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Teltow-Fläming Pätzer investieren Millionen in Gasthof
Lokales Teltow-Fläming Pätzer investieren Millionen in Gasthof
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09:42 21.03.2016
Von links: Mitgesellschafter René Kowatsch, Susanne Du Chesne und Torsten Splanemann-Du Chesne.
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Dahmeland-Fläming

Von alten DDR-Bezirksgrenzen lassen sich Susanne Du Chesne und ihr Mann Torsten Splanemann-Du Chesne bestimmt nicht aufhalten. Das wäre ja noch schöner, klingt ihre Geschichte doch wie die Wende-Story schlechthin: Er aus Westberlin, sie aus Ludwigsfelde, seit 1992 ein Paar, wohnhaft im beschaulichen Bestenseer Ortsteil Pätz, als Unternehmer inzwischen schwer erfolgreich – und das verteilt über drei frühere DDR-Bezirke südöstlich von Berlin.

„Von Pätz bis hierher ist es ja wirklich nur eine halbe Stunde, aber ich habe den Eindruck, in den Köpfen spielen diese alten Bezirksgrenzen immer noch eine Rolle“, sagt Susanne Du Chesne in ihrem Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“. Der liegt in dem kleinen Spreewald-Ort Schlepzig, ganz in der Nähe von Tropical Islands, und gehörte ehedem zum Bezirk Cottbus. Im Hintergrund sind Maurerspachtel und Bohrmaschinen zu hören, gerade wird eine Lkw-Ladung Kalksandstein angeliefert. Der Landgasthof, den die Eheleute 2012 übernommen haben, wird gerade zum Spreewaldresort „Seinerzeit“ aus- und umgebaut – und das soll auch Gäste aus der Region Dahmeland-Fläming anziehen.

22 000 Quadratmeter umfasst das Gelände des Gasthofs in Schlepzig. Quelle: Martin Küper

Die Pläne für das „Seinerzeit“ sind groß. Der bestehende Hotelbetrieb wird stark erweitert, insgesamt 26 Zimmer kommen hinzu, darunter Familien-Zimmer und Suiten mit integrierter Sauna, aber auch mehrere neue Tagungsräume für Seminarveranstaltungen. Der bestehende Restaurantbetrieb wird um eine Bar und eine Terrasse mit Blick in den Spreewald erweitert, die Restaurantküche wird komplett erneuert.

Nach dem Umbau wird es außerdem einen Streichelzoo und Kanufahrten auf der Spree geben, die mitten durch das 22 000 Quadratmeter große Außengelände fließt. Im letzten Bauabschnitt bekommt die seit 1998 bestehende Privatbrauerei noch einen schicken Brauturm mit Holzvertäfelung und Kupferdach. Die Bierproduktion soll sich dann mehr als verdreifachen. Im April 2017 soll alles fertig sein und dann insgesamt 60 Menschen Arbeit geben.

Vier Millionen Euro für die Baumaßnahmen

Etwa vier Millionen Euro haben die Unternehmer für die umfangreichen Baumaßnahmen in die Hand genommen, 928 000 Euro kommen noch einmal als Wirtschaftsförderung vom Land Brandenburg dazu. „Das ist bislang unsere größte Investition“, sagt Torsten Splanemann-Du Chesne. Die Grundlage für ihren unternehmerischen Erfolg haben die zwei mit ihrem Saunapark Satama (finnisch: Hafen) in Wendisch Rietz am Südufer des Scharmützelsees gelegt – im früheren DDR-Bezirk Frankfurt. Das Satama haben sie 2002 gemeinsam mit René Kowatsch eröffnet, einem Sauna-Experten, der nun auch als Gesellschafter am neuen Spreewaldresort beteiligt ist.

„Mit 150 000 Euro Eigenkapital, fünf Saunen und sechs Mitarbeitern haben wir angefangen“, erzählt der 51-jährige Splanemann-Du Chesne, der früher als Lebensmittellogistiker für große Handelskonzerne gearbeitet hat. „Nach einem halben Jahr waren wir fast pleite.“ Ungünstigerweise hatten sie das Satama nämlich im März eröffnet, pünktlich zum Ende der Sauna-Saison. „Ein befreundeter Unternehmer hat uns damals mit einer Coupon-Aktion gerettet“, erinnert sich Susanne Du Chesne. „Plötzlich kamen die Gäste, dafür sind wir ihm bis heute dankbar.“

Von da an ging es aufwärts. 2004 wurde die Saunalandschaft zum ersten Mal erweitert, 2007 zum zweiten Mal und 2013 investierten die Gesellschafter dann 1,5 Millionen Euro in ihre Theater-Sauna. Die bietet Platz für 200 Schwitzende, die auf den nächsten Aufguss warten. Nach Angaben der Inhaber ist es die größte Sauna dieser Art weltweit. Inzwischen umfasst Satama zehn Saunen und beschäftigt 50 feste Mitarbeiter. 70 000 Gäste vor allem aus Berlin und der Region kommen in jeder Saison. Und an der Stelle kommt wieder der Landgasthof im Spreewald ins Spiel. Denn was tun erholungsbedürftige Großstädter in den Sommermonaten, außerhalb der Sauna-Saison? Genau, sie fahren in den Spreewald und lassen es sich dort gut gehen.

Im April 2017 soll der Umbau abgeschlossen sein. Quelle: Martin Küper

Susanne Du Chesne (deren hugenottischer Name sich übrigens Dü Scheen ausspricht) ist jedenfalls zuversichtlich, dass auch das „Seinerzeit“ funktionieren wird. „Das romantische Gefühl des alten Landgasthofs soll erhalten bleiben und gleichzeitig können die Gäste die modernen Standards erwarten, die sie aus dem Satama kennen“, sagt die 45-jährige gelernte Immobilienkauffrau. „Es war natürlich auch charmant, als die Hotelgäste noch am Biertresen eincheckten. Aber bei der großen Zahl braucht man irgendwann auch ein Büro.“

Von Martin Küper

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