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Teltow-Fläming Pfarrer liest zur Stasi-Verfolgung
Lokales Teltow-Fläming Pfarrer liest zur Stasi-Verfolgung
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06:35 27.10.2016
Dietmar und Barbe Maria Linke lesen am Wochenende in Meinsdorf und Wiepersdorf. Quelle: Privat
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Meinsdorf

Dietmar Linke blickt gern auf seine Zeit als Pfarrer in Meinsdorf zurück. 1971 kam er frisch vom Vikariat in Luckenwalde gemeinsam mit seiner Frau Barbe Maria Linke in die dörfliche Gemeinde. „Rückblickend fand ich es dort sehr spannend, weil mir die Menschen stets aufgeschlossen gegenüberstanden“, erzählt er. Leicht hatte es Dietmar Linke allerdings nicht immer. „Denn es gab auch Stinkstiefel“, sagt er. Vor allem ein Stasi-Spitzel machte ihm das ruhige Leben auf dem Dorf schwer. Nach dem Mauerfall entschloss er sich, ein Buch über die 40 Jahre als Pfarrer in der DDR zu schreiben.

„Einblick in meine Akte konnte ich 1993 erstmals im Zuge eines Forschungsauftrags für die Theologische Fakultät der Humboldt-Universität Berlin nehmen“, erzählt Dietmar Linke. Im Laufe der Zeit fand er dadurch viele Antworten auf Fragen, die er sich in seiner jahrzehntelangen Arbeit als Theologe stets gestellt hatte. Denn die Lage in der DDR hatte sich für Dietmar Linke und seine Frau stetig zugespitzt. 1983 war das Paar dann sogar nach West-Berlin ausgebürgert worden.

Barbe Maria Linke

Barbe Maria Linke war als Theologin tätig und engagierte sich gemeinsam mit ihrem Mann für eine Berliner Friedensbewegung. Seit 1993 ist sie freie Schriftstellerin und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht.

In ihrem neuesten Buch „Wege, die wir gingen – Zwölf Frauen aus Ost- und Westdeutschland geben Auskunft“ versucht die Autorin, die Wirklichkeit des Frauenlebens sowohl in der ehemaligen DDR als auch der BRD zu erfassen.

Seine Premiere hatte das Buch im vergangenen Jahr bei einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. Es beinhaltet auch ein Vorwort der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth (CDU).

Grund dafür war das Engagement des Pfarrers. Linke setzte sich beispielsweise für den Erhalt eines jüdischen Friedhofs ein in einer Zeit, in der die DDR den Staat Israel als Verbündeten der Kapitalisten ansah. Er unternahm mehrtägige Reisen mit den Kirchenmitgliedern und organisierte unzählige Feste in seiner Gemeinde. „Daran nahmen die Menschen immer mit Interesse teil“, erinnert er sich heute. Außerdem betreute er die damals stets großen Konfirmandengruppen. „Bei uns konnten die Jugendlichen frei diskutieren“, sagt er, „das war in der FDJ nicht möglich.“ Auch seine Frau Barbe Maria Linke war Pfarrerin und leitete die Junge Gemeinde.

Im Fokus der Stasi

Das Ehepaar geriet schnell in den Fokus des Ministeriums für Staatssicherheit. „Dass wir beobachtet wurden, war uns klar, aber es interessierte uns nicht“, erklärt Linke. Nach sieben Jahren verließ das Pastorenpaar die Gemeinde Meinsdorf schließlich doch. „Eine gediegene Arbeit war dann einfach nicht mehr möglich“, erinnert sich Dietmar Linke. Denn ein Mitglied des Rats des Kreises Jüterbog hatte ihnen immer wieder Steine in den Weg geworfen.

Ereignisse wie einen Einbruch in das Pfarrhaus, in dem die Linkes damals wohnten, oder das Verbot eines Festes zum Kindertag arbeitete Dietmar Linke erst mit der Recherche für seine Bücher auf. Auch die Namen der Spitzel fand er in den Akten wieder. „Als ich das alles gelesen hatte, war ich erst einmal platt“, sagt er. Gleichzeitig beschloss er jedoch, die Geschehnisse zu dokumentieren. „Ich wollte sie dem Vergessen entreißen und meine Vergangenheit bewältigen“, erzählt er.

Die Zeit unter die Lupe nehmen

Heutzutage möchte Dietmar Linke damit sowohl die junge als auch die älteren Generationen ansprechen. „Es ist wichtig, diese Zeit genau unter die Lupe zu nehmen“, sagt er, „denn nur so können wir denjenigen begegnen, die nur mit funkelnden Augen an die DDR zurückdenken.“

 Info: Dietmar Linke liest am Freitag um 19 Uhr im Meinsdorfer Gemeinderaum aus seinem Buch „Bedrohter Alltag – Als Pfarrer im Fokus des MfS“. Am Sonnabend wird es eine Lesung seiner Frau Barbe Maria Linke geben. Sie findet um 19 Uhr in der Gaststätte Donath in Wiepersdorf statt. Vorgestellt wird ihr neuestes Buch „Wege, die wir gingen – Zwölf Frauen aus Ost- und Westdeutschland geben Auskunft“.

Von Victoria Barnack

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