensmut zu verlieren, gab Franziska Dinter ihrem Dasein einen neuen Sinn. Die Hände waren als einziges nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Friseurmeisterin begann, stundenweise wieder Haare zu schneiden. Aber eben nicht von gut betuchten Kundinnen, sondern die Haare der Obdachlosen.

In ihren improvisierten Salons in der Bahnhofsmission am Zoo oder der Obdachlosenhilfe bekommt Franziska Dinter öfter Menschen zu Gesicht, die in einem herkömmlichen Friseursalon vermutlich gar keinen Zutritt erhalten würden. Verfilzte Haare sind Alltag, offene Ekzeme keine Seltenheit.

Zu Dinter kommen zumeist diejenigen, die schon seit vielen Jahren auf der Straße leben. Die Friseurin bewertet nicht, sie hilft einfach. Hier ist sie in der Bahnhofsmission am Zoo in Aktion. Quelle: Friedrich Bungert

Zu ihr kommen vor allem Menschen, die schon seit vielen Jahren auf der Straße leben und die ihre Körperpflege entsprechend lange Zeit vernachlässigt haben. Berührungsängste darf Dinter bei dieser Tätigkeit nicht empfinden. Oft muss die Friseurin, die vor ihrem Unfall einen eigenen Salon betrieben hat, mit widrigen Umständen kämpfen: leere Akkus der Haarschneidemaschinen, wenige Waschmöglichkeiten.

Dabei behält Dinter stets ihr Lächeln. „Für ihre unermüdlichen Bemühungen erwartet sie keinerlei Gegenleistungen“, heißt es beim Diakonischen Werk in Lübben, das seit vielen Jahren eng mit Dinter zusammenarbeitet, „vielmehr empfindet sie große Dankbarkeit für die Chance auf ein zweites Leben und möchte denen etwas zurückgeben, die Unterstützung bedürfen.“

Große Freude bei den Kollegen

Als die Diakonie im Jahr 2000 die Tee- und Wärmestube in Königs Wusterhausen einrichtete, war die Friseurin bereit mit von der Partie. Bis heute ist sie jeden Freitag dort. „Frau Dinter ist etwas Besonderes“, sagt die Wärmestubenmitarbeiterin Regina Perschmann. „Sie ist herzlich und sehr beliebt, und wir freuen uns riesig mit ihr, denn sie hat diese Ehrung wirklich verdient.“

Dinter bewerte nicht, sie urteile nicht über die Menschen, die sich auf dem Friseurstuhl wiederfinden. Stattdessen mache sie den Obdachlosen öfter kleine Geschenke. „Niemand weiß, wie vielen Menschen Franziska Dinter schon neuen Lebensmut gegeben hat“, heißt es aus der Diakonie. Arbeitsministerin Nahles findet: „Sie haben unsere Anerkennung verdient.“

Zweimal in der Woche ist Franziska Dinter allein am Zoo in Aktion, einmal in Königs Wusterhausen. Dazu kommen noch Termine in anderen Einrichtungen. Quelle: Friedrich Bungert

Nahles war es auch, die Dinter beim Bundespräsidenten für die Auszeichnung vorgeschlagen hat. Das Bundesverdienstkreuz, dessen offizieller Name Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland lautet, wird für besondere Leistungen auf wirtschaftlichem, kulturellem, politischem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet verliehen. Die Auszeichnung wurde 1951 vom Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet. Bislang wurde der Orden rund 255 000 Mal verliehen, seit Anfang der 1990er Jahre sind die Zahlen rückläufig. 2016 gab es 1318 neue Träger des Verdienstkreuzes.

Von Saskia Kirf

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