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Patchworkfamilie mit großen Problemen

MAZ-Sterntaler-Aktion in Dahmeland-Fläming Patchworkfamilie mit großen Problemen

Im Jahr 2005 stirbt Antje Janz’ erster Mann und Vater von Bianca (14) und Leon (10). Drei Jahre später heiratet sie ihren einstigen Nachbarn Dieter Janz und bekommt mit ihm die kleine Tochter Lisa (5). Doch die Familie hat gesundheitliche und finanzielle Schwierigkeiten. Sie leben seit Jahren von Hartz IV, es reicht nur für das Nötigste.

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Bianca, Lisa, Mutter Antje und Vater Dieter Janz mit Leon (v.l.n.r.) aus Jüterbog haben bescheidene Weihnachtswünsche.

Quelle: Anja Meyer

Jüterboger. An den wohl schlimmsten Tag ihres Lebens erinnert sich Antje Janz, als wäre er erst gestern gewesen: Wie jeden Mittag will sie für sich und ihre Familie kochen – für ihren Ehemann Peter Hollstein, den Schwiegervater und die vierjährige Tochter Bianca. Der acht Wochen alte Sohn Leon-Peter schläft im Wohnzimmer. Schnitzel mit Gemüse und Kartoffeln soll es geben. Ein ganz normaler Tag. Doch in dem Augenblick, in dem Peter Hollstein die Kartoffeln in den Topf legt, wird sich alles ändern.

Vater stirbt vor den Augen der Familie

Plötzlich kippt der 55-Jährige um. Ohne Krankheit, ohne Vorankündigung. Antje Janz und die kleine Bianca stehen daneben. Doch vor Schreck fällt Antje Janz nur die Nummer der Polizei ein. Eine gefühlte Ewigkeit wartet sie in ihrer Wohnung in Altes Lager auf Hilfe. Die Polizei holt die Rettungskräfte dazu, aber es ist zu spät. Peter Hollstein stirbt am 7. August 2005 vor den Augen seiner Frau und seiner Tochter. Zwei Stunden liegt seine Leiche in der Küche. Bianca muss noch über ihren geliebten Vater klettern.

Antje Janz wirkt gefasst, als sie von dem traumatischen Erlebnis erzählt. Bis dahin war es ein langer Weg. Um den Tod ihres Mannes zu verkraften, geht die heute 40-Jährige zwei Jahre regelmäßig in die Familienberatung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Besonders die Sorgen um Tochter Bianca setzen ihr sehr zu. Die Bilder des toten Papas sind zu viel für das kleine Mädchen, sie schafft es nicht, sie wieder aus ihrem Kopf zu vertreiben. Bianca leidet an einem schweren Trauma, sie macht einen Rückschritt in ihrer Entwicklung. Plötzlich nässt sie wieder ein, spricht nicht mehr richtig und bekommt epileptische Anfälle.

Tochter leidet unter den Bildern des toten Papas

Ohne die Hilfe ihrer Mutter Erika Lehmann hätte Antje Janz es wohl kaum geschafft, den Alltag zu bewältigen. Ständig fährt sie mit Bianca zum Arzt und zu Therapeuten. Das Mädchen muss über Jahre hinweg fünf verschiedene Sorten Tabletten einnehmen. Gegen die Epilepsie, gegen das Einnässen, gegen die Depressionen, wogegen noch weiß Antje Janz selbst kaum. In diesem Sommer kam die 14-Jährige mit einer Nierenbeckenentzündung in die Klinik. Dazu kommt das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom von Leon-Peter – die Mutter ist nur noch unterwegs.

MAZ-Sterntaler-Aktion

Die Weihnachtsaktion , die die MAZ in Kooperation mit dem DRK durchführt, soll Familien, die unverschuldet in Not geraten sind, ein unvergessliches Weihnachtsfest ermöglichen. Zudem sollen damit in diesem Jahr Frauenhäuser, Behindertenverbände, Tafeln und der Schulsanitätsdienst des DRK unterstützt werden.

Das Spendenkonto wird vom DRK- Kreisverband Fläming-Spreewald verwaltet, der auf Wunsch auch Spendenquittungen ausstellt.

Kontoinhaber: DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald e.V., IBAN: DE30 1605 0000 3633 0275 39, Verwendungszweck: Sterntaler.

Die MAZ möchte die Namen der Spender veröffentlichen. Ist dies nicht gewünscht, kann das beim Verwendungszweck vermerkt werden.

Wie gut tut da die Hilfe ihres damaligen Nachbarn Dieter Janz. Der heute 55-Jährige passt immer mal wieder auf die beiden Kinder auf, und wenn die Familie einen Autofahrer braucht, ist er da. Nach knapp drei Jahren werden Antje und Dieter Janz ein Paar. Im Jahr 2010 bekommen sie ihre gemeinsame Tochter Lisa Marie, am 12. Dezember 2012 heiraten sie.

Auch Dieter Janz trägt ein schweres Schicksal mit sich. Lisa könnte schon sein sechstes Kind sein, aber sie ist die Erste und Einzige, die das Licht der Welt erblickt – Dieter Janz’ erste Frau erlitt drei Fehlgeburten, die beiden Lebensgefährtinnen danach jeweils eine. Als Janz die kleine Lisa das erste Mal sieht, kann er sein Glück kaum fassen. „Ich habe mich kaum getraut, sie zu berühren“, sagt er.

Auch der jüngste Spross mit Entwicklungsstörungen

Doch auch um Lisas Gesundheit steht es schlecht. Die Kleine entwickelt sich sehr langsam. Mit sechs Monaten stellt die Hebamme eine starke Entwicklungsstörung bei ihr fest. Lisa ist erst mit viereinhalb Jahren aus den Windeln raus und spricht auch heute, mit fünf Jahren, noch nicht richtig. Antje Janz muss auch mit ihr ständig zu Ärzten, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten fahren. Zeit zum arbeiten hätte die gelernte Wirtschaftsgehilfin bei ihrer schwierigen Familiensituation nicht.

Vor sechs Jahren verliert Dieter Janz dann ebenfalls seinen Job. Er wird so schwer krank, dass er auch keinen neuen mehr annehmen kann. Der gelernte Landwirt hat zuletzt im Straßenbau und als Maler gearbeitet. An seinem letzten Arbeitstag streicht er einen Bunker in Altes Lager. Dabei atmet er wahrscheinlich giftige Dämpfe ein, die ihm sehr zusetzen. „Ich habe es gerade noch geschafft, mit dem Auto zurückzufahren, mir war total schwindelig“, erinnert er sich. Kurz danach trifft ihn ein leichter Schlaganfall, es folgen Krankenhausaufenthalte und drei Herzoperationen.

„Das Geld reicht nur für das Nötigste“

Seit vielen Jahren lebt die fünfköpfige Familie Janz nun von Hartz IV. „Das Geld reicht bei uns wirklich nur für das Nötigste“, sagt Antje Janz. Für große Weihnachtsgeschenke bleibe da leider nicht mehr viel übrig. Besonders für Bianca ist Weihnachten ohnehin immer eine schwierige Zeit, dann vermisst sie ihren verstorbenen Vater umso mehr. „Ich weiß, dass ich nach vorne blicken muss, aber an solchen Tagen holt mich alles ein“, sagt die Schülerin. „Nächstes Jahr wird’s besonders schlimm, da habe ich Jugendweihe.“

Umso mehr wünschen sich Antje und Dieter Janz ein schönes Weihnachtsfest für ihre Kinder. An Wünschen mangelt es den dreien nicht. Bianca würde sich sehr über neue Hosen, Pullover, Bettwäsche mit einem „Liebe ist...“-Motiv oder ein Freundesbuch freuen. Leon-Peter ist „Star Wars“-Fan. Er hätte gerne blau-weiße Bettwäsche mit Darth Vader und ein grünes Schwert der Filmreihe. Außerdem wünscht er sich CDs von den Amigos und Smokey. Die kleine Lisa liebt die Geschichte der Eiskönigin Elsa. Sie würde sich riesig über einen rosa Schlafanzug in der Größe 104/110, einen Bademantel und Plüschtiere aus dem Film freuen. Die Eltern Antje und Dieter Janz haben auch einen Wunsch: Sie würden gerne mal zu zweit beim Griechen in Jüterbog essen gehen.

Von Anja Meyer

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