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Paul ist der Liebling der Senioren

Jüterbog Paul ist der Liebling der Senioren

Wenn Paul die Bewohner des Johanniter-Seniorenzentrums besucht, ist Kuschelzeit. Wie nebenbei öffnen sich plötzlich Türen zu Menschen, die schon lange nicht mehr mit ihrer Umwelt kommunizieren. Dass Paul eine Puppe ist, spielt keine Rolle. Im Gegenteil.

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Die 96-jährige Maria Hannich genießt es, wenn Elke Puhlmann (l.) und Paul einmal wöchentlich zu Besuch kommen, ein Handküsschen des kleinen Kavaliers inklusive.

Quelle: Uwe Klemens

Jüterbog. „Paul ist ein richtiger Charmeur“ sagt Elke Puhlmann und lächelt. Schließlich leiht die 59-jährige Betreuerin im Johanniter-Seniorenzentrum in Jüterbog dem jungen Mann mehrmals in der Woche ihre Stimme. Obwohl Paul eine Stoffpuppe mit wirrem Haar und Knuddelnase ist, ist er im Haus der vielleicht beliebteste Mitarbeiter. So viel Zeit zum Zuhören und Schmusen wie er, hat selten jemand.

Ein Küsschen für die Damen

Dass sich nicht jeder Bewohner an ihn erinnern kann, nimmt Paul gelassen. Dass alte Menschen und vor allem Menschen mit Demenz viel vergessen, weiß er als gelernte Demenzpuppe nur zu genau. Mit seinem fast schüchternen „Darf ich mich vorstellen“ und dem schon etwas draufgängerischen Handküsschen für die Damen, erobert er sich Woche für Woche erneut buchstäblich im Handumdrehen die Gunst der Bewohner im Johanniter-Seniorenzentrum.

Die Idee, sich als Verstärkung eine Demenzpuppe mit ins Team zu holen, kam Elke Puhlmann, als sie im Internet nach Ideen für die Arbeit mit Demenzkranken suchte. In einem Workshop erlernte sie, wie man eine solche Puppe führt, wie die Stimmlage sein sollte und was sich mit einer solchen Puppe alles anstellen kann, um über Emotionen und Kommunikation die Betroffenen zu erreichen. Die anfängliche Skepsis bei Kollegen und auch bei Angehörigen ist schon lange Geschichte.

Alle halfen, das Versprechen zu halten

„Mit Paul zu arbeiten und mit ihm zu den Bewohnern zu gehen, ist nicht nur für die Betreuten, sondern auch für mich etwas sehr Schönes“, sagt Elke Puhlmann, die vor etwa sieben Jahren ihren Berufs als Industriekauffrau an den Nagel hängte und sich zur Pflegehelferin und später zur Betreuungskraft für Menschen mit Demenz umschulen ließ. Aus der Erfahrung bei der Pflege ihrer Schwiegereltern heraus wusste sie, dass ihr das liegt. „Dass das ein anstrengender 24-Stunden-Job ist, weiß jeder, der schon einmal jemanden gepflegt hat. Aber ich sehe es als gute Gelegenheit, den Menschen ein Stück von dem zurück zu geben, was sie einem gegeben oder im Leben geleistet haben“, sagt die gebürtige Malterhausenerin. „Als meine Schwiegermutter pflegebedürftig wurde, hab ich ihr versprochen, dass sie, so lange es irgendwie geht, zu Hause bleiben würde. Dank der Unterstützung aus der ganzen Familie konnten wir dieses Versprechen auch halten.“

Kindliche Hingabe rührt zu Tränen

Der Respekt vor dem Menschen, egal, wie krank oder gesund er ist, ist das, was auch Paul von seiner „Mutter“ Elke gelernt hat. Ob ein Bewohner des Seniorenzentrums die spielerischen Aufgaben, die er jedes Mal mitbringt, auch wirklich korrekt löst, ist ihm nicht wichtig. Auch die Lieder, die er anstimmt, werden manchmal nur mitgesummt. Wenn den Bewohnern bei so viel kindlicher Hingabe zuweilen die Tränen in die Augen steigen, muss sich auch Elke Puhlmann um eine feste Stimme bemühen.

„Paul gelingt es, mit Menschen zu kommunizieren, die wir menschlichen Mitarbeiter oder sogar Familienmitglieder schon lange nicht mehr erreichen“, erzählt Elke Puhlmann von ihren Erfahrungen. Nicht nur Frauen genießen es, wenn sich Paul ganz eng an ihren Hals schmiegt, mit seinen großen Kulleraugen zwinkert oder leise ein Liedchen ins Ohr summt. „Fast alle Bewohner bieten Paul sofort das Du an und sind traurig, wenn er wieder geht“, erzählt Elke Puhlmann. „Manchmal darf er sogar mit ins Bett – ein echter Charmeur eben.“

Von Uwe Klemens

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