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Parteien plagen Nachwuchssorgen

Dahmeland-Fläming Parteien plagen Nachwuchssorgen

Die Linken wissen aus erster Hand, was demografischer Wandel bedeutet. In Dahme-Spreewald hat der Kreisverband der Partei in den vergangenen fünf Jahren ein Drittel seiner Mitglieder verloren – aus biologischen Gründen. Aber auch die meisten anderen großen Parteien müssen sich über ihre Mitgliederzahlen Gedanken machen.

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Wahlen politisieren: Manche Parteien knüpfen ihre Hoffnungen auf neue Mitglieder an Urnengänge.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Als Michael Wippold im Januar zum neuen Kreischef der Linken in Dahme-Spreewald gewählt wurde, präsentierte man ihm auf dem Parteitag das dringlichste Thema seiner Amtszeit gleich auf dem Tablett: die sinkenden Mitgliederzahlen. Es gab eine harte Debatte, es ging um die Reformierung der Partei. „Wir müssen uns verändern, wir müssen jünger werden“, gab der scheidende Vorsitzende Stefan Ludwig seinem Nachfolger mit auf den Weg.

Das ist aber nicht so leicht. In den sechs Monaten seit seiner Wahl hat der Kreisverband noch keinen erkennbaren Schritt in diese Richtung gemacht, räumt Wippold ein. Gut 400 Mitglieder hat die Linke in Dahme-Spreewald noch. Vor fünf Jahren waren es 600. „Austritte gibt es kaum, der Hauptgrund ist das Ableben“, sagt Wippold. Die Neueintritte können die Zahl der Verstorbenen nicht mal annähernd ausgleichen.

Dramatische Entwicklung bei Linken

Für die Linken ist die Entwicklung inzwischen dramatisch. „Das Bemühen um neue Mitglieder ist deshalb für mich existenziell. Es geht um den Fortbestand einer linken Partei in Dahme-Spreewald“, sagt Wippold. Dem grundsätzlichen Problem müssen sich aber fast alle großen Parteien stellen. Im Westen nimmt die Zahl der Parteimitglieder seit den frühen Siebzigern kontinuierlich ab, die SPD hatte mal mehr als eine Million Mitglieder, heute sind es weniger als 450 000, die CDU hat seit den frühen Neunzigerjahren 40 Prozent ihrer Mitglieder eingebüßt. In der Dahmeland-Fläming-Region verlieren die Parteien bereits spürbar an Einfluss. Zahlreiche Bürgermeister sind parteilos, es gibt im ländlichen Raum zunehmend Gemeinden, in denen Parteien kaum mehr Zugriff auf das politische Leben haben. Im Niederen Fläming etwa hat die Linke noch einen Sitz in der Gemeindevertretung inne, den Rest teilen sich Einzelbewerber und der Bauernverband. Das muss nichts Schlechtes bedeuten, es hat aber nur noch wenig mit dem Prinzip zu tun, nach dem sich Deutschland laut Grundgesetz organisieren soll. Dort heißt es: „Parteien wirken bei der politischen Willensbildung mit.“ Das könnte bald schwierig werden.

Felix Thier, Kreischef der Linken in Teltow-Fläming, macht eine regelrechte Parteimüdigkeit aus: „Es gibt die Tendenz, dass sich Leute nicht mehr für Parteien interessieren. Die Bürger bringen sich nur ein, wenn ihre Interessen betroffen sind, dann gründen sie eine Bürgerinitiative.“ Erik Stohn, Unterbezirksvorsitzender der SPD in Teltow-Fläming, bringt das Problem auf den Punkt: „Parteien sollen breit aufgestellt sein, damit sie jedes für die Bürger bedeutende Thema behandeln können. Aber wenn in den Parteien nicht mehr genügend Leute sind, dann hinkt das.“ Das Problem hat zudem eine finanzielle Komponente, wie Felix Thier sagt. Die alten Mitglieder haben zum Teil hohe Parteibeiträge gezahlt. Die Linken in Teltow-Fläming müssen deshalb seit einiger Zeit sparen.

Druck noch nicht so hoch

Bei CDU und SPD ist der Druck noch nicht ganz so hoch, die Kreisverbände stützen sich jeweils auf 350 bis 400 Mitglieder, die Zahlen sind zuletzt stabil geblieben. Diese Stabilität ist aber trügerisch, sie hängt mit der Geschichte der Parteien im Osten zusammen. Viele der Mitglieder sind bei der Gründung nach der Wende eingetreten, sie waren damals jung, nun altern die Ortsgruppen mit ihnen. Ein durchschnittliches CDU-Mitglied in Dahme-Spreewald ist heute 56 Jahre alt und seit 19 Jahren in der Partei. „Die meisten unserer Mitglieder sind aber zwischen 66 und 70“, sagt der Mitgliederbeauftragte, Julius Schulz. Bei der SPD in Dahme-Spreewald sieht es nicht anders aus. Ludwig Scheetz, Geschäftsführer des Unterbezirks, ehrt jedes Jahr Genossen für 25-jährige Parteimitgliedschaft. „Normalerweise sind das zehn. Im vergangenen Jahr hatten wir mehr als 100“, sagt er. Mehr als ein Drittel der Mitglieder stammt also aus der Gründergeneration. Scheetz: „Es steht zu erwarten, dass wir deshalb bis 2025 zahlreiche Mitglieder verlieren werden.“

Deshalb hat man in seinem Kreisverband schon vor einiger Zeit eine Arbeitsgruppe für Mitgliedergewinnung gegründet. Die Chancen stünden nicht so schlecht, sagt Scheetz, und zitiert eine Studie, nach der sich sieben Prozent der Bevölkerung vorstellen kann, SPD-Mitglied zu werden. Es gebe vor allem drei Gründe, weshalb sie es nicht tun: „Sie haben wenig Zeit, sie sind unzufrieden mit dem politischen Geschehen oder sie wurden nicht angesprochen.“ Vor allem Letzteres will die SPD ändern. Deshalb soll es Veranstaltungsreihen geben, man werde durch die Orte touren, in eigener Sache werben. Ein Politik-Schnupper-Abo gibt es obendrein, Besuch im Willy-Brandt-Haus, die Teilnahme an Sitzungen und ein Kamingespräch mit einem führenden SPD-Politiker inklusive. Ein ähnliches Programm durchlaufen die Praktikanten in der SPD-Geschäftsstelle auch, sagt Scheetz. „Und die sind bisher anschließend alle eingetreten.“

Strategien der Kreisverbände

Veranstaltungen, mit Leuten reden, im Gespräch bleiben, vor allem über Facebook: So sehen die Strategien der meisten Kreisverbände aus. Danny Eichelbaum, CDU-Chef in Teltow-Fläming, schwärmt noch von einem CDU-Info-Abend zum Thema Altanschließer in Jüterbog vor einigen Wochen: „Da, wo die Probleme der Leute sind, da wollen wir sein.“ Aber die Schritte bleiben klein.

Felix Thier freut sich über einen Kameruner, der in Luckenwalde den Linken beigetreten ist. Michael Wippold hofft in Dahme-Spreewald auf eine Postkartenaktion, mit der er auch um Hilfe bitten will, weil viele Mitglieder inzwischen zu alt zur aktiven Mitarbeit sind. Wippold hofft auch auf die Wahlen, die in den nächsten Jahren anstehen. Denn Wahlen politisieren, Leute engagieren sich in diesen Zeiten mehr. Aber die Flüchtlingskrise im vorigen Jahr hat auch politisiert. Die Frage, ob das den Linken neue Mitglieder gebracht hat, muss Wippold verneinen.

Einen Mitgliederzuwachs kann nur eine Partei verbuchen: die AfD. Und die muss sich dafür nicht einmal groß anstrengen. Steffen Kotré, Interimsvorsitzender des AfD-Kreisverbandes Dahme-Spreewald, gibt die Mitgliederzahl seines Verbandes derzeit mit 75 an. In den vergangenen Monaten sei das Interesse aber stark gestiegen. „Ich gehe davon aus, dass wir Ende des Jahres die Hundert geschafft haben“, sagt er. Es seien zumeist Leute, die zuvor völlig unpolitisch waren, sagt Kotré. Groß Werbung machen müsse man nicht. Demonstrationen, Stammtische, Bürgerdialoge. Alles zum Thema Asylpolitik. „Das reicht.“

Von Oliver Fischer

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