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Teltow-Fläming Parolen, Gerüchte, Missverständnisse
Lokales Teltow-Fläming Parolen, Gerüchte, Missverständnisse
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00:28 17.10.2015
Metallspinde als Raumteiler. Diese albanische Familie lebt im Übergangswohnheim am Schieferling in Luckenwalde. Quelle: Hartmut F. Reck
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Luckenwalde

„Es gibt keine Extrawürste für Asylbewerber!“ Das sagte am Montagabend Kirsten Gurske (Linke). Die Erste Beigeordnete und Sozialdezernentin des Kreises Teltow-Fläming reagierte etwas ungehalten auf verschiedene Anfragen von Mitgliedern des Ausschusses für Gesundheit und Soziales, die nur das nachfragten, was ihnen so zu Ohren gekommen sei. Dabei wurde nur eins wirklich klar: Die Gerüchteküche kocht.

Etwa, dass Asylbewerber bei der Unterbringung ihrer Kinder in Kitas bevorzugt würden. „Quatsch“, meinte da selbst die sachkundige Einwohnerin Heide Igel aus Ludwigsfelde: „Die bringen ihre Kinder dorthin, wo freie Plätze sind, während die deutschen Eltern darauf warten, dass in ihren Wunsch-Kitas Plätze frei werden.“

Der Ausschuss tagte diesmal dort, wo die Flüchtlinge schlafen: im Übergangswohnheim am Schieferling in Luckenwalde. Dort durften die Ausschussmitglieder am Ende ihrer Sitzung ein paar Blicke in einige Zimmer der Asylbewerber werfen und in der ehemaligen Lehrküche des Oberstufenzentrums zusehen, was sich die Heimbewohner gerade als Abendbrot zubereiteten.

Hintergrund

Alle Flüchtlinge werden in den Erstaufnahmestellen medizinisch auf ansteckende Krankheiten untersucht.

Danach haben sie nur einen eingeschränkten Arztzugang. Gewährt wird nur eine Not- und Schmerzbehandlung, die unmittelbar notwendig ist.

Nach 15 Monaten legalem Aufenthalt erhält jeder eine AOK-Chipkarte. Die Kosten übernimmt das Sozialamt.

Davor war es um Aspekte der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen im Landkreis gegangen. So war der Luckenwalder Hausarzt Harald Weber gekommen, um über die ärztliche Versorgung der Flüchtlinge vor Ort zu berichten. Und auch er berichtete, dass ihm seine deutschen Patienten erzählt hätten, dass sich Asylbewerber zum Beispiel in der Notaufnahme des Krankenhauses sehr fordernd aufführen und sich nach der Behandlung mit dem Taxi zurück zum Wohnheim fahren ließen. „Das kommt nicht gut an“, meinte der Arzt, aber Guido Kohl vom Sozialamt intervenierte: „Das geht auch bei Ausländern nicht ohne ärztliche Verordnung.“ Wer dennoch das Taxi nutze, dem würden die Kosten dafür vom Sozialamt wieder abgezogen, betonte er. So komme es leicht zu Missverständnissen und Gerüchten, die von interessierter Seite in Parolen mit vermeintlichem Wahrheitsgehalt umgemünzt würden.

Was tatsächlich vorherrscht, sind Verständigungsschwierigkeiten. Auch davon kann der Allgemeinmediziner Harald Weber ein Lied singen. So gestalten sich die Sprechstunden mit erkrankten Flüchtlingen sehr schwierig. Denn wie soll eine Sprechstunde ohne eine gemeinsame Sprache funktionieren? Am besten hätte man immer einen Dolmetscher dabei, so Weber. Zwar gebe es vom Robert-Koch-Institut eine Leitfaden für Ärzte im Umgang mit Flüchtlingen. Aber der sei 400 Seiten dick. „Wann soll man das alles lesen“, fragte der Arzt. Außerdem brächten die Flüchtlinge mitunter Krankheiten mit, „die nicht zu unserem Spektrum gehören und schwer zu erkennen sind“. Die Zusammenarbeit mit dem Sozialamt klappe gut, so Weber, größere Probleme gebe es mit dem Bereitschaftsdienst. Wegen der Verständigungsprobleme würde recht häufig der Notarzt gerufen, um den Patienten dann im Krankenhaus untersuchen zu lassen. Das führe dazu, dass relativ viele Ausländer gleich ins Krankenhaus kämen, zumal die Überweisung an Fachärzte schwierig sei.

Von Hartmut F. Reck

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